Verkehr Südringbrücke in Leer – Freude bei den Unternehmen
Die Südringbrücke ist in einem stabileren Zustand als lange befürchtet. Die Gewichtsbeschränkung wird daher aufgehoben. Das kommt bei den Unternehmen am Hafen gut an. Es gibt aber auch Forderungen.
Leer - Die Südringbrücke in Leer ist eine wichtige Verbindung von der Papenburger Straße (B 70) und dem Osseweg zum Hafen und der Innenstadt. Umso schwerwiegender war 2018 die Sicherheitsmaßnahme, das Bauwerk für Fahrzeuge über 30 Tonnen zu sperren. Vor allem die Unternehmen am Hafen und auf der Nesse waren von dieser Entscheidung getroffen. Doch in der vergangenen Woche kam die überraschende Wendung. „Die Südringbrücke ist stabil“, hatte die Stadtverwaltung mitgeteilt.
Das sei das Resultat einer ausführlichen Langzeit-Überwachung – dem sogenannten Monitoring – der Brücke gewesen. Diese habe belastbare Ergebnisse erst möglich gemacht und jetzt Sicherheit gebracht. „Die Hiobsbotschaft eines zunächst befürchteten Abrisses ist damit vom Tisch“, schreibt die Stadtverwaltung. Dafür war mittelfristig bereits ein zweistelliger Millionenbetrag eingeplant worden. Jetzt müsse die Brücke zwar saniert werden, laut Stadtbaurat Jens Lüning hält sie dann aber noch „mindestens 30 Jahre“. Die Gewichtsbeschränkung solle außerdem in Kürze aufgehoben werden. So reagieren die Unternehmen.
Hammerlit
Bei den Unternehmen am Hafen sorgt die Nachricht für Erleichterung. „Das ist eine sehr positive Nachricht“, teilt Michael Schlie, Assistenz der Geschäftsführung von Hammerlit, mit. „Die Südringbrücke ist für Mitarbeitende und unsere Logistik ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur.“ Wenn sich zeige, dass sie in besserem Zustand sei als zunächst gedacht, sorge das für mehr Planungssicherheit und Entlastung in der Region. Etwa 20 Lastwagen steuern das Unternehmen, das Produkte für den Gesundheitssektor herstellt, täglich an. Die Aufhebung der Gewichtsbeschränkung sei für Hammerlit sehr wichtig, macht Schlie deutlich. „Die Südringbrücke ist für uns, insbesondere bei Sperrungen an der Seeschleuse, eine kalkulierbare und verlässliche Alternative zur Stadtdurchfahrt.“ Das verbessere die Planbarkeit der Logistik und sorge für effizientere Transportwege.
Im Rückblick sei die Sperrung nachvollziehbar gewesen, da Sicherheit immer Vorrang habe. „Für uns bedeutete das in dieser Zeit teilweise Umwege und einen höheren Planungsaufwand, wodurch auch zusätzliche Kosten entstanden sind“, so Schlie. „Insgesamt haben wir die Situation aber pragmatisch gelöst und unsere Abläufe entsprechend angepasst.“ Aufgrund der Gewichtsbeschränkung der Leda-Brücke führe eine Freigabe der Südringbrücke nicht sofort zu einer Kostenentlastung.
Frisia Möbelteile
Ähnlich sieht es auch Dietmar Löcken, Geschäftsführer und Inhaber von Frisia Möbelteile. „Es ist eine erfreuliche Entlastung“, sagt er. Lastwagen, die in Richtung Oldenburg fahren, könnten nun die Brücke wieder nutzen und müssten nicht durch die Stadt. „Es ist eine Option mehr“, sagt er – und fügt an: „Wer weiß, was das nächste Problem sein wird.“ Insgesamt habe das Unternehmen 25 LKW-Bewegungen pro Tag. Wenn die Einspurigkeit beibehalten werde, um die Lebensdauer der Brücke zu verlängern, sei es in Ordnung. „Ich sehe da im praktischen Leben keine Probleme mit“, sagt Löcken.
Agravis Mischfutterwerk
Auch beim Mischfutterwerk Agravis hat man die Nachricht sehr positiv aufgefasst. „Die Waren, die wir ausliefern müssen, müssen keine Umwege durch die Stadt mehr fahren“, sagt Karsten Schulte, Geschäftsführer der Agravis Kraftfutterwerk Oldenburg GmbH. „Für uns ist die Ledabrücke allerdings das Nadelöhr.“ Man beliefere vom Werk in Leer aus Landwirte etwa im Umkreis von 60 Kilometern mit Fertigfutter.
Egbert Wilts
Von einer „guten Jahresauftaktmeldung“ spricht Norbert Bakker, Logistikleiter bei der Egbert Wilts GmbH & Co. KG, dem Großhandel für Maler und Bodenleger. Die Aufhebung der Gewichtsbeschränkung erleichtere, dass Lieferanten mit den schweren Lastwagen zu dem Leeraner Unternehmen kommen. „Die mussten sich sonst immer den Weg durch die Stadt oder über die Seeschleuse suchen“, sagt Bakker. „Das war schon mit einem großen Aufwand verbunden.“ Positiv sei auch, dass die Brücke weiterhin einen längeren Zeitraum halten soll. „Das gibt dem Hafenstandort Sicherheit.“
Weco
Auch bei der Weco GmbH & Co. KG bewertet man es als „eine gute Nachricht“. Man habe zwar keine eigenen Fahrer. „Unsere Fremdspeditionen freien sich aber, dass sie nicht mehr durch die Stadt fahren müssen“, sagt Falk Schröter, einer von zwei Geschäftsführern des Großhandels für Kies, Splitt sowie Gartenbaustoffe. Pro Jahr steuern etwa 4000 bis 5000 Lastwagen das Unternehmen an. „Unsere Saisonspitzen sind zwischen Ostern und Juni“, sagt Schröter. Genau zu diesen Zeiten seien auch die Touristen in Leer. „Dann hätten sich unsere Lkws durch die Stadt schlängeln müssen.“ Man freue sich darüber, auch wenn man nur indirekt betroffen sei.
Gibt es Forderungen?
Schröter betonte aber, dass man die Chance jetzt nutzen solle, bereits jetzt mit den Planungen für einen Parallelneubau zu beginnen. „Für die Zeit, wenn die Brücke dann doch nicht mehr hält“, sagt der Geschäftsführer. Auch Dietmar Löcken (Frisia Möbelteile) macht deutlich, dass die freiwerdenden Haushaltsmittel – für den Neubau hatte die Stadt mittelfristig mit rund 13 Millionen Euro kalkuliert – nicht in den allgemeinen Haushalt fließen sollten. „Man sollte die Mittel in die städtische Verkehrsinfrastruktur stecken“, betont der Unternehmer. „Das wäre aus Sicht der Betriebe absolut wünschenswert.“ Die nächsten Probleme kämen Gewiss. „Je besser die Stadt gerüstet ist, umso besser.“