Kind aus Krippe geflogen Landesjugendamt prüft Remelser Kita
Nachdem eine Zweijährige aus der Krippe geflogen ist, prüft nun das Jugendamt des Landes Niedersachsen die Kita Kinnertied in Remels. Die Gemeinde Uplengen hält sich zu dem Verfahren bedeckt.
Remels - Für Svenja und Alexander Kock aus Remels kam im Sommer vergangenen Jahres alles überraschend: Ihre Tochter – die damals zweijährige Sofia – darf nicht mehr die Krippe der Kindertagesstätte Kinnertied in Remels besuchen. Das teilte die Leitung den Eltern per E-Mail mit. Doch zudem wurde auch noch das Jugendamt eingeschaltet. Es stand eine Kindeswohlgefährdung im Raum. Für Svenja und Alexander Kock ein Schock. „Wir können das immer noch nicht nachvollziehen“, sagt die Mutter.
Inzwischen hat sich die Lage für die Familie beruhigt. Sofia besucht schon seit einigen Monaten eine Krippe in Moormerland. Vom Jugendamt hätten Svenja und Alexander Kock schon seit mehreren Wochen nichts mehr gehört, die Kindeswohlgefährdung ist vom Tisch. Stattdessen richtet das Jugendamt seinen Fokus nun auf die Kindertagesstätte. Der Fall liegt inzwischen beim Land Niedersachsen, heißt es auf Anfrage vom Landkreis Leer. Wir haben beim Landesamt nachgehakt.
Warum ist das Landesjugendamt nun an dem Fall dran?
Der Fall liegt beim Regionalen Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) Hannover beziehungsweise beim Landesjugendamt Fachbereich II. Es ist als überörtlicher Träger unter anderem zuständig für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. „Im Rahmen dieser gesetzlichen Aufgabe gehen wir Hinweisen nach, die eine Überprüfung der pädagogischen Arbeit erforderlich machen“, heißt es.
Was wird geprüft?
Geprüft werden Aspekte, die sich auf die pädagogische Arbeit in der Einrichtung beziehen. „Ziel ist es, die Sachlage objektiv zu klären und sicherzustellen, dass die gesetzlichen Anforderungen und das Kindeswohl gewahrt bleiben“, so das RLSB weiter.
Wer hat mit Konsequenzen zu rechnen?
Aktuell befindet sich das Landesamt in der Prüfphase. Es gehe zunächst darum, die Vorwürfe zu bewerten und die Faktenlage zu ermitteln. Erst danach könne entschieden werden, ob und in welchem Umfang Maßnahmen erforderlich sind, heißt es.
Mögliche Maßnahmen können von fachlichen Empfehlungen und Beratungen bis hin zu verbindlichen Auflagen zur Verbesserung der pädagogischen Arbeit reichen. „Unser vorrangiges Ziel ist es, die Qualität der Betreuung sicherzustellen und den Schutz der Kinder zu gewährleisten.“
Wann steht das Ergebnis fest?
Das RLSB könne aktuell keinen voraussichtlichen Abschlusstermin für den Prozess nennen. Gemeinde und das Landesamt stehen diesbezüglich derzeit in regem und konstruktiven Austausch, heißt es.
Werden noch weitere Kitas in der Gemeinde Uplengen geprüft?
Im Rahmen der Bearbeitung dieses Falls bestanden keine Gründe für eine Überprüfung anderer Kindertageseinrichtungen in der Gemeinde Uplengen, teilt das RLSB mit.
Was sagt die Gemeinde Uplengen?
Die Gemeinde Uplengen ist Träger der Kindertagesstätte Kinnertied. Zu der laufenden Prüfung will sich Bürgermeister Heinz Trauernicht nicht äußern. Mit Konsequenzen rechnet er aber nicht, sagt er.
Was ist vorgefallen?
Am 23. Juni 2025 erreichte Svenja und Alexander Kock eine E-Mail von der Kita-Leitung. Ihre Tochter Sofia konnte die Krippe fortan nicht mehr besuchen. Sämtliche Dokumente liegen dieser Redaktion vor.
Wegen ihrer Essschwierigkeiten hatte Sofia über mehrere Monate eine Nasensonde. Darüber wurde sie unter anderem ernährt. „Wir sind keine Pflegefachkräfte, die die Nahrungsmittel-Versorgung über die Sonde machen dürfen“, hieß es in der E-Mail. Zudem sei Sofia regelmäßig mit verdreckter und nach Urin riechender Kleidung in die Krippe gekommen. Außerdem sei vermehrt verschimmeltes oder abgelaufenes Essen eingepackt worden. Deswegen wurde das Jugendamt damals eingeschaltet. Die Eltern bestreiten die Vorwürfe.
Als Integrationskind ist Sofia auf besondere Förderung angewiesen. Diese könne im Kinnertied nicht gewährleistet werden, begründete Beate Bäuerle von der Gemeinde Uplengen im Dezember die Entscheidung. Einen nötigen Integrationsplatz gibt es in Uplengen nur in der Kita Hollen. Dort sei aktuell aber kein Platz frei. Jegliche Versuche der Eltern, Sofia in einer anderen Krippe in Uplengen anzumelden, wurden von der Gemeinde unterbunden. „Wir können Sofia nur einen Platz in Hollen anbieten“, sagte Beate Bäuerle im Dezember.