Bestseller-Autor Erich von Däniken begeisterte Millionen fürs Außerirdische

Christiane Oelrich, dpa
|
Von Christiane Oelrich, dpa
| 11.01.2026 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vom Koch zum Bestseller-Autor. (Archivbild) Foto: Thomas Burmeister/dpa
Vom Koch zum Bestseller-Autor. (Archivbild) Foto: Thomas Burmeister/dpa
Artikel teilen:

Die Götter waren für Erich von Däniken Weltall-Bewohner wie du und ich. Nur klüger und fortgeschrittener. Der Schweizer Experte für alles Außerirdische hat die Fantasie von Millionen beflügelt.

Keine Angst vor Außerirdischen: Für den Schweizer Autor Erich von Däniken war ihr baldiges Kommen so sicher wie das Amen in der Kirche - und kein Grund zur Sorge. „In den nächsten zehn Jahren wird die Welt mit außerirdischen Wesen in Kontakt kommen, es werden schöne Begegnungen werden“, sagte er 2018 in der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ voraus. Bevor es so weit war, ist der selbst ernannte Spezialist für Galaktisches nun im Alter von 90 Jahren gestorben.

Noch im hohen Alter brannte das Feuer für alles Unerklärliche - und Lukrative - in dem ausgebildeten Koch, der sich im Alleingang zum Experten für alles Außerirdische gemacht hatte. Im September 2023 trat er putzmunter in Bad Sulzbach im Taunus auf, um mit Gleichgesinnten 50 Jahre seiner Stiftung A.A.S. zu feiern, die der Existenz von Außerirdischen gewidmet ist.

Bei einem seiner Lieblingsthemen ereiferte er sich dort wieder: Es könne doch nicht sein, dass in Ägypten rund 2500 Jahre vor Christus ein Steinzeitschlaumeier plötzlich auf die Idee gekommen sei, die Cheops-Pyramide zu bauen. „Vergiss es“, sagt er da, die Pyramiden hätten längst gestanden, gebaut mit der Hilfe von - genau - Außerirdischen.

Die Geschlechtsorgane der Außerirdischen

Von Däniken brachte ein Buch nach dem anderen heraus, über ein Universum voller Lebewesen, die als Astronauten auch schon mal auf die Erde kommen. Auf seinem Youtube-Kanal interviewte er andere Welterklärer und dozierte selbst. Was viele Kulturen als Götter im Himmel verehren, sei nichts anderes als abgesandte Astronauten der Außerirdischen, erklärte von Däniken dort. Er erörterte auch die Frage, ob Außerirdische dieselben Geschlechtsorgane haben wie Menschen, und kommt zu dem Schluss: Sie haben. Weil Menschen und Außerirdische doch irgendwie dieselben Ahnen hätten.

Er brannte bis ins hohe Alter für alles Unerklärliche. (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa
Er brannte bis ins hohe Alter für alles Unerklärliche. (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa

Das ist der Stoff, aus dem Unterhaltung für Millionen gemacht ist, und das erkannte EvD, wie er sich in Abkürzung seines Namens nannte, schon früh. Der erste große Erfolg war 1968 sein Werk „Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit“, auf Englisch: „Chariots of the Gods“ (etwa: Streitwagen der Götter). Darin verwob er allerlei Unerklärtes mit gewagten Schlüssen.

Er tat das so unterhaltsam, dass sein Buch zum Kassenschlager wurde, ebenso wie das Folgewerk „Zurück zu den Sternen“ (1969). Der biblische Bericht des Propheten Ezechiel (auch: Hesekiel) über die Erscheinung Gottes auf dem Berg Sinai? „Nichts anderes als die Landung eines Raumschiffs“, war von Däniken überzeugt. Die biblische Bundeslade, der Kultgegenstand der Israeliten? Eine Wechselsprechanlage zwischen Moses und den Astronautengöttern.

Die künstliche Befruchtung der Erdenfrauen

Von Däniken lebte in Beatenberg bei Interlaken. In seiner Werkstatt vor einer malerischen Alpenkulisse trug er Indizien, Dokumente und Fundstücke für seine Weltdeutung zusammen. In Dänikens Welt waren vor grauer Vorzeit hoch entwickelte Wesen einer fernen Galaxie auf der Erde gelandet. Um den primitiven Zweibeinern, die sie antrafen, auf die Sprünge zu helfen, hätten sie Erdenfrauen durch künstliche Befruchtung zu Urmüttern der intelligenzbegabten Menschen gemacht. Die Erdlinge deuteten die galaktischen Besucher rückblickend als Götter, Astronautengötter, denen sie in Höhlenzeichnungen huldigten.

Von Däniken verfasste mehr als 40 Bücher, die nach seinen Angaben in mehr als 30 Sprachen übersetzt und in einer Auflage von mehr als 60 Millionen Exemplaren gedruckt wurden. Daran gemessen war er einer der erfolgreichsten Autoren der Welt. Ob es weh tue, von Kritikern als hoffnungsloser Spinner verhöhnt zu werden, fragte ihn das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ 2015. „Früher hat man sich geärgert über die Verrisse“, antwortete er. „Heute steht man einfach drüber.“

Auch Gott hatte in seinem Weltbild Platz: „Ich glaube an Gott“, sagte er 2021 auf seinem Youtube-Kanal. „Auch wenn ich nicht weiß, was Gott ist. Ich nenne ihn den großen Geist des Universums.“

Ähnliche Artikel