Melle  Osnabrücker Fall weitet sich aus: Präsidium sieht sechsstelligen Schaden beim DRK Melle

Michael Hengehold
|
Von Michael Hengehold
| 15.01.2026 13:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Sitz des Deutschen Roten Kreuzes an der Bismarckstraße in Melle: Gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Buchhaltung wird ermittelt. Foto: Stefan Gelhot
Der Sitz des Deutschen Roten Kreuzes an der Bismarckstraße in Melle: Gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Buchhaltung wird ermittelt. Foto: Stefan Gelhot
Artikel teilen:

Ein vom DRK-Verband Osnabrück geschasster und angezeigter Ex-Geschäftsführer war als Buchhalter auch beim Deutschen Roten Kreuz in Melle tätig. Wie dessen Präsidium mitteilt, soll es dort zu strafbaren Handlungen gekommen sein, die zu einem Schaden im sechsstelligen Bereich geführt haben sollen.

Ende November 2025 hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Osnabrück seinen Geschäftsführer Mike Reil mit sofortiger Wirkung freigestellt. Eine Anzeige folgte, mittlerweile befindet sich der Verband im vorläufigen Insolvenzverfahren. Reil war auch beim Kreisverband Melle tätig, dort als Buchhalter. Und hinterlässt nach Angaben des Präsidiums einen Schaden, der sechsstellig beziffert wird.

Im Rahmen der Osnabrücker Affäre hat unsere Redaktion beim DRK-Kreisverband Melle nachgehakt, ob es dort zu Auffälligkeiten gekommen ist, die mit der Person Mike Reil verbunden sind. Dazu bezieht das Präsidium des DRK mit Lars Albertmelcher an der Spitze in einer schriftlichen Erklärung Stellung.

In diesem Schreiben wird der Name Mike Reil an keiner Stelle erwähnt. Auch die konkrete Funktion der Person, gegen die sich die Vorwürfe richten, wird nicht genannt. Es ist lediglich von einem „Mitarbeiter unserer Buchhaltung“ die Rede. Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich dabei um Mike Reil, der auf der Homepage des Meller Roten Kreuzes noch bis in den Dezember 2025 hinein als Buchhalter genannt wurde.

„Ende des Jahres 2025 haben wir als DRK-Kreisverband Melle e. V. finanzielle Unregelmäßigkeiten in unserer Verwaltung festgestellt“, heißt es in der Erklärung des Präsidiums. Der Schaden liege im sechsstelligen Bereich, also zwischen 100.000 und einer Million Euro. In welcher Höhe genau, dazu wollte sich DRK-Präsident Lars Albertmelcher auf Nachfrage nicht äußern. Nach Informationen unserer Redaktion soll er aber nicht im höheren sechsstelligen Bereich liegen.

In der Erklärung heißt es weiter: „Nach derzeitigem Kenntnisstand hat ein Mitarbeiter unserer Buchhaltung durch rechtswidrige Handlungen auf verschiedenen Wegen – im Wesentlichen durch Fälschungen von Dienstanweisungen sowie durch Manipulation unserer IT [Computertechnik, Anmerkung der Redaktion] – dafür gesorgt, dass unsere bestehenden internen Kontrollmechanismen umgangen wurden.“

Infolge dieser Vorgehensweise seien Gelder „unrechtmäßig an nicht berechtigte Dritte“ überwiesen worden, „ohne dass dies zunächst seitens unserer Kreisgeschäftsführung oder unseres Präsidiums hätte erkannt werden können“.

Das Kassenloch ist offenbar aufgefallen, nachdem die Vorgänge in Osnabrück bekannt wurden: „Nachdem wir von finanziellen Unregelmäßigkeiten, für die er in anderem Kontext verantwortlich gemacht wurde, Kenntnis erlangten, wurde der betreffende Mitarbeiter umgehend freigestellt.“

„Sodann eingeleitete interne Ermittlungen hatten die vorgenannten Untreuehandlungen in mehreren Fällen zum Ergebnis“, heißt es weiter. Daraufhin wurde das „Arbeitsverhältnis mit dem betreffenden Mitarbeiter außerordentlich fristlos gekündigt.“

Zudem hat das Meller DRK den bislang festgestellten sechsstelligen Betrag „gerichtlich gegenüber diesem Mitarbeiter geltend gemacht“ und parallel dazu Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück erstattet. Mit anderen Worten: Das DRK hat einerseits Anzeige erstattet, damit offiziell ermittelt wird, und den Ex-Mitarbeiter zudem verklagt, damit das mutmaßlich veruntreute Geld zurückgezahlt wird.

Der Mitarbeiter bestreite die erhobenen Vorwürfe zwar, jedoch ist die Führung des Roten Kreuzes in Melle „davon überzeugt, die im Raum stehenden Anschuldigungen beweisen zu können“.

Ob es beim bislang ermittelten Schadenbetrag bleibt, ist noch offen. „Es gibt Hinweise darauf, dass durch denselben Mitarbeiter weitere, noch nicht festgestellte Untreuehandlungen zu unserem Nachteil erfolgt sein könnten“, heißt es weiter in der Präsidiumsantwort. Deswegen finden derzeit intensive weitere Prüfungen in der Buchhaltung statt.

Weitere Einzelheiten könnten aus Datenschutzgründen sowie mit Blick auf das laufende gerichtliche Verfahren derzeit nicht öffentlich gemacht werden, schreibt das Präsidium.

Ähnliche Artikel