EM-Duell mit Portugal Revanche geglückt: Handballer erhöhen Halbfinal-Chancen
2025 erleben die deutschen Handballer einen bitteren WM-Abend gegen Portugal. Beim EM-Wiedersehen entwickelt sich erneut ein Krimi. Torhüter Andreas Wolff und ein EM-Neuling überzeugen - aber sonst?
Erst führte Andreas Wolff die deutschen Handballer mit Weltklasse-Reflexen zum Sieg gegen Portugal. Dann schlüpfte der Torwart auch noch in die Rolle des Streitschlichters und trennte seine Teamkollegen von den sichtlich aufgebrachten Südeuropäern. Angeführt vom herausragenden DHB-Keeper und EM-Neuling Miro Schluroff hat die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason einen erfolgreichen Start in die Hauptrunde hingelegt und ihre Chancen auf das EM-Halbfinale deutlich verbessert.
Das DHB-Team setzte sich trotz vieler Fehler gegen Portugal mit 32:30 (11:11) durch und revanchierte sich für die bittere Niederlage im WM-Viertelfinale vor einem Jahr. Damals hatte das DHB-Team eine dramatische Partie erst nach Verlängerung verloren.
„Eine Riesen-Last“ sei laut Schluroff abgefallen. „Wir wussten alle, dass es ein unfassbar wichtiges Spiel gewesen ist und für den Ausgang der Gruppe entscheidend sein kann. Die Portugiesen zu besiegen, war ein ganz wichtiges Ding“, sagte der Youngster in der ARD. Schluroff bekam ein Extra-Lob von Torhüter Wolff, der betonte: „Wir nehmen einen sehr guten Start mit in die Hauptrunde.“
Schluroff dreht in der zweiten Halbzeit auf
Vor 6.145 Zuschauern war EM-Neuling Miro Schluroff, der erst nach der Pause kam, mit sieben Toren bester DHB-Werfer. Wolff kam auf über zehn Paraden. In der Sechsergruppe steht Deutschland nun bei vielversprechenden vier Punkten. Die beiden Erstplatzierten erreichen die Vorschlussrunde.
Im Kampf um den Halbfinaleinzug warten auf die deutsche Riege nun weitere „Hitchcock-Klassiker“ im Zwei-Tages-Rhythmus, wie Teammanager Benjamin Chatton die „Todesgruppe“ bezeichnet hatte. Samstag (20.30 Uhr) geht es gegen Norwegen, Montag (20.30 Uhr) gegen Olympiasieger Dänemark und am Mittwoch (18.00 Uhr) gegen Titelverteidiger Frankreich. „Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel“, meinte Gislason.
Fehlstart und frühe Auswechslung für Knorr
Portugal hatte zum Abschluss der Vorrunde Überflieger Dänemark die erste Niederlage in Herning seit 2014 zugefügt und entsprechend siegessicher starteten die Südeuropäer in die Partie. Glanzparaden von Torhüter Andreas Wolff reichten nicht, um einen ähnlich schlechten deutschen Start wie im Vorjahr abzuwenden. Vor allem Spielmacher Juri Knorr und Julian Köster vergeigten einen Angriff nach dem anderen.
„Dieses Spiel lebt nur von unseren Fehlern. Bitte spielt einfach unser ganz normales Spiel“, flehte Gislason in einer frühen Auszeit und wechselte durch. Nils Lichtlein übernahm die Rolle des Siebenmeterschützen und Regisseurs, agierte aber oft ungenau bei seinen Abspielen. Deutschland hatte Glück, dass auch Portugal weit weg von seiner Topform war, Großchancen vergab und von der 19. bis 28. Minute keinen Treffer erzielte.
Vor allem das portugiesische Brüder-Duo Francisco und Martim Costa hatte man bis dahin gut im Griff. Das Unentschieden zur Pause war nach einem fehlerbehafteten Spiel leistungsgerecht. „Dafür ist das Ergebnis noch ziemlich gut“, sagte Kreisläufer Justus Fischer am ARD-Mikrofon angesichts der langen Fehlerkette im eigenen Spiel zur ungewohnt frühen Anwurfzeit.
„Wir haben so viele technische Fehler gemacht“, haderte Gislason über den ersten Durchgang und fügte hinzu: „Die zweite Halbzeit war wirklich super. Die Leistungssteigerung im Angriff war riesig.“
Schluroff mit Hochgeschwindigkeits-Handball
Nach Wiederanpfiff sollte es Schluroff mit seinen Hochgeschwindigkeits-Würfen aus dem Rückraum richten. Mit seinem dritten Treffer brachte der Gummersbacher sein Team mit 16:15 in Führung. Es waren die Einzelaktionen des 25-Jährigen, die herausstachen. Im Kollektiv agierte Deutschland nach wie vor fehlerhaft.
Gislason tobte an der Seitenlinie. Weder mit dem eigenen Spiel noch mit der Schiedsrichterleistung war der Isländer zufrieden. Dass Deutschland zehn Minuten vor Spielende trotzdem mit 23:22 führte, lag an Wolffs Weltklasse-Paraden. Der 34-Jährige hielt den Sieg bis zum Schluss fest. Daran änderte auch die Rote Karte für Kapitän Johannes Golla nichts mehr.