Osnabrück Raubfischkongress Osnabrück: Warum Angeln junge Menschen begeistert
Beim ersten internationalen Raubfischkongress im Osnabrücker Westwerk zeigt sich: Angeln begeistert längst nicht nur ältere Männer. Wir stellen drei Beispiele vor.
Der erste internationale Raubfischkongress in Osnabrück bringt Angler aus der Region ins Osnabrücker Westwerk. Dabei wird deutlich: Immer mehr junge Menschen entdecken das Angeln als Ausgleich zum Alltag. Dass Angeln mehr ist als nur Fische fangen hat Marc Berlekamp schon früh gelernt. Im Alter von neun Jahren ging es mit dem Cousin zum Köllbach in Mettingen, erinnert sich der heute 28-Jährige: Mit einem einfachen Draht und Bindfaden haben die Jungs dort versucht, Fische an den Haken zu bekommen.
Im nächsten Sommerurlaub in Italien gab es dann die erste echte Rute – nicht vom Nikolaus, sondern eine zum Angeln aus Plastik und extra für Kinder. Als Köder dienten Brotreste vom Frühstück.
Heute besitzt der 28-Jährige rund zwei Dutzend Angelruten. Die meisten bestehen aus Carbon, die Köder sind häufig aus Plastik und in verschiedenen Farben und Formen erhältlich - je nachdem, welcher Fisch damit angelockt werden soll. Am Waldrand und mit einem Bach aufgewachsen, weiß Berlekamp, wie gut es tut, Zeit in der Natur zu verbringen. Wenn ein Fisch anbeißt, ist das für ihn ein Bonus, aber kein Muss. Allein das „schön idyllisch am Wasser sitzen“ mache glücklich, sagt er. Angeln ist für ihn ein Weg, zur Ruhe zu kommen, betont der gelernte Tischler aus Mettingen.
Heute ist das Angeln für Berlekamp ein Ausgleich zu seinem Arbeitsalltag, den er überwiegend drinnen verbringt. Nach dem Eintritt in die Jugendgruppe des Mettinger Angelvereins habe es in der Pubertät andere Interessen gegeben. Mit der Volljährigkeit entdeckte er das Hobby neu für sich. Über Kontakte aus einem Angelladen in Ibbenbüren, wo er heute lebt, nahm er später sogar an Wettkämpfen wie den Deutschen Meisterschaften teil.
Vor vier Jahren hat Berlekamp in einer Kneipe und ganz ohne Köder seine Freundin Madita Siegbert kennengelernt – und ist am nächsten Tag ausnahmsweise einmal nicht Angeln gegangen. Die Biologie-Absolventin begleitete ihren Partner zunächst nur an das Wasser. Irgendwann habe es ihr nicht mehr gereicht, einfach nur auf dem Stuhl daneben etwas zu lesen, erzählt sie. Per Online-Kurs hat sie deshalb vor eineinhalb Jahren ihren Angelschein gemacht. Heute angelt sie selbst regelmäßig. Besonders schätzt sie die Ruhe in der Natur, aber auch den Moment, wenn plötzlich ein Fisch anbeißt.
„Das gibt einen richtigen Adrenalin-Kick“, beschreibt Siegbert das Gefühl, einen Fisch am Haken zu haben. Unter ihren Freundinnen sei sie zwar noch die einzige mit diesem Hobby, aber generell würden sich auch immer mehr Frauen für das Angeln begeistern, weiß die Späteinsteigerin.
Der aus Meppen stammende Stephan Gruber kennt das Angeln ebenfalls seit der Kindheit. Der Sohn eines Jägers und Anglers begleitete mit elf Jahren erstmals seinen Onkel an einen Forellenteich. Heute ist er häufig an der nicht schiffbaren Ems unterwegs, meist mit seinem Hund und einem Freund. Wenn die Rute plötzlich zuckt, fühlt es sich für ihn wie ein Stromschlag an, sagt Gruber. Dieses Gefühl mache süchtig.
Da Gruber auch begeistertet Hobbykoch ist, kann er seine beiden Leidenschaften gut miteinander verknüpfen. Nach dem Angeln räuchert er die Fische selbst und bereitet sie anschließend zu. Zander, Barsch und Hecht gehören zu den Raubfischen, die er angelt – im Gegensatz zu sogenannten Friedfischen wie den Karpfen.
Um weiter rausfahren zu können, hat der Berufsschullehrer einen Bootsschein gemacht. Und auch für ihn ist die Angelleidenschaft ein entspannender Ausgleich neben dem Berufs- und Familienleben.
Das Handy ist für viele immer dabei, aber nur, um bestimmte Apps zu nutzen, um ein Foto zu machen oder im Notfall erreichbar zu sein. Sonst ist Angeln ist für viele vollständig analog. Es bietet sich als Auszeit vom Digitalen an – zum Runterkommen vom Alltag in freier Natur, ohne Stress, aber mit dem kleinen oder auch großen Kick zwischendurch.