Ostfriesland  Alkohol? Nein, Danke! – diese Alternativen gibt es

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 23.01.2026 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jan Wolff leitet den Familienbetrieb „Wein Wolff“ in der Leeraner Altstadt. Foto: Leona Spindler
Jan Wolff leitet den Familienbetrieb „Wein Wolff“ in der Leeraner Altstadt. Foto: Leona Spindler
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In Deutschland trinken immer weniger Menschen Alkohol. Das sagen Händler, Kneipen und Fachgeschäfte in Ostfriesland zu diesem Trend.

Ostfriesland - Eine Weinflasche reiht sich an die nächste. Bis unter die Decke reichen die Regale im Fachgeschäft „Wein Wolff“. Seit 200 Jahren gibt es den Weinhandel in der Leeraner Altstadt. Das Sortiment wird vom Geschäftsführer und Sommelier Jan Wolff zusammengestellt. Besonders auffällig, wenn man sich im Laden umschaut: Im Verkaufsraum des historischen Gebäudes gibt es ein eigenes Regal für alkoholfreien Wein. Von alkoholfreiem Weißwein über Rotwein und Rosé bis zum Schaumwein ohne Alkohol hat Wolff einiges im Angebot. „Das ist seit drei oder vier Jahren im Trend. Es gibt keinen Winzer oder kein Weingut mehr, das keine alkoholfreien Alternativen anbietet“, sagt Wolff. Der Sommelier selbst bietet das ganze Jahr rund 20 alkoholfreie Weine an – gerade hat Wolff zum neuen Jahr noch einmal sieben neue Weine ins Sortiment aufgenommen. Heutzutage würden viele Menschen wegen ihrer Gesundheit gerne mal auf Alkohol verzichten, sagt er.

Das Angebot der alkoholfreien Wein-Alternativen wird immer größer. „Wein Wolff“ hat 2026 daher noch einmal sieben neue Weine ins Sortiment aufgenommen. Foto: Leona Spindler
Das Angebot der alkoholfreien Wein-Alternativen wird immer größer. „Wein Wolff“ hat 2026 daher noch einmal sieben neue Weine ins Sortiment aufgenommen. Foto: Leona Spindler

Das bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov. „Alkohol verliert zunehmend an Alltäglichkeit, und gesundheitliche Aspekte fließen stärker in Kaufentscheidungen ein“, sagt Forscherin Anouk Buskens. Unter den Befragten haben 68 Prozent angegeben, Alkohol zu trinken – zehn Jahre zuvor waren es noch 78 Prozent. Besonders auffällig: Vor allem die junge Generation trinkt weniger Alkohol.

Alkoholfreies Bier und alkoholfreie Spirituosen sehr beliebt

„Man merkt, dass es in den letzten Jahren eine Zurückhaltung gibt, was den Alkoholkonsum betrifft“, sagt auch Christian Brahms. Er ist einer der Inhaber der Multi-Märkte in Leer und Emden. Die wachsende Nachfrage nach Alkohol-Alternativen bezeichnet er als einen ernstzunehmenden Trend. In der Alkoholabteilung der Multi-Märkte wird auch das Sortiment von „Wein Wolff“ verkauft – inklusive der alkoholfreien Alternativen. „Wir sehen aber auch, dass gerade alkoholfreies Bier massiv in der Nachfrage gestiegen ist“, sagt Brahms. Was auch beliebt ist: alkoholfreie Spirituosen wie zum Beispiel nullprozentiger Gin. „Den darf man zwar nicht so nennen, aber die Kunden fragen immer wieder danach, weil sie sich etwas mixen wollen“, so der Multi-Inhaber.

In den Multi-Märkten ist in den vergangenen Jahren vor allem die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier gestiegen. Symbolfoto: dpa/Krombacher Brauerei GmbH & Co.
In den Multi-Märkten ist in den vergangenen Jahren vor allem die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier gestiegen. Symbolfoto: dpa/Krombacher Brauerei GmbH & Co.

Auffällig sei, dass Kunden ebenfalls danach fragen, warum die alkoholfreien Getränke teurer sind als die mit Alkohol. „Die Produktion ist teurer und die Verkaufszahlen sind verhältnismäßig geringer“, erläutert Brahms. Auch wenn immer mehr Winzer auf alkoholfreien Wein setzen, sei das noch immer ein Randprodukt.

