Ehrenamt  Feuerwehr-Alarm mitten im Kundengespräch?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 05.01.2026 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jessica Zimmermann ist Feuerwehrfrau und Referentin für Nachhaltigkeit. Foto: Klaus Ortgies
Jessica Zimmermann ist Feuerwehrfrau und Referentin für Nachhaltigkeit. Foto: Klaus Ortgies
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Jessica Zimmermann (29) arbeitet bei der Sparkasse und ist Feuerwehrfrau. Wie sich das kombinieren lässt und welche Unternehmen im Kreis Leer die Ehrenamtler unterstützen, haben wir zusammengestellt.

Leer - Ein Kundengespräch in der Sparkasse. Plötzlich piept es laut. Die Mitarbeiterin am Tisch springt auf und flitzt aus dem Raum. Ganz normal für Jessica Zimmermann. Die junge Holtlanderin ist Feuerwehrfrau. Und wenn ihre Hilfe gefragt ist, muss es schnell gehen. „Einige Kolleginnen und Kollegen kennen das schon von mir“, sagt die 29-Jährige. Sie ist Referentin für Nachhaltigkeit bei der Sparkasse Leer-Wittmund. Auch Externe hätten bis jetzt immer Verständnis gezeigt.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken aus, um Menschen zu helfen. Symbolfoto: Christoph Reichwein/dpa
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken aus, um Menschen zu helfen. Symbolfoto: Christoph Reichwein/dpa

„Die Feuerwehr war zuerst da“, sagt Zimmermann mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Sobald sie durfte, ist sie in die Kinder- und Jugendfeuerwehr eingetreten, dann in die aktive Wehr gewechselt. Fast 20 Jahre ist sie inzwischen dabei. Heute ist sie Schriftführerin auf Samtgemeinde-Ebene, macht die Kasse bei der Ortswehr. „Es ist ein Hobby, aber auch eine Leidenschaft“, sagt die junge Frau. Und für dieses gebe es Raum bei ihrem Arbeitgeber – „ohne Diskussionen“, sagt sie.

Rückhalt und Respekt sind wichtig

Wenn sie zu einem Einsatz müsse, könne sie oft im Laufe des Tages an den Arbeitsplatz zurückkehren. „Wenn es größere Einsätze sind, gebe ich ein Zeichen. Dann werden meine Termine auch mal verschoben. Meine Kollegen sind sehr toll, da ist das kein Thema“, sagt sie. Für einen Lehrgang sei sie freigestellt worden, habe keinen Urlaub nehmen müssen. „Das ist schon etwas Schönes, so einen Rückhalt zu haben“, sagt sie.

„Wir wollen alle Kolleginnen und Kollegen unterstützen, die dieses wichtige Ehrenamt ausführen“, bestätigt Sparkassen-Sprecher Carsten Mohr. Dass sich immer mehr Einsatzkräfte Beschimpfungen und Übergriffen gegenüber sehen, sei eine schlimme Entwicklung. „Sie helfen. Und sie verdienen Respekt und brauchen jede Unterstützung“, sagt Mohr. Wie viele Sparkassen-Mitarbeitende sich genau in der Feuerwehr engagieren, lasse sich nur schätzen.

Arbeit und Ehrenamt unter einen Hut kriegen: Wie geht das?

Es gibt einige Arbeitgeber, die sich besonders für die Feuerwehrleute in ihren Reihen stark machen. In diesem Jahr hat Kreisbrandmeister Ernst Berends erstmals die Florian-Auszeichnungen an Unternehmen im Landkreis Leer verliehen. Damit ehren der Feuerwehrverband Ostfriesland und die Landschaftliche Ostfriesische Brandkasse Betriebe und Institutionen, die sich für die Feuerwehren und deren ehrenamtliche Mitglieder einsetzen. Die ersten Preisträger im Landkreis sind: Döling Fittings, Hersteller von Rohrverbindungen in Neermoor, Kunststoffverarbeitung Kolthoff in Filsum, Baumaschinenhandel Werner Seemann in Ostrhauderfehn, die Sparkasse Leer-Wittmund sowie die Rettungsleitstelle Ems Vechte in Meppen.

In seiner Ansprache machte Ernst Berends deutlich, wie wichtig die Unterstützung der Arbeitgeber für die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren ist. „Die ausgezeichneten Betriebe sind leuchtende Beispiele dafür, wie gelebte Verantwortung und Gemeinschaftssinn zusammenkommen“, sagte der Kreisbrandmeister. Mit der Auswahl der Preisträger möchten die Stadt- und Gemeindewehren deren Bereitschaft würdigen, Feuerwehrangehörige im Einsatzfall oder bei Lehrgängen freizustellen – ein Beitrag, der „nicht hoch genug geschätzt werden kann“, so Berends. Florian-Auszeichnungen werden in Ostfriesland seit dem Jahr 2023 vergeben. Damit soll die Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Feuerwehr sichtbar gemacht und gefördert werden.

Ohne die Freiwilligen geht einfach nichts

Abgesehen von wenigen Berufswehren, wie der in Emden, wird die Gefahrenabwehr in der Region von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren übernommen. Sie retten, löschen, bergen und schützen – und das neben ihrer Arbeit. „Die Freiwilligen Feuerwehren leisten einen unbezahlbaren Dienst für die Allgemeinheit“, heißt es dazu in der Jahresbilanz 2024 „Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in Niedersachsen“ des niedersächsischen Innenministeriums.

Wenn Feuerwehrleute ausrücken, muss es schnell gehen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Wenn Feuerwehrleute ausrücken, muss es schnell gehen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

„Durch ihre Arbeit retten sie Leben und schützen Sachwerte. Sie stehen an 365 Tagen im Jahr bereit, um sofort nach Alarmierung in den Einsatz zu gehen – verbunden mit allen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die diese Dreifachbelastung durch Familie, Beruf und Ehrenamt mit sich bringt“, heißt es weiter. Apropos Familie: „Feuerwehr ist auch bei uns ein Familiending, kann man sagen“, meint Jessica Zimmermann. Der ältere Bruder war bei der Feuerwehr, ihre Schwester eine lange Zeit, „meinen Mann habe ich dort kennengelernt“, sagt sie und lacht.

Es gibt in Niedersachsen laut der Bilanz 2024 131.118 ehrenamtliche Einsatzkräfte in den Freiwilligen Feuerwehren. „Damit befinden sich die Mitgliederzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau.“ Der positive Trend des ständigen Anstiegs der Anzahl weiblicher Mitglieder bleibe erhalten. „So wuchs die Zahl weiblicher Mitglieder nochmals um 523 auf jetzt 19.898 (entspricht 15,2 Prozent).“ Eine davon ist Jessica Zimmermann. Und wenn ihr Handy piept, macht sie sich auf, um zu retten, löschen, bergen und zu schützen – und dann geht es wieder an den Schreibtisch.

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