„Agri Matching“  Neue Dating-App für das platte Land

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 21.01.2026 19:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die drei Niederländer Scott van der Vlugt, Rienck Waalkens und Gijs Staats (v.l.n.r.) stecken hinter der Dating-App für Menschen vom Land. Foto: privat
Die drei Niederländer Scott van der Vlugt, Rienck Waalkens und Gijs Staats (v.l.n.r.) stecken hinter der Dating-App für Menschen vom Land. Foto: privat
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Drei junge Niederländer haben eine Dating-App für Menschen vom Land gegründet: „Agri Matching“. Jetzt gibt es sie auch in Deutschland.

Ostfriesland - Profil anschauen, nach links wischen, wenn es einem nicht gefällt – oder nach rechts, wenn es einem gefällt. Hat der Mensch hinter dem Profil auch nach rechts gewischt, gibt es ein „Match“. Das heißt: Beide Personen haben Interesse an einem Kennenlernen. Wenn nicht, wird munter weitergewischt. So funktionieren Dating-Apps wie „Tinder“, „Bumble“ oder „Hinge“. 20 Millionen Deutsche sollen Angebote wie diese schon einmal genutzt haben.

Zwischen die großen App-Klassiker reiht sich seit Ende 2025 eine weitere App. Sie trägt den Namen „Agri Matching“. „Agri“ als Anspielung auf die Landwirtschaft und „Matching“, weil man als Nutzerin oder Nutzer bestenfalls einen passenden Menschen für sich findet. Statt eines Fokus auf Städte legt die niederländische App den Fokus auf Menschen vom Land: Genauer gesagt: auf Menschen aus der Landwirtschaft. Die Redaktion wollte von einem der Gründer wissen, warum es genau das gerade braucht.

Startschuss fiel mit einem Instagram-Account

Eigentlich hat 2020 alles mit einem Spaß angefangen. „Wir saßen zusammen und haben Bier getrunken. Ich habe in die Runde gefragt, warum es keine App für junge Leute aus der Landwirtschaft gibt, um sich zu daten“, sagt Rienck Waalkens. Der 25-Jährige kommt aus der Nähe von Groningen, ist selbst Landwirt und einer von drei Gründern von „Agri Matching“. „Während wir Bier getrunken haben, haben wir einen Instagram-Account gestartet“, so Waalkens. Die Grundlage für die spätere App. Dort wurden Bilder von Personen gepostet, die auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner waren.

„Unter dem Post standen noch Infos zu den Personen, zum Beispiel ihre Hobbies“, sagt der 25-Jährige. Dieses Angebot sei sehr gut angekommen. Bis zu zehn Anfragen habe Waalkens pro Tag bekommen, zwei bis drei Aufrufe davon habe er täglich gepostet. „Aber manche Leute mussten sechs Wochen warten, bis ihr Bild gepostet wurde“, erklärt Waalkens. Zu Hochzeiten habe er bis zu 10.000 Menschen mit dem Instagram-Profil erreicht. „Es wurde irgendwann zu viel und dann dachten wir, wir machen eine App“, sagt Waalkens. Das war 2022.

Die meisten Dating-App-Nutzer leben in der Stadt

Es habe dann zwei Jahre gedauert bis die drei Gründer – Rienck Waalkens, Scott van der Vlugt und Gijs Staats – einen fertigen Plan dafür hatten. „Es ist sehr viel Zeit und Geld in die App geflossen“, so der 25-Jährige. Im April 2024 wurde die App schließlich in den Niederlanden veröffentlicht. „Dank unserer Follower auf Instagram hatten wir in der ersten Woche schon die ersten 1.000 Nutzer“, sagt Waalkens. Kurz nach dem Launch der App war sie auf Platz eins der Downloadcharts der Apps im Bereich der sozialen Netzwerke. Bis heute zählt „Agri Matching“ über 20.000 Nutzer. Geworben wird unter anderem mit Sprüchen wie „Wir verbinden das platte Land“, „Finde deine große Liebe vom Land“ oder „Suchst du jemanden, der deinen Tank mit Liebe füllt?“.

Im Fokus steht von Anfang an das Dating. Heißt: Menschen, die sich über die App kennenlernen, suchen nach einer festen Beziehung. Waalkens zeigt sich beim Gespräch mit der Redaktion überzeugt, dass es die App dringend braucht. „Die meisten Menschen, die Dating-Apps nutzen, leben in der Stadt. Aber wer auf dem Land lebt und eine Beziehung möchte, findet die richtige Person auf diesen Apps eher selten“, sagt der 25-jährige Gründer. Es sei ohnehin schwer, in ländlichen Regionen neue Menschen kennenzulernen.

Schon Paare über „AgriMatching“ gefunden

Waalkens sieht noch eine weitere Herausforderung: „Viele möchten nicht mit Landwirten zusammen sein oder können sich kein Leben auf einem Hof vorstellen.“ Auf „Agri Matching“ sind aber nur Personen unterwegs, die genau das suchen. „Die App kann natürlich auch für Menschen aus der Stadt sein, die jemanden suchen, der auf dem Land lebt“, macht Waalkens deutlich. Denn: In einer Stadt findet man nur selten Landwirte. Dass es diese schwerer haben, eine Partnerin oder einen Partner zu finden, bezweifelt Heinz-Hermann Hertz-Kleptow – er ist der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland. Aber: „Wer Tiere hat, ist fester an einen Ort gebunden als andere.“ Während Personen mit einem anderen Beruf wegen der Liebe mal eben den Wohn- und Arbeitsort wechseln können, ist das bei Landwirten nicht möglich.

Hertz-Kleptow erinnert die neue App an eine Dating-Website: „Landflirt“. „Es scheint also Bedarf zu geben“, sagt der Geschäftsführer. Natürlich sei es auch möglich, Menschen persönlich kennenzulernen. „Aber wenn die App Menschen zusammenführt, ist das eine tolle Sache“, so Hertz-Kleptow. Und genau das scheint sie bereits zu tun, wie Gründer Waalkens im Gespräch deutlich macht. „Wir hören immer wieder von Paaren, die sich über unsere App kennengelernt haben“, so der Gründer. Vor kurzer Zeit hat Waalkens eine Mail von zwei über 60-Jährigen bekommen. „Das ist sehr ungewöhnlich, weil wir nicht viele ältere Nutzer haben“, sagt der junge Gründer.

Ostfriesen könnten die große Liebe finden

Seit dem 1. Dezember 2025 ist die App auch in Deutschland verfügbar. Knapp 500 Nutzerinnen und Nutzer gibt es schon. „Es ist sehr schwer zu wachsen, weil wir eine sehr nieschige Zielgruppe haben“, sagt Waalkens. Ostfriesland zählt dank des vielen platten Landes und zahlreicher Landwirtschaftsbetriebe aber zum Fokus. „Die Region ist sehr ähnlich zu den Niederlanden“, sagt Waalkens.

Und wer weiß – vielleicht finden Ostfriesinnen und Ostfriesen über „Agri Matching“ in naher Zukunft ihre große Liebe.

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