Alkoholfrei heißt nicht gleich 0,00 Promille

Auch wenn auf einigen Getränken das Wort „alkoholfrei“ steht, bedeutet das nicht, dass gar kein Alkohol enthalten ist. In Deutschland darf ein Getränk als alkoholfrei gelabelt werden, wenn es weniger als 0,5 Promille enthält. Für Menschen, die eine Alkoholsucht haben, sind solche Getränke nicht geeignet.

So bekommt der alkoholfreie Wein Geschmack

Das weiß auch der Geschäftsführer von „Wein Wolff“: „Die Kunden gehen davon aus, dass der Wein billiger sein muss, weil kein Alkohol drin ist. Aber alkoholfreier Wein ist nicht billiger, weil das Herstellungsverfahren deutlich teurer ist.“ Das ist so, erklärt Wolff, weil es sehr aufwendig ist, alkoholfreien Wein herzustellen, der auch gut schmeckt. Die Aromen des Weines sind üblicherweise an den Alkohol gebunden, so der Sommelier. Der „Saft“, der nach dem Destillieren des Weines entsteht, wurde früher als „alkoholfreier Wein“ verkauft. Er ist weniger aromatisch und schmecke nicht so gut – als „dünne, süße Plörre“ bezeichnet Wolff ihn.

3 alkoholfreie Alternativen im Test: ein Weißwein, ein Rosé und ein Schaumwein. Foto: Leona Spindler
3 alkoholfreie Alternativen im Test: ein Weißwein, ein Rosé und ein Schaumwein. Foto: Leona Spindler

Mittlerweile werden aber Aromarückgewinnungsverfahren genutzt, damit der alkoholfreie Wein möglichst nah an den Geschmack von alkoholischem Wein herankommt. Bei einem Verfahren wird der Alkohol beispielsweise über eine Harzschicht gezogen. Um den Geschmack und das Mundgefühl des Weines besser imitieren zu können, wird Zucker genutzt, erklärt Wolff. Sein Tipp: Wer alkoholfreien Wein kauft, sollte einen genauen Blick auf das Etikett werfen. Denn die klassischen Bezeichnungen „trocken“, „halbtrocken“ oder „lieblich“ gibt es nicht. Je höher der Zuckergehalt der alkoholfreien Alternative ist, desto „lieblicher“ sei diese. Der Sommelier verköstigt pro Jahr rund 1.000 verschiedene Weine und weiß: Je trockener der alkoholfreie Wein wird, desto schlechter schmeckt er.

Weniger Alkohol auch im Irish Pub und der Dorfdisco

Für alle, die geschmacklich nicht von alkoholfreiem Wein oder seinen Alternativen überzeugt sind, könnten Mocktails etwas sein. Das sind alkoholfreie Cocktails. Zwei davon hat auch Tim Kerkhoff in seinem „Mulligans Pub“ in Leer im Angebot. „Wir haben uns von Anfang an damit auseinandergesetzt, dass wir ein großes, vielfältiges Angebot haben“, so Kerkhoff. Es sei zwar nicht so, dass einem die Kunden den Pub wegen alkoholfreier Alternativen einrennen. „Aber viele sind dankbar, dass wir so etwas anbieten“, sagt der Inhaber. Gerade im Januar merke er, dass mehr Menschen auf Alkohol verzichten. „Ich frage dann immer, ob sie beim Dry January mitmachen“, so Kerkhoff. Wörtlich übersetzt ist das der „trockene Januar“. Dahinter steckt ein Internet-Trend, mit dem Teilnehmende gesünder in das neue Jahr starten wollen und auf Alkohol verzichten.

Im „Mulligans Pub“ in Leer werden alkoholfreie Cocktails immer beliebter. Symbolfoto: Jens Kalaene/dpa
Im „Mulligans Pub“ in Leer werden alkoholfreie Cocktails immer beliebter. Symbolfoto: Jens Kalaene/dpa

In der Dorfdisco „Limit“ in Ihrhove, die Kerkhoff ebenfalls betreibt, gibt es – auch abseits dieses Trends – deutlich mehr Kunden, die bewusst auf Alkohol verzichten. „Wir schauen also immer, dass wir genügend Alternativen zu Cola, Fanta und Co haben“, sagt Kerkhoff. So bezieht er unter anderem Getränke von einem Hamburger Start-up. Die allgemein wachsende Nachfrage nach Alkohol-Alternativen beschreibt Kerkhoff als einen schleichenden Prozess.

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