Osnabrück Grippewelle erreicht Osnabrücker Kinderklinik CKO: „Den Höhepunkt erwarten wir im Februar“
Seit Jahresbeginn müssen mehr Säuglinge und Kleinkinder wegen Influenza im Christlichen Kinderhospital Osnabrück (CKO) behandelt werden. Die Grippewelle nimmt Fahrt auf – und der CKO-Chefarzt rechnet in den kommenden Wochen mit weiter steigenden Fallzahlen.
Die Grippewelle macht sich zunehmend auch in Osnabrück bemerkbar – besonders bei den jüngsten Patienten. Am Christlichen Kinderhospital Osnabrück (CKO) werden derzeit deutlich mehr Säuglinge und Kleinkinder wegen Influenza stationär behandelt. „Aktuell sehen wir vor allem viele Säuglinge und Kleinkinder mit Atemwegserkrankungen und hohem Fieber, die bei uns stationär aufgenommen werden müssen“, sagt Chefarzt Dr. Florian Urlichs.
Um die Ursache der Erkrankung schnell zu klären, setzt das Kinderhospital auf eine gezielte Diagnostik. „In unserer Notaufnahme führen wir routinemäßig bei notwendiger Aufnahme und entsprechenden Symptomen einen Triple-Test auf Influenza, SARS-CoV-2 [Corona; Anmerkung der Redaktion] und RSV durch“, erklärt Urlichs. Derzeit werden am CKO sechs Kinder mit einer nachgewiesenen Grippe stationär behandelt. „Die Zahl der stationären Aufnahmen wegen Influenza hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen“, so der Chefarzt.
Die Krankheitsverläufe sind unterschiedlich ausgeprägt. „Ein Teil der Kinder kommt mit Fieberkrampfanfällen, andere mit so ausgeprägten Atemwegsinfekten, dass sie die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verweigern oder sehr hohes Fieber entwickeln“, sagt Urlichs.
Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. „Die Behandlung erfolgt symptomatisch, das heißt durch Fiebersenkung, Infusionen und den Ausgleich eines Flüssigkeitsdefizits, Atemunterstützung und bei Bedarf Sauerstoffgabe sowie gegebenenfalls durch die Behandlung eines Fieberkrampfes. Der Komplikation einer Lungenentzündung soll vorgebeugt werden“, erläutert der Chefarzt. Die stationäre Aufenthaltsdauer variiere und liege je nach Symptomatik in der Regel zwischen drei und zehn Tagen.
Nach Einschätzung des Kinderhospitals ist der Höhepunkt der Grippewelle noch nicht erreicht. „Wir stehen bei den stationären Aufnahmen noch relativ am Anfang der diesjährigen Grippewelle. Einzelne Fälle gab es bereits um die Weihnachtszeit, seit Jahresbeginn steigt die Zahl jedoch deutlich an. Wir gehen davon aus, dass die Fallzahlen in den kommenden Wochen noch weiter zunehmen werden“, sagt Urlichs. Ein Blick auf das vergangene Jahr gibt Hinweise auf einen möglichen weiteren Verlauf: „Im vergangenen Jahr lag der Höhepunkt der Grippewelle bei uns etwa in den Kalenderwochen fünf bis sieben.“ Eine ähnlich starke Phase sei in dieser Saison ab Anfang Februar zu erwarten.
Auch Zahlen aus anderen Kliniken stützen diese Einschätzung. „Daten aus niedersächsischen Krankenhäusern zeigen, dass knapp unter 40 Prozent der behandlungsbedürftigen Virusinfektionen aktuell auf Influenza zurückzuführen sind“, so Urlichs. Zum Höhepunkt der vergangenen Saison habe dieser Anteil sogar rund 60 Prozent betragen. „Wir gehen daher davon aus, dass in den kommenden Wochen erneut mehr als jede zweite behandlungsbedürftige Virusinfektion durch Influenza verursacht sein wird.“ Bundesweit berichten Kinderkliniken Ähnliches: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie ist Influenza derzeit die häufigste Ursache für schwere akute Atemwegsinfektionen bei Kindern. Auch das Robert Koch-Institut meldet deutlich steigende Grippe-Fallzahlen, insbesondere durch Influenza-A-Viren.
Entlastung gibt es dagegen bei RSV-Infektionen. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein weitverbreiteter Erreger von Atemwegsinfektionen, der vor allem für Säuglinge und sehr kleine Kinder gefährlich werden kann. „RSV-Infektionen sehen wir derzeit deutlich seltener. Das hängt auch damit zusammen, dass es seit knapp zwei Jahren eine passive Immunisierung mit Antikörpern gegen RSV gibt“, erklärt Urlichs. Zur Umsetzung dieser Immunisierung in der Region sagt der Chefarzt: „Diese Immunisierung wird inzwischen bei allen Neugeborenen empfohlen und kann sowohl in Praxen als auch in Kliniken durchgeführt werden. In Osnabrück erfolgt sie standardmäßig in den Geburtskliniken des Klinikums Osnabrück und des Marienhospitals.“ Die Wirkung sei im Klinikalltag klar erkennbar: „Die Erkrankungsrate bei den besonders kleinen und empfindlichen Kindern durch RSV ist dadurch spürbar zurückgegangen.“
Sorge bereitet Kinderärzten hingegen die geringe Impfquote gegen Influenza. „Wir stellen fest, dass die deutliche Mehrheit der bei uns behandelten Kinder nicht gegen Influenza geimpft ist“, sagt Urlichs. „Aus medizinischer Sicht wäre eine höhere Impfquote insbesondere bei Risikokindern wünschenswert, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.“ Fachgesellschaften betonen bundesweit, dass Influenza keine harmlose Erkältung ist. Gerade bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorerkrankungen könne die Grippe zu schweren Verläufen führen, weshalb Ärzte weiterhin eindringlich zur Impfung raten – auch noch im Januar.