Osnabrück  Mit erigiertem Penis und Pistorius-Bild: Skulptur in Osnabrück verunstaltet

Bernhard Brockhaus
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Von Bernhard Brockhaus
| 16.01.2026 16:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit einem übergroßen, erigierten Penis und dem Blick auf eine Kriegsszene wurde die Bronzeskulptur „Fountain of Wishes“ in Osnabrück verunstaltet. Foto: Sophie Handl
Mit einem übergroßen, erigierten Penis und dem Blick auf eine Kriegsszene wurde die Bronzeskulptur „Fountain of Wishes“ in Osnabrück verunstaltet. Foto: Sophie Handl
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Statt Manneken Pis soll die Skulptur den „kriegsgeilen Boris“ zeigen: Unbekannte haben eine Skulptur in der Hase verunstaltet – mit Pistorius-Konterfei und erigiertem Penis.

Unbekannte Täter haben am Freitagvormittag das Manneken Pis in der Hase gegenüber vom Haarmannsbrunnen in Osnabrück verunstaltet. Die als „Fountain of Wishes“ bekannte Bronzeskulptur eines urinierenden Polizisten wurde im Gesicht mit einem Konterfei von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) überklebt.

Zusätzlich hefteten die Täter der Skulptur die Nachbildung eines übergroßen, erigierten Penis in den Schritt. An der Canakkale-Brücke wurde zudem ein Banner aufgehängt, das Soldaten sowie einen Panzer im Granatenhagel zeigt. Am Geländer der Brücke befestigten die Täter außerdem ein Metallschild mit der Aufschrift: „Der kriegsgeile Boris – Kunstinstallation Mixed Media 2026, anonym“.

Wann genau die Skulptur verunstaltet wurde, ist nicht klar. Vermutlich haben die Täter sich am Vormittag oder in den frühen Morgenstunden an der Statue zu schaffen gemacht. Die Polizei nahm die Lage am Nachmittag auf. Die „Kunstinstallation“ wurde von Mitarbeitern der Stadt daraufhin entfernt. Nach Angaben der Polizei hat der Staatsschutz Ermittlungen in der Sache aufgenommen.

Erstaunlich schnell bezog die Aktivistengruppierung Rausmetall auf der Blog-Website Zukunftswerk Osnabrück Stellung zu der Aktion. Dort heißt es, „unbekannte Künstler:innen“ hätten die Statue am Freitagvormittag „umgestaltet“. Die Aktion solle laut dem Verfasser des Blogeintrages – ein Nutzer mit dem Pseudonym Rausmetall – „auf den perversen, kriegstreibenden Politikstil Pistorius’ hinweisen“. Es handele sich um eine „antimilitaristische Kunstinstallation“.

Russland und die USA würden die Welt untereinander aufteilen und auch Europa beteilige sich „fleißig beim Krieg spielen“. Die Weltmächte läuteten ein neues Kolonialzeitalter ein und Deutschland wolle sich an Kriegen beteiligen, wie der Einsatz von Pionieren der Bundeswehr nach Grönland zeige, die nur zur Vorbereitung für eine viel größere Militärtruppe auf die Arktisinsel entsandt würden. Auch die Friedensstadt Osnabrück werde für den Krieg umgerüstet, was etwa die Pläne für das VW-Werk im Fledder beweisen würden.

Der Blog endet mit den Sätzen: „So viel Zeitenwende… da kriegt der Boris einen Steifen. Den stellt er jetzt in Osnabrück offen und schamlos zur Schau“. Explizit bekennt sich der User Rausmetall nicht zu dem Vandalismus am „Fountain of Wishes“.

Antikriegs-Aktivisten haben in Osnabrück in den vergangenen Monaten mehrfach mit Aktionen im öffentlichen Raum für Aufmerksamkeit gesorgt. So wurden Straßenschilder mit pazifistischen Namen überklebt. Außerdem tauchten Fake-Flyer auf, die den Eindruck erweckten, Stadtverwaltung und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) stellten sich gegen eine angebliche Kriegsfabrik im VW-Werk im Fledder. Tatsächlich gibt es bislang nur lose Überlegungen zu einer möglichen Übernahme durch den Rüstungskonzern Rheinmetall.

Eine ähnliche Aktion sorgte während der Bombenräumung am 9. November für Verunsicherung: Vermeintliche Briefe der Stadtverwaltung kursierten, die sich später als Fälschungen herausstellten.

Besonders viel Aufmerksamkeit erregte im November die Bemalung des Heger Tors mit einer Antikriegsbotschaft. Dabei wurde die historische Inschrift des Denkmals beschädigt. Zu einigen Aktionen bekannte sich die Gruppe „Unordnungsamt Osnabrück“. In anderen Fällen sind die Täter bislang unbekannt.

Gemeinsam ist den Vorfällen, dass sie in sozialen Netzwerken gezielt verbreitet werden. Sowohl das „Unordnungsamt“ als auch die Gruppe „Rausmetall“ nutzen Bilder der Aktionen, um für ihre Ziele zu werben. Polizei und Staatsschutz ermitteln in mehreren Fällen gegen unbekannte Täter.

Die Polizei ruft mögliche Zeugen auf, sich unter der Nummer 0541/327-2215 zu melden.

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