Osnabrück  Plötzlich ist in der Region Osnabrück von A- und B-Kirchen die Rede – was das zu bedeuten hat

Raphael Steffen
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Von Raphael Steffen
| 09.01.2026 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
St. Marien in Osnabrück ist ein Zentrum der evangelischen Kirche in Stadt und Landkreis. Foto: Michael Gründel
St. Marien in Osnabrück ist ein Zentrum der evangelischen Kirche in Stadt und Landkreis. Foto: Michael Gründel
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Die evangelische Kirche schrumpft. In der Region Osnabrück wird gerade überlegt, welche Standorte eine langfristige Perspektive haben – und noch Geld aus Hannover bekommen. Doch was verbirgt sich genau hinter der „Kategorisierung der Sakralgebäude“?

In der evangelischen Kirchengemeinde Arenshorst herrscht Unruhe. Ein bürokratischer Vorgang, der sich hinter dem sperrigen Schlagwort „Kategorisierung der Sakralgebäude“ verbirgt, könnte, so fürchten einige Gläubige im Bohmter Ortsteil, der Anfang vom Ende ihrer schmucken Fachwerkkirche sein.

Tatsächlich kommt die evangelische Kirche angesichts sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehender Einnahmen um Einsparungen nicht herum. Früher oder später stehen dabei auch Immobilien zur Disposition. Bei der Kategorisierung der Sakralgebäude handelt es sich allerdings höchstens um die Vor-Vor-Vorstufe eines solchen Schrittes.

Die hannoversche Landeskirche bezuschusst Baumaßnahmen in den einzelnen Gemeinden. Doch das Geld wird knapper. Bevor künftig solche Mittel bewilligt werden, verlangt die Landeskirche daher eine Bewertung anhand von Kriterien wie dem baulichen Zustand, dem kulturellen Wert, der Nutzung oder dem energetischen Standard. Die Standorte werden dann in die A-, B- oder C-Gruppe einsortiert.

Nur A-Kirchen dürfen mit Unterstützung im gewohnten Umfang rechnen. B-Kirchen können in eingeschränktem Maß Mittel beantragen. Bei C-Kirchen sind Landeskirchenmittel nur noch für „hinhaltende Instandsetzung“ vorgesehen.

Die drei Kirchenkreise Osnabrück, Bramsche und Melle-Georgsmarienhütte sind in diesem Prozess unterschiedlich weit fortgeschritten. Während die Synoden von Osnabrück und Bramsche Ende 2025 ihre Listen beschlossen haben, wurde in Melle-GMHütte erst die Gewichtung der Kriterien festgelegt. Die abschließende Bewertung und Punktevergabe soll jetzt eine Arbeitsgruppe vorbereiten.

Im Kirchenkreis Osnabrück gibt es insgesamt 22 Sakralgebäude, 14 davon wurden als A-Standorte eingestuft. Allerdings können nur zwölf von ihnen auf Geld aus Hannover hoffen. Denn wenn sich der Sakralraum in einem Gemeindehaus oder Familienzentrum befindet, können ohnehin keine Mittel bei der Landeskirche beantragt werden. Das trifft auf die Thomaskirche Osnabrück und die Andreaskirche Wallenhorst zu.

Für die B-Kirchen hat damit keineswegs das letzte Stündlein geschlagen. Superintendent Joachim Jeska sagte während der Synode, dass jetzt nicht über die Aufgabe von Standorten entschieden werde. Dies solle anhand eines inhaltlichen Konzepts erfolgen, das derzeit erarbeitet werde. Jeska: „Ziel ist, dieses im Jahr 2026 fertigzustellen. Damit sind wir früh genug, um für den kommenden Planungszeitraum ab 2029 die Stellen- und Rahmenplanung entsprechend an das Konzept werden anpassen können.“

Auch der Bramscher Superintendent Joachim Cierpka beteuert nun gegenüber den besorgten Arenshorstern, dass die letzte Messe noch nicht gelesen sei. „Wir diskutieren – trotz aller Herausforderungen – derzeit bei keiner Kirche über eine Schließung“, hatte er auf der Synode betont: „Die Kategorisierung hilft uns vielmehr, Prioritäten zu setzen und unsere begrenzten Mittel verantwortungsvoll und transparent einzusetzen.“

Außerdem: Wenn Geld aus Hannover wegfällt, heißt das nicht, dass gleich das Licht ausgeht. Denn den Gemeinden steht es frei, sich anderswo nach Unterstützung umzusehen. Die Suche nach „alternativen Finanzierungsquellen“ wird in Bramsche ausdrücklich begrüßt. Letztlich müssen sich die verbliebenen Protestanten in der Region Osnabrück – ähnlich wie die Katholiken – daran gewöhnen, dass die Zeiten der Volkskirche vorbei sind.

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