Osnabrück  Die Wikipedia wird 25: Warum das ein Grund zum Feiern ist

Maik Nolte
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Von Maik Nolte
| 15.01.2026 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Internet-Zeitrechnung zählt die Wikipedia zu den betagteren Plattformen – aber auch zu den beliebtesten. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
In Internet-Zeitrechnung zählt die Wikipedia zu den betagteren Plattformen – aber auch zu den beliebtesten. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
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Seit einem Vierteljahrhundert ist die Wikipedia eine der meistbesuchten Plattformen im Internet. Hat sie sich in all den Jahren auch überaltert, tritt die KI die Nachfolge an? Hoffentlich nicht!

Am großen Versprechen des frühen Internets, das Wissen der Menschheit über alle Grenzen, Fronten und Ideologien hinweg zu verbreiten und die Welt damit ein Stück weit besser zu machen, müssen am Ende zwar alle großen Web-Plattformen scheitern. Aber die Wikipedia ist der Erfüllung dieses Versprechens zumindest so nahe gekommen wie kaum eine andere. Und dafür darf man sie zu ihrem 25. Geburtstag schon ein wenig feiern.

30 Millionen Mal wird allein die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie täglich aufgerufen. 66 Millionen Artikel gibt es weltweit, in rund 350 Sprachen. Geschrieben von Menschen, die keinen Cent dafür verlangen, sondern einzig von ihrem Engagement dazu getrieben werden. Dieser ehrenamtliche Antrieb ist die größte Stärke der Wikipedia, lange war es auch ihre größte Schwäche.

Denn: Laien, die in ihrer Freizeit eine Enzyklopädie zusammenschustern? Dass das funktionieren würde, war ja keineswegs ausgemacht. In ihrer wilden Jugendzeit fand sich all der Irrsinn, auf den man im Netz stößt, irgendwo auch in der Wikipedia wieder. Verschwörungserzähler, die puren Quatsch verfassen. Nerds, die ihre Lieblingsthemen eifersüchtig hüten. Bescheidwisser, die mehr Ahnung zu haben glauben als alle anderen.

Nur sind diese Leute in der Wikipedia mittlerweile selten geworden. Irgendjemand passt in der Regel auf, dass kein Mist verzapft wird; die Online-Enzyklopädie verfügt über Selbstheilungskräfte, die man sich bei anderen Plattformen wünschen würde. Und auch wenn stets ein Restrisiko von falschen oder veralteten Infos blieb: Wer online schnell etwas nachschlagen wollte, kam lange kaum an der Wikipedia vorbei.

Nun aber läuft auch dieses Online-Urgestein Gefahr, vor der KI-Revolution die Waffen strecken zu müssen. Die Wikipedia verliert bereits spürbar Zugriffszahlen und Mitarbeiter, und bald wird sie auch ein Spendenproblem bekommen.

Vielleicht ist das einfach der Lauf der Dinge. Vielleicht wird die Wikipedia, wie zuvor Facebook, zum Tummelplatz der Boomer-Generation, während Jüngeren bei der Suche nach Infos künftig die KI-Zusammenfassung beim Googeln reicht – die sich, welch Ironie, oft bei der Wikipedia bedient. Manchmal aber eben auch bei weit unzuverlässigeren Quellen. Und das ist das Problem.

Wissen ist mehr als maschinell zusammengeklaubte Information, es entsteht nicht nur als Ergebnis von Forschung und Recherche, sondern auch von Streit und Debatten, vom Umgang mit Irrtümern und Holzwegen. An der Wikipedia lässt sich recht deutlich erkennen, wo die Grenzen der KI liegen, und deshalb ist zu hoffen, dass die Enzyklopädie weiterhin mit Leben erfüllt wird. Sie mag in Internet-Zeitrechnung alt sein – aber zum alten Eisen gehört die Wikipedia noch lange nicht.

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