Osnabrück  Fünf Dinge, die es ohne die Bürgerstiftung in Osnabrück heute nicht gäbe

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 06.01.2026 08:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
K3 ist ein Projekt der Bürgerstiftung Osnabrück, das Kinder an Malerei, Musik und Theater heranführt. Die Bürgerstiftung ist 25 Jahre alt geworden und hat viele Projekte hervorgebracht, die das Leben in der Stadt bereichern. Foto: Daniel Karmann/dpa
K3 ist ein Projekt der Bürgerstiftung Osnabrück, das Kinder an Malerei, Musik und Theater heranführt. Die Bürgerstiftung ist 25 Jahre alt geworden und hat viele Projekte hervorgebracht, die das Leben in der Stadt bereichern. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Vor 25 Jahren gründeten engagierte Osnabrücker die Bürgerstiftung Osnabrück. Was hat sie bewirkt? Fünf Dinge, die es ohne die Bürgerstiftung heute in Osnabrück nicht gäbe – was wirklich schade wäre.

Die Gründer wählten im Jahr 2000 einen Setzling zum Symbol der Bürgerstiftung Osnabrück. Aus der zierlichen Pflanze ist, gut gedüngt und gewässert von der Stadtgesellschaft, ein stolzer Baum herangewachsen, der reiche Früchte trägt. Die Bürgerstiftung hat etwas in Bewegung gebracht, sie bereitet Menschen Freude, bereichert Leben in der Stadt.

Es war wohl der damalige Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, der den Anstoß gab. Er stellte sich eine Art ehrenamtliche Bürgerbewegung vor, die dort eingreift, wo Staat und Stadt nicht mehr eingreifen können. Weil das Geld fehlt, weil sie nicht zuständig sind. Und so legten Bürger und Unternehmen zusammen: Die Sparkasse ging mit gutem Beispiel voran, andere folgten.

120.000 Euro betrug das Stiftungskapital, als die Bürgerstiftung im Jahr 2000 unter der Führung von Wolfgang Lohrberg an den Start ging. Heute umfasst es gut zwei Millionen Euro. Der Kapitalertrag, Spenden und Fördergelder erlauben es der Bürgerstiftung heute, rund eine halbe Million Euro jährlich in Projekte zu investieren. Diese dienen vor allem Kindern, aber auch der Stadtgesellschaft, dem Miteinander – oder einfach der guten Laune.

Wir haben zusammen mit der Stiftungsvorsitzenden Ulrike Burghardt und der hauptamtlichen Mitarbeiterin Heike Graß aus einem Vierteljahrhundert fünf Dinge ausgewählt, die es ohne die Bürgerstiftung heute in Osnabrück nicht gäbe.

Das erste Beispiel herausragender Projekte ist noch gar nicht richtig am Start, aber in Größe und Bedeutung ein Meilenstein in der Geschichte der Bürgerstiftung: die Straßenambulanz. Sie soll Wohnungslosen eine medizinische Basisversorgung bieten.

Gemeinsam mit dem katholischen Verein für soziale Dienste (SKM) und dem Sozialen Dienst der Stadt will die Bürgerstiftung Osnabrück im Frühjahr 2026 einen Kleintransporter als mobile Arztpraxis in Dienst stellen. 100.000 Euro sind als Anschubfinanzierung nötig, der Spendenanzeiger steht aktuell auf 85.000 Euro. „Dieses Projekt hat gezeigt, was unsere Stadt leisten kann, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen“, sagt Ulrike Burghardt.

Die Initiatorin und Notfallmedizinerin Cornelia Völckers hat ein Netzwerk von Ärztinnen und Ärzten aufgebaut, die bereit sind, ehrenamtlich in der Straßenambulanz Dienst zu leisten. Sie werden mehrmals wöchentlich nach einem festen Fahrplan an verschiedenen Standorten in Osnabrück Sprechstunden anbieten.

Stefanie Schindhelm, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung und Richterin am Landgericht, trat die Welle vor 15 Jahren los. Kindern und Jugendlichen in Heimerziehung und in ambulanter Familienbetreuung in Stadt und Landkreis Osnabrück sollte zu Weihnachten ein kleiner Wunsch erfüllt werden. Private Spender oder Unternehmen stellten das Geld zur Verfügung. Stefanie Schindhelm und einige Helfer aus der Stiftung kauften die Geschenke ein, verpackten und reichten sie an die Kinder weiter.

In diesem Jahr 2025 erfüllte Projektleiterin Heike Walter 2046 Kinderwünsche und 33 Wünsche von Seniorinnen und Senioren. 29 Firmen und Organisationen sind als feste Partner dabei und erfüllten die Wünsche in der Regel auf direktem Wege.

Längst geht es nicht mehr um eine kleine Freude zu Weihnachten. Das Projekt Kinderwünsche läuft das ganze Jahr, lässt Kinder an Bildung, Kultur und Sport teilhaben, bringt Familien zusammen oder hilft Kindern, die mit ihrer Familie geflüchtet sind, in Osnabrück anzukommen.

