Nürnberg  Jobchancen schlecht wie nie: Jetzt bloß kein Vermittlungsvorrang!

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 26.12.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Andrea Nahles warnt vor schlechten Jobchancen für Arbeitslose. Diese Bundesregierung wird das nicht ändern. Foto: dpa/SVEN SIMON
Andrea Nahles warnt vor schlechten Jobchancen für Arbeitslose. Diese Bundesregierung wird das nicht ändern. Foto: dpa/SVEN SIMON
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Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles schlägt Alarm: Noch nie war es so schwierig, in Deutschland einen Job zu finden. Das wird auch die Bürgergeldreform nicht ändern.

Eine frohe Botschaft zum Fest sieht anders aus. Laut Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, waren die Chancen für Arbeitslose, einen neuen Job zu finden, noch nie so schlecht. Wer im Moment arbeitslos ist, wird es also wahrscheinlich noch eine Weile bleiben. Daran werden auch die geplanten Reformen der Bundesregierung wenig ändern.

Die schwarz-rote Koalition versucht im Grunde, Arbeitslosen durch ein paar ausgