Emsland  Gedenkstätte Esterwegen zieht Bilanz

Susanne Risius-Hartwig
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Von Susanne Risius-Hartwig
| 05.01.2026 14:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick auf das ehemalige Lagertor in der heutigen Gedenkstätte Esterwegen. Susanne Risius-Hartwig
Blick auf das ehemalige Lagertor in der heutigen Gedenkstätte Esterwegen. Susanne Risius-Hartwig
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Die Gedenkstätte Esterwegen blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück: Im Mittelpunkt stand das Gedenken an das Kriegsende vor 80 Jahren, das viele Besucher und bewegende Zeitzeugenberichte prägten.

Esterwegen - Das Kriegsende vor 80 Jahren stand im Fokus der Gedenkstättenarbeit in Esterwegen. Ihre Bilanz zum Jahresende verbindet die Leitung der Gedenkstätte mit einem persönlichen Appell. Im Mai 2025 hat der 300.000. Besucher seit der Eröffnung der Gedenkstätte im Oktober 2011 die Einrichtung besucht, und insgesamt haben mehr Besucher als im Jahr zuvor den Weg nach Esterwegen gefunden. Die Leiter der Einrichtung, Martin Koers und Sebastian Weitkamp, haben für uns zurückgeschaut auf die wichtigsten Ereignisse. An die Öffentlichkeit wenden sie sich am Ende des Jahres 2025 mit einem persönlichen Appell.

Das Jahr 2025 stand im Zeichen des Erinnerns und Gedenkens an das Kriegsende vor 80 Jahren, teilen Koers und Weitkamp mit. Bewegend und eindrucksvoll seien die Zeitzeugenberichte der Brüder Albert und Hermann Vinke über das Kriegsende 1945 in Rhede gewesen. Wichtig war nach Einschätzung der Gedenkstättenleitung die Vorstellung der Graphic Novel „Widerstand“ durch Zeichner und Autor Niels Schröder. Er thematisiert die Biografien der deutschen SPD-Politikerin Tony Sender sowie der Sozialdemokraten Julius Leber und Theodor Haubach. Als konsequente Verteidiger der Demokratie und aufgrund ihres Widerstands gegen den Nationalsozialismus seien Leber und Haubach im KZ Esterwegen inhaftiert worden, erinnert die Gedenkstätte.

Im September konnte das Team der Gedenkstätte Esterwegen ein internationales Angehörigentreffen zum 80. Jahrestag der Befreiung der Emslandlager ausrichten. 45 Nachfahren ehemaliger Häftlinge und Gefangener – Kinder und Enkelkinder der zweiten und dritten Generation – reisten aus Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Polen, Großbritannien und den USA an. „Begegnungen und Gespräche waren für alle Beteiligten sehr bewegend und bereichernd“, erinnert sich die Gedenkstätten-Leitung.

Im September 2025 trafen sich Angehörige, 45 Nachfahren ehemaliger Häftlinge und Gefangener in der Gedenkstätte. Foto: Gedenkstätte Esterwegen
Im September 2025 trafen sich Angehörige, 45 Nachfahren ehemaliger Häftlinge und Gefangener in der Gedenkstätte. Foto: Gedenkstätte Esterwegen

Mehr Besucher und ein Drittel davon Schüler

Im laufenden Jahr zählte die Gedenkstätte 24.070 Gäste, von denen etwa ein Drittel Schüler regionaler und überregionaler Bildungseinrichtungen waren. Das ist mehr als 2024 (insgesamt 22.768 Besucher). Die Zahlen sind ein Grund zur Freude, wertet Landrat Marc-André Burgdorf (CDU), Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Gedenkstätte. Denn der Landkreis Emsland habe sich das Ziel gesetzt, dass alle Schüler des Emslandes die Gedenkstätte kennenlernen.Betreut werden Besuchergruppen von einem Team aus mehr als 20 gedenkstättenpädagogisch ausgebildeten Gästeführern.

Neue Publikationen zur Geschichte der Emslandlager

Im laufenden Jahr hat sich die Schriftenreihe weiter entfaltet. Die Broschüre „1945/2025: 80 Jahre Kriegsende und Befreiung der Emslandlager“ sowie die fünfte überarbeitete Auflage des Begleitbandes „Hölle im Moor. Die Emslandlager 1933 - 1945“ sind erschienen. Lebens- und Arbeitsbedingungen der sowjetischen Kriegsgefangenen in den Lagern des Emslandes und der Grafschaft Bentheim von 1941 bis 1945 sind Thema der veröffentlichten Dissertation von Martin Koers. Im November 2025 ergaben sich im Stiftungsrat der Gedenkstätte Esterwegen personelle Veränderungen: Prof. Dr. Bernd Walter, der sich mehr als 40 Jahre lang mit der Geschichte der Emslandlager beschäftigt hatte, zog sich aus Altersgründen zurück. Neu in den Stiftungsrat berufen wurde Michael Grünberg, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Osnabrück. Dr. Ann Katrin Düben wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt.

2026: Das Unvorstellbare zeichnen - Graphic Novel-Ausstellung

In diesem Jahr werden die Wanderausstellung „Jüdische Identitäten und NS-Tatorte in Sachsen-Anhalt“ und die Graphic-Novel-Ausstellung „Das Unvorstellbare zeichnen/Picturing the Unimaginable“ in der Gedenkstätte zu sehen sein. Darüber hinaus erscheint in der Schriftenreihe der Sammelband „Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“. Mit einem Appell wenden sich Koers und Weitkamp am Ende des Jahres an die Öffentlichkeit: „NS-Gedenkstätten stellen unverzichtbare Erinnerungsorte dar. Sie führen uns eindringlich vor Augen, wie fragil Demokratie und Menschenrechte sind. Sie rufen uns alle dazu auf, entschlossen gegen jede Form von Anfeindungen und Extremismus einzutreten, die die Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft bedrohen.“

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