Konjunkturumfrage der IHK  Ostfriesische Wirtschaft blickt weiter mit Sorge in die Zukunft

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 16.01.2026 15:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Produktion im VW-Werk in Emden: Unternehmen in der Region sehen vor allem die von der Politik verantworteten Rahmenbedingungen als Faktor, der die Wirtschaft ausbremst. Foto: Sina Schuldt/dpa
Produktion im VW-Werk in Emden: Unternehmen in der Region sehen vor allem die von der Politik verantworteten Rahmenbedingungen als Faktor, der die Wirtschaft ausbremst. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Viele Unternehmen in Ostfriesland rechnen laut IHK-Konjunkturumfrage mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Sie sehen nun die schwarz-rote Bundesregierung in der Pflicht.

Ostfriesland - Angesichts schwieriger Bedingungen macht sich unter ostfriesischen Unternehmen zunehmend Pessimismus breit. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg. Der Klimaindex, der die aktuelle Lage und die Zukunftsaussichten auf einer Skala von null bis 200 abbildet, sank im vierten Quartal 2025 auf 82 Punkte, wie die IHK am Freitag, 16. Januar, mitteilte. Zuvor waren es noch 87 Punkte gewesen.

Kammer und Unternehmen sehen nun vor allem die Politik in der Verantwortung, um bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen. „Zentrale Herausforderungen sind die im internationalen Vergleich nach wie vor hohen und volatilen Energiepreise, die Investitionen in Kernprozesse, Innovationen und eigene Klimaschutzbemühungen bremsen“, sagte IHK-Präsident Theo Eilers laut Mitteilung. „Überbordende Bürokratie mit komplexen Genehmigungsverfahren, Berichtspflichten und Förderregularien verlangsamt Transformationsprozesse erheblich. Aufgrund von mangelnder Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energie- und Klimapolitik werden Investitionsentscheidungen aufgeschoben und im schlechtesten Fall ins Ausland verlagert.“ Wenn es so weitergehe wie bisher, seien Wertschöpfung, Innovationskraft und damit letztlich auch Arbeitsplätze in der Industrie bedroht, so Eilers.

Wirtschaftliche Rahmenbedingen sind für Unternehmen das größte Risiko

Laut IHK-Konjunkturumfrage haben sich im abgelaufenen Quartal vor allem die Zukunftsaussichten in der regionalen Wirtschaft weiter eingetrübt. Nur neun Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer günstigen Geschäftsentwicklung aus, 58 Prozent erwarten keine Veränderung und 33 Prozent eine Verschlechterung der Lage.

„Jetzt ist die Politik gefordert, schnell für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen“, meint IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard. Foto: IHK/Archiv
„Jetzt ist die Politik gefordert, schnell für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen“, meint IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard. Foto: IHK/Archiv

Als größtes Risiko bewerten die Unternehmen hierbei mit 78 Prozent die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gefolgt von den Arbeitskosten (69 Prozent) und der Inlandsnachfrage (68 Prozent). Die Energie- und Rohstoffpreise liegen mit 55 Prozent vor dem Fachkräftemangel (47 Prozent). „Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zeigen deutlich, wie sehr wirtschaftspolitische Unsicherheiten, ausbleibende Strukturreformen und die angespannte weltpolitische Lage das Vertrauen der Betriebe belasten“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard laut Mitteilung. „Viele Unternehmen verschieben Investitionen, weil ihnen klare Perspektiven fehlen. Jetzt ist die Politik gefordert, schnell für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen, Bürokratie spürbar abzubauen und wettbewerbsfähige Energie- und Standortkosten sicherzustellen.“

Industriestrompreis und andere Maßnahmen sollen Unternehmen entlasten

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte kurz vor Weihnachten angekündigt, die Wirtschaft ab dem 1. Januar 2026 finanziell entlasten zu wollen. „Wir senken jetzt die Energiepreise, damit Arbeitsplätze in diesem Land gesichert werden“, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) laut Mitteilung der Regierung. „Oberste Priorität für uns hat, Deutschland wieder auf Wachstumskurs zu bringen.“

Zum Jahreswechsel wurde die Gasspeicherumlage abgeschafft, die Gaskunden bisher zahlten, um Kosten für die staatlich angeordnete Befüllung der Speicher nach der durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgelösten Energiekrise zu finanzieren. Darüber hinaus bezuschusst der Bund im Jahr 2026 die Übertragungsnetzentgelte. Die Senkung der Stromsteuer bleibe für 600.000 produzierende Unternehmen und Landwirte in Deutschland zudem weiter bestehen, so die Regierung.

Die Koalition will zudem energieintensive Unternehmen mit einem staatlich subventionierten, günstigeren Industriestrompreis entlasten. Unternehmen sollen die Jahre 2026 bis 2028 abrechnen lassen können, die Auszahlung soll im jeweils folgenden Jahr folgen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Mittwoch, 14. Januar, angekündigt, dass die EU-Kommission den Industriestrompreis genehmigen werde.

Mit Material von dpa

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