Abschied  Remelser Pastorin wird nicht nur in der Kirche fehlen

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 21.01.2026 09:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Seit 1989 war Marion Steinhorst-Coordes Pastorin in der St.-Martins-Kirche in Remels. Foto: Klaus Ortgies
Seit 1989 war Marion Steinhorst-Coordes Pastorin in der St.-Martins-Kirche in Remels. Foto: Klaus Ortgies
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37 Jahre lang war Marion Steinhorst-Coordes Pastorin in Remels. Sie geht in den Ruhestand. Doch nicht nur in der Kirche wird sie fehlen.

Remels - „Ob wir hier bleiben wollen?“, dachten sich Marion Steinhorst-Coordes und ihr Mann, als das Paar gerade in Remels angekommen war. Die beiden guckten sich nur unentschlossen an; sie kannten zu diesem Zeitpunkt niemanden im Ort. Es ist das Jahr 1989. Marion Steinhorst-Coordes hat gerade ihr Theologie-Studium in Hamburg und Wuppertal und ihr Vikariat in Westerende (Landkreis Aurich) hinter sich. „Die erste Stelle als Pastorin sucht man sich nicht aus“, sagt sie im Gespräch. „Man wird dort von der Landeskirche hingesetzt.“ Lediglich einen ungefähren Umkreis könne man sich wünschen. Sprengel Ostfriesland – das gab Marion Steinhorst-Coordes an, weil ihr Mann in Aurich arbeitete. So begann für die Pastorin das Kapitel an der evangelisch-lutherischen St.-Martins-Kirche in Remels. Und bald wird es enden: Denn Marion Steinhorst-Coordes geht nach 37 Jahren in der Kirchengemeinde in den Ruhestand.

Auch im Ruhestand will die scheidende Pastorin die Finger nicht ganz von der Kirchenarbeit lassen. Foto: Klaus Ortgies.
Auch im Ruhestand will die scheidende Pastorin die Finger nicht ganz von der Kirchenarbeit lassen. Foto: Klaus Ortgies.

Zu Beginn ihrer Laufbahn musste die Pastorin mindestens drei Jahre in der Remelser Kirchengemeinde bleiben. „Dann erlangt man seine Bewerbungsfähigkeit“, so Steinhorst-Coordes. Doch sie und ihr Mann fassten schnell Fuß. Die Remelser hätten die beiden herzlich aufgenommen. Nach den drei Jahren entschied sich das Paar schließlich, zu bleiben. „Es ist zwar ein Dorf, aber man hat hier alles. Kindergarten, Grundschule, später eine Oberschule und gute Ärzte. Wenn wir woanders hingehen, können wir uns nur verschlechtern“, sagt die Pastorin.

Von Südbrookmerland nach Remels

Marion Steinhorst-Coordes ist 1959 in Forlitz-Blaukirchen in der Gemeinde Südbrookmerland (Landkreis Aurich) geboren. Schon als Schülerin war sie sehr interessiert an Texten und an „Allem, was mit Gott zu tun hat“. Dass sie irgendwann einmal Theologie studiert, war nur eine Frage der Zeit. Neben dem Studium absolvierte sie eine Zusatzausbildung als Konfirmandenberaterin und als Religionspädagogin im Kindergarten. „Ich war 30 Jahre für unseren St.-Martins-Kindergarten zuständig“, sagt sie.

Die St.-Martins-Kirche steht mitten im Remelser Ortskern. Foto: Klaus Ortgies
Die St.-Martins-Kirche steht mitten im Remelser Ortskern. Foto: Klaus Ortgies

Am liebsten beschäftigt sich Steinhorst-Coordes mit den Menschen in ihrer Kirchengemeinde. Mit Bauen, Verwaltung und Finanzen hat die 66-Jährige zwar auch zu tun gehabt, doch das sind nicht ihre Hauptaufgaben. „Meine Schwerpunkte sind das Predigen und der Konfirmandenunterricht“, sagt sie. Den Konfirmandenunterricht in Remels hat sie lange Zeit geleitet. Doch über die Jahre wurden die Gruppen immer kleiner. In der Anfangszeit habe sie noch 45 Konfirmanden unterrichtet, heutzutage seien es eher um die 20. Um dem entgegenzuwirken, hat Marion Steinhorst-Coordes das System verändert. Seit 2005 übernehmen nämlich bereits konfirmierte Jugendliche aus der Gemeinde den Unterricht in Remels. „Ich treffe mich mit den Jugendlichen und sage ihnen, welches Thema wir haben und was wir dazu machen könnten“, sagt sie und zieht eine positive Bilanz: „Die konfirmierten Jugendlichen kriegen eine verantwortungsvolle Aufgabe. Und die Konfirmanden bleiben eher am Ball, wenn der ‚coole Paul‘ mit ihnen betet, als wenn die ‚alte Pastorin‘ das macht.“ Inzwischen sei dieses System in vielen Kirchengemeinden verbreitet.

Diese Aktionen sorgten für Kritik

Generell hat Marion Steinhorst-Coordes immer versucht, neue Ideen in die Kirche zu bringen. 2005 habe sie den Weihnachtsbaum kopfüber in der Kirche aufhängen lassen. „Die Ostfriesen-Zeitung war voller Leserbriefe, die Leute wollten mich lynchen“, sagt sie. Die Pastorin kann inzwischen darüber lachen. Aber sie wollte damit zeigen, dass es an Weihnachten nicht um den Baum geht. „Gott wird Mensch und legt sich in eine Krippe. Ich wollte die Menschen mit solchen Aktionen zum Nachdenken bringen.“

Im vergangenen Jahr hat die 66-Jährige einen Gottesdienst auf dem Friedhof abgehalten. „Das ist Störung der Totenruhe“, habe sie da oft zu hören bekommen. Sie sagt dazu: „Als Pastorin steht man immer im Blickpunkt. Da braucht man ein ganz dickes Fell.“

Pastorin: „Ich gehe gesund an Leib und Seele in den Ruhestand.“

Marion Steinhorst-Coordes kennt viele Pastoren, die während ihrer aktiven Zeit schwer krank geworden oder in den Burnout geraten sind. „Ich gehe gesund an Leib und Seele in den Ruhestand. Das ist ein großes Gottesgeschenk“, sagt sie. Auch übe sie ihr Amt nach wie vor mit großer Begeisterung aus. „Ich schreibe sehr gerne“, sagt die 66-Jährige von sich. Neben ihren Predigten hat sie zwischen den Jahren 2000 und 2025 auch plattdeutsche Andachten im NDR gehalten.

Ein Theaterstück widmete Marion Steinhorst-Coordes den Kronleuchtern in der Kirche. Foto: Klaus Ortgies
Ein Theaterstück widmete Marion Steinhorst-Coordes den Kronleuchtern in der Kirche. Foto: Klaus Ortgies

Auch an Theaterstücken hat sie sich versucht. Alles fing im Sommer 2008 an. Damals wurde der Lidl-Markt in Remels gebaut. Davor habe es an der Stelle eine archäologische Ausgrabung gegeben, bei der ein Knopf mit einem Heiligenbild aus dem achten Jahrhundert gefunden worden sei, so Steinhorst-Coordes. Ein Nachweis für eine Siedlung und die ersten Christen in Remels. Aber wie ist der Knopf dort hingekommen? Auf diese Frage sollte das Werk eine mögliche Antwort geben. Außerdem hat die Pastorin im November ein Theaterstück über die beiden großen Kronleuchter in der Kirche auf die Bühne gebracht.

Wann wird die Pastorin verabschiedet?

Die St.-Martins-Kirche in Remels ist in zwei Pfarrbezirke aufgeteilt: Ost und West. Das Hoheitsgebiet von Marion Steinhorst-Coordes liegt im westlichen Teil. Um den Ostbezirk kümmert sich das Pastorenpaar Tobias und Angela Kirschstein. Marion Steinhorst-Coordes ist dankbar dafür, dass sie viele Menschen um sich herum hat, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. In ihrem Privatleben habe vor allem ihr Ehemann ihr den Rücken freigehalten. Zwei Söhne haben die beiden großgezogen. „Der eine wohnt in Berlin, den können wir dann bald öfter besuchen“, freut sich Steinhorst-Coordes. Nicht nur als Pastorin in Remels scheidet sie aus, sondern auch als Konfirmandenberaterin bei der Landeskirche und als Konfirmandenbeauftragte im Kirchenkreis.

Und wer folgt auf die Pastorin? „Das weiß noch keiner. Die Stelle wird noch ausgeschrieben“, sagt Steinhorst-Coordes. Fakt ist: Am 1. März 2026 wird sie in den Ruhestand gehen. Der Abschiedsgottesdienst wird aber schon einen ganzen Monat vorher stattfinden. Am Sonntag, 1. Februar 2026, lädt die Kirchengemeinde um 14.30 Uhr in die St.-Martins-Kirche ein. Anschließend gibt es nebenan Tee und Kuchen in der Aula der Grundschule.

Die Finger komplett von der Kirchenarbeit lassen will Marion Steinhorst-Coordes aber nicht. „Ich melde mich künftig als Gastdienstler bei der Landeskirche. Wenn also irgendwo ein Pastor oder Pastorin ausfällt, dann kann ich die Vertretung übernehmen“, sagt sie und stellt eine Bedingung: „Aber nicht hier in der Region. Hier war ich schon zu lange.“

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