Osnabrück  Gefahr durch Kältetod: Wie der SKM Obdachlose in Osnabrück schützt und was Passanten tun sollen

Noah Schnarre
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Von Noah Schnarre
| 10.01.2026 10:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Zahl der Obdachlosen erreicht in Osnabrück einen neuen Höchststand. Gerade im Winter sind sie besonders gefährdet. Foto: IMAGO/ABACAPRESS
Die Zahl der Obdachlosen erreicht in Osnabrück einen neuen Höchststand. Gerade im Winter sind sie besonders gefährdet. Foto: IMAGO/ABACAPRESS
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Der Winter ist da und gekommen, um zu bleiben. In den nächsten Tagen werden in Osnabrück zweistellige Minusgrade erwartet. Gerade für obdachlose Menschen wird das zum Problem. Heinz-Hermann Flint vom SKM erklärt, welche Schutzmaßnahmen jetzt wichtig sind.

Es wird kalt in Osnabrück und der Region. In den nächsten Tagen rechnen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes in den Abend- und Nachtstunden mit zweistelligen Minusgraden. Dazu ist immer wieder Schneefall möglich. Wer nicht unbedingt raus muss, spart sich den Gang vor die Tür und stellt die Heizung ein paar Grad höher. Für wohnungslose Menschen ist das keine Option. Viele Obdachlose sind den anhaltend eisigen Temperaturen schutzlos ausgeliefert.

Der Paritätische Gesamtverband ruft daher eindringlich zu sofortigem Handeln auf: „Kommunen und Länder müssen umgehend zusätzliche Kältehilfen schaffen, Notunterkünfte niedrigschwellig zur Verfügung stellen und auf ordnungsbehördliche Verdrängung konsequent verzichten“, gab Hauptgeschäftsführer Joachim Rock gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) bekannt.

600 Menschen sind in Osnabrück nach Angaben der Sozialen Dienste SKM im Winter 2026 ohne festen Wohnsitz, also wohnungslos. Da viele wohnungslose Menschen vorübergehend bei Freunden, Verwandten oder Bekannten unterkommen, kann die tatsächliche Zahl aber noch deutlich höher liegen, erklärt Heinz-Hermann Flint von der Wohnungslosenhilfe des SKM. Von den 600 wohnungslosen Menschen sind 140 obdachlos und leben auf der Straße. Ein neuer Höchststand – im vergangenen Jahr waren es noch 130.

Auch wenn es in den vergangenen Jahren keine Sterbefälle wegen Erfrierung in Osnabrück gegeben habe, warnt Flint eindringlich davor, bei Minusgraden im Freien zu übernachten. Gerade deshalb brauche es im Winter niederschwellige Angebote für obdachlose Menschen.

Seit Anfang November ist die Tageswohnung an der Bramscher Straße auch am Wochenende geöffnet. Hier können Wohnungslose zur Ruhe kommen, duschen und Wäsche waschen. Außerdem verteilt der SKM Kleiderspenden, Schlafsäcke und Isomatten. Für zwei Euro gibt es eine warme Mahlzeit. „Die Besucherzahl unterscheidet sich nicht grundlegend von den Sommermonaten. Dafür bleiben unsere Gäste im Winter deutlich länger“, sagt Flint.

Zusätzlich stellt der SKM in diesem Jahr erneut eine „warme Platte“ zur Verfügung, eine niederschwellige Übernachtungsmöglichkeit für obdachlose Menschen. „Aktuell halten wir sieben bis acht Schlafplätze vor. Anfang nächster Woche kommt eine weitere Immobilie dazu. Dann können wir bis zu 15 Einzelzimmer anbieten“, erläutert Flint. Sollte der Bedarf in den nächsten Tagen zunehmen, sei auch eine Doppelbelegung der Zimmer möglich. „Wir versuchen, so viele wie möglich unterzubringen. Das gelingt in den meisten Fällen.“

Ergänzend zu den Angeboten des SKM bietet die Caritas mit der Wärmestube ein niederschwelliges Hilfsangebot an. Wohnungslose Menschen erhalten ein kostenloses Frühstück und Mittagessen, können sich in den Aufenthaltsräumen aufwärmen, die sanitären Anlagen nutzen und sich mit warmer Kleidung eindecken. Zusätzlich stellt die Stadt Osnabrück mehrere Notunterkünfte bereit, die ganzjährig genutzt werden können. Aktuell stünden 61 Plätze zur Verfügung. Anders als in anderen Kommunen sind die Unterkünfte rund um die Uhr geöffnet.

Trotz des engmaschigen Angebots komme es immer wieder vor, dass Menschen die frostigen Nächte auf der Straße verbringen, sagt Heinz-Hermann Flint. Passanten rät er, diese Menschen aktiv anzusprechen und Unterstützung anzubieten. „Zu fragen, was die betroffene Person benötigt, hilft gewaltig“, so Flint. Ist die Person nicht ansprechbar, empfiehlt Flint, den Rettungsdienst unter der 112 anzurufen. „Hier gilt: Lieber einmal zu viel, als zu wenig.“

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