Osnabrück „Abstoßend“: Nius-Chef Julian Reichelt geht auf die NOZ los – das steckt dahinter
„Totalen Dachschaden“: Auf seinem X-Account hat sich der frühere „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt über die Berichterstattung der NOZ echauffiert. Dabei ging er auch NOZ-Chefredakteur Burkhard Ewert persönlich an. Hier dokumentieren wir, was dahintersteckt.
Der Chefredakteur des Online-Portals „Nius“ und frühere Chef der „Bild“-Zeitung, Julian Reichelt, hat die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) und ihren Chefredakteur Burkhard Ewert mit drastischen Worten angegriffen. „Ihr habt doch einen vollkommenen, totalen Dachschaden“, schrieb Reichelt auf seinem „X“-Account. „Das ist einfach nur noch abstoßend, das ist Zersetzung wie in der DDR. Schämt Euch!“
Dazu teilte Reichelt den Screenshot einer Zwischenüberschrift, die in der Online-Fassung eines aktuellen NOZ-Interviews mit Justizministerin Stefanie Hubig zu lesen ist. Sie lautet: „Stefanie Hubig über die AfD, Nius und den Kampf gegen Kinderpornografie“.
Reichelt störte sich daran, die schiere Erwähnung der drei Interviewthemen „in einem Satz“ suggeriere eine inhaltliche Nähe zwischen Nius, AfD und Kinderpornografie. Zugleich rief er seine Follower zum direkten Protest gegen NOZ-Chefredakteur Ewert auf, von dem der fragliche Satz stamme. „Schreiben Sie ihm gern und sagen Sie ihm, was Sie davon halten.“
Dazu stellte Reichelt ein Foto von Ewert und verlinkte dessen X-Account. Einen Link zum Original-Interview zu teilen, vermied er dagegen. Unter dem Posting verfassten User Hunderte Hassbotschaften.
Dass Medien bei der Präsentation ihrer Interviews die unterschiedlichen Themen eines Gesprächs in einem zusammenfassenden Satz aufzählen, ist gängige Praxis im Journalismus. Über die inhaltliche Beziehung der einzelnen Themen zueinander ist damit nichts ausgesagt. Im Haupttext des NOZ-Interviews mit der SPD-Politikerin Hubig erscheinen die Themen AfD, Nius und Kinderpornografie denn auch als eigenständige Diskussionsfelder.
Eine stärkere Regulierung von Portalen wie Nius fordert die Justizministerin in dem Interview mit Korrespondent Tobias Schmidt nicht.
Auf die Frage „Braucht es auch ein Stoppschild für das Portal Nius?“ antwortet sie: „Ganz allgemein gesagt: Auch Journalismus mit einer klaren Schlagseite ist von der Presse- und der Meinungsfreiheit geschützt. Der Schutz des Grundgesetzes reicht hier aus guten Gründen sehr weit. Gleichzeitig möchte ich auch klar sagen: Es gibt beunruhigende Entwicklungen. Auch die ‚vierte Gewalt‘, Journalistinnen und Journalisten, hat eine Verantwortung für unsere Demokratie. Und auch Meinungsjournalismus muss faktenbasiert sein. Und das gilt selbstverständlich nicht nur für ein bestimmtes Portal.“
NOZ-Chefredakteur Ewert erklärte: „Unsere Redaktion steht für einen 360-Grad-Blick. Wir transportieren verschiedene Perspektiven in aller Breite, was regelmäßig Kritik von links wie rechts nach sich zieht – in diesem Fall von rechts. An unserem Kurs der Vielfalt halten wir fest.“