Georgsmarienhütte Durch Zufall auf den Galgo gekommen: Deshalb kämpft Jutta Linkemeyer für Hunderechte
Eigentlich suchte Jutta Linkemeyer vor sieben Jahren einen Familienhund, heute engagiert sie sich für den Schutz von Windhunden in Spanien. Unter anderem läuft sie beim Galgomarsch am 31. Januar in Osnabrück mit. Uns hat die Georgsmarienhütterin erzählt, was ihre Hündin Fauna damit zu tun hat.
Als die Besucher das Wohnzimmer betreten, schaut Fauna zunächst etwas skeptisch. Genau verfolgt sie von ihrem Platz aus, wie ihre Besitzerin Jutta Linkemeyer sich mit ihren Gästen aufs Sofa setzt. Nach ein paar Minuten verliert die Hündin aber das Interesse und beginnt zu dösen.
Fauna ist ein Galgo-Podenco-Mix. Beide Rassen sind spanische Windhunde und viele ihrer Artgenossen sind in ihrer Heimat brutaler Misshandlung ausgesetzt. Genau dagegen engagiert sich Jutta Linkemeyer nun schon seit einigen Jahren. Obwohl sie ursprünglich nur nach einem Familienhund gesucht hatte.
„Mein Mann und ich gehen viel spazieren, da haben alle immer schon gefragt, warum wir keinen Hund haben“, erzählt Jutta Linkemeyer lachend. Vor sieben Jahren entschloss sich die Familie daher, einen Vierbeiner anzuschaffen. „Ich wollte keinen Hund vom Züchter, mein Mann keinen, der einen Mantel braucht“, erinnert sich die 52-Jährige an die damaligen Kriterien. Mit Windhunden beschäftigte sie sich daher gar nicht erst.
Die Georgsmarienhütterin recherchierte im Internet und fand schließlich einen Hund in der „Tieroase Birkenschold“ in Wagenfeld. Mit ihren Kindern fuhr sie los, um das Tier kennenzulernen. Vor Ort kam dann aber ein anderer Hund in den Fokus. „Dort wurde uns Fauna vorgestellt“, erzählt sie, „und es hat irgendwie gepasst.“ Eine Probe-Gassigeh-Runde verlief gut und auch Jutta Linkemeyers Mann verstand sich mit der Hündin. In Spanien sind es oft Männer, die die Hunde trainieren oder quälen. So kam die damals etwa eineinhalbjährige Hündin nach Kloster Oesede.
Mit der Entscheidung für Fauna begann für Jutta Linkemeyer eine ausführliche Recherche. „Von den Rassen Galgo und Podenco hatte ich vorher noch nie etwas gehört.“ Die Windhundrassen werden traditionell für die Jagd gezüchtet. Entsprechend gibt es bei Fauna einiges zu beachten. „Draußen kann man nur angeleint mit ihr spazieren gehen“, erklärt Linkemeyer. Sonst wäre die Hündin, wenn sie eine Spur wittert, aufgrund ihres Jagdtriebes auf und davon.
Auch wenn Fauna während unseres Besuches ihrem Spitznamen „Fauli“ gerecht wird und hauptsächlich auf ihrer Decke liegt, ist den langen und muskulösen Beinen deutlich anzusehen, welche Kraft in ihnen schlummert. Fauna muss daher ab und zu sprinten, um voll ausgelastet zu sein. Neben dem heimischen Garten kann sie sich in einer Reithalle oder auf dem Gelände der Hundefreunde Georgsmarienhütte auspowern.
Neben Informationen über die richtige Haltung ihres neuen Hundes fand Jutta Linkemeyer bei ihren Recherchen aber noch etwas anderes. „Da bin ich zum ersten Mal auf das ganze Leid der spanischen Windhunde aufmerksam geworden“, erinnert sie sich. Nach und nach befasste sich die Georgsmarienhütterin mehr mit dem Schicksal der spanischen Windhunde, tauschte sich mit anderen Haltern aus und besuchte Windhundfeste. „So bin ich irgendwie in diese Szene reingekommen“, erklärt sie schmunzelnd.
Denn Fauna und ihre Artgenossen werden in Spanien für die Hasenjagd gezüchtet. Diente diese früher dazu, den Lebensunterhalt zu sichern, ist sie heute nur noch Show. Schon in der Ausbildung werden die Hunde teils sehr schlecht behandelt. Besonders hart ist aber der Umgang mit den Tieren am Ende einer Jagdsaison. Die Hunde, die für die Jagd zu schlecht sind, werden genauso getötet wie diejenigen, die zu gut sind und das Spektakel so verkürzen. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich über 100.000 spanische Windhunde aus diesen Gründen getötet werden – und das oft äußerst brutal.
Ob auch Fauna für diesen Zweck gezüchtet wurde, weiß Jutta Linkemeyer nicht. „Sie wurde im Alter von einem Jahr in der Region Valencia eingefangen, was davor passiert ist, weiß man nicht.“ Über Faunas Impfausweis fand die 52-Jährige die erste Aufnahmestelle in Spanien und Fotos aus dieser Zeit. „Sie war ein sehr schüchterner Hund und es hat 14 Tage gedauert, sie einzufangen, weil sie so skeptisch und ängstlich war.“ Über eine Tierschutzorganisation kam Fauna schließlich nach Deutschland und nach Georgsmarienhütte.
Verletzungen aus ihrem ersten Lebensjahr hat Fauna nicht, sagt Linkemeyer. Und auch sonst ist die braune Hündin mit der weißen Brust in ihrem neuen Zuhause aufgeblüht. „Durch viel Geduld und Liebe ist sie ein viel selbstbewussterer Hund geworden.“ Mit ihrer ruhigen Art hat sich die Hündin als idealer Familienhund etabliert – obwohl sie im Winter einen Mantel tragen muss. Ab und zu sorgt sie zudem für Lacher. Etwa, als die Hündin im Auto saß und von Kindern für ein Känguru gehalten wurde.
Jutta Linkemeyer reicht es jedoch nicht, nur ihrer Hündin ein gutes Zuhause zu bieten. Sie setzt sich dafür ein, die Lebenssituation von Windhunden in Spanien zu verbessern. Im vergangenen Jahr nahm sie am ersten Galgomarsch in Osnabrück teil, der auf das Leid der Tiere aufmerksam macht. Auch am Great Global Greyhound Walk nahm sie schon teil und an einer Demonstration in Bad Iburg, als dort gegen einen Mann verhandelt wurde, der fast 50 Hunde vernachlässigt hatte. Und wenn am 31. Januar der zweite Osnabrücker Galgomarsch stattfindet, wird sie mit Fauna wieder mitlaufen.
„Ich möchte darauf aufmerksam machen, was in Spanien mit den Hunden passiert“, erklärt die Georgsmarienhütterin ihre Motivation. Bis sie ihre „Fauli“ bekam, sei ihr das Thema auch nicht bewusst gewesen. Zwar sei in Spanien 2023 ein neues Tierschutzgesetz erlassen worden, Jagd- und Gebrauchshunde seien aber explizit davon ausgeschlossen worden. „Die kann man immer noch quälen, wie man will“, kritisiert Linkemeyer.
Sie hofft zudem, mit den nicht nur in Osnabrück stattfindenden Märschen ein Zeichen nach Spanien zu senden. „Wenn die Regierung sieht, dass in vielen Ländern und Orten gegen diese Praxis demonstriert wird, findet dort vielleicht ein Umdenken statt.“ Vielleicht, sagt Jutta Linkemeyer, werde dort dann erkannt, dass eine Tradition irgendwann auch enden kann.