Es ist das größte Projekt der Bürgerstiftung, wie Vorsitzende Ulrike Burghardt sagt. Das größte, weil es die meisten Menschen in Bewegung bringt, drei Mitarbeiter hauptamtlich beschäftigt und am meisten Geld kostet.

Die Idee stammt aus dem Jahr 2012. Die Kinderbewegungsstadt (Kibs) bietet Kindern bis zehn Jahren die Möglichkeit, kostenlos Sport- und Bewegungsangebote zu nutzen. Die Bürgerstiftung selbst agiert im Hintergrund als Netzwerkerin und Vermittlerin.

So konnten sich 2025 Kinder beim Sparkassen-Sportfest auf der Illoshöhe austoben, gab es das OTB-Kitasportfest, die Spielzeit bei Blau-Weiß Schinkel, den Vatertag beim Industriemuseum oder den Bewegungsparcours auf dem Theater-Beach.

Das größte im größten Projekt sind die Schwimmkurse. „Früh schwimmt sich“, heißt das Programm, bei dem die Bürgerstiftung mit Kindertagesstätten kooperiert und allein in den letzten zwei Jahren 500 Kindern eine kostenlose Schwimmausbildung ermöglicht hat. Ulrike Burghardt schätzt, dass seit 2013 etwa 2000 Kinder so das Schwimmen gelernt haben.

Die Betriebskrankenkasse BKK Firmus und die Firma Thomas Philipps aus Bissendorf unterstützen das Projekt finanziell. Burghardt zitiert den geschäftsführenden Gesellschafter André Philipps mit den Worten: „Wir machen das, weil wir damit Leben retten.“

2017 brachte der damalige Stiftungsvorsitzende Klaus Lang den Gedanken ins Spiel, Kinder und Jugendliche näher an Kunst, Theater und Musik heranzuführen. Es heißt, der Name des Kulturprojektes „K3“ sei in der ersten Sitzung mit den beteiligten Organisationen und Lehrkräften entstanden: „K3 … und du bist dabei!“

Der Auftrag: Kinder und Jugendliche – besonders aus sozial benachteiligten Familien – sollten Zugang zu kultureller Bildung erhalten. Die Felicitas und Werner Egerland-Stiftung finanzierte das Projekt in den ersten drei Jahren, danach übernahm für weitere drei Jahre die Friedel und Gisela Bohnenkamp-Stiftung. Aktuell sucht die Bürgerstiftung nach einem Spender oder Sponsor, der „K3“ am Leben hält.

Kinder musizieren, malen, spielen Theater – angeleitet und betreut von Fachkräften, die von der Bürgerstiftung auf Honorarbasis bezahlt werden.

Ulrike Burghardt gerät ins Schwärmen, wenn sie von Ausstellungseröffnungen berichtet, wo Kinder und Jugendliche ihre Werke erstmals einer Öffentlichkeit zeigen durften: „Man sieht es den Kindern an, das ist ein Moment des Selbstbewusstseins für sie.“

Was Berlin kann, kann Osnabrück auch: Der Musiker Frank Zander lädt in der Hauptstadt alljährlich Wohnungslose zu einem netten Abend mit gutem Essen ein. In Osnabrück machen das die Bürgerstiftung, der Musikmanager Thomas Schenk und Büdchen-Wirt Michael Werner. Titel: „Essen im Abseits“.

Geladen wird in ein Zelt auf dem Westerberg, gereicht werden gern Kürbissuppe, Rouladen, Klöße und Rotkohl, dann Vanilleeis, Crumble und Apfelspalten. Den Service machen Osnabrücker Persönlichkeiten wie Oberbürgermeisterin Katharina Pötter.

200 Menschen nahmen im Oktober 2025 die Einladung an. Wer wollte, konnte sich die Haare frisieren, den Bart stutzen oder sich von einem Arzt untersuchen lassen.

Da ist doch noch mehr, oder? Das Bürgerdinner zum Beispiel, das jährlich auf dem Markt Osnabrück vielfältige Gruppen zum Essen zusammenführt. Darüber hinaus hat die Bürgerstiftung Aktionen gestartet, die inzwischen auf eigenen Beinen stehen, wie das Kinder- und Jugendtheater Oskar, oder ausgelaufen sind.

Erinnern Sie sich zum Beispiel an KidCourage? Das war eine Auszeichnung für besonders engagierte Jugendliche. Oder an den „Handschlag“, eine Kooperation zwischen Unternehmen und sozialen Einrichtungen? An einem bestimmten Tag wurde in den Einrichtungen etwas Konkretes geschaffen, etwa ein Raum renoviert oder ein Spielgerät aufgebaut.

„Uns gehen die Ideen nicht aus“, sagt Ulrike Burghardt.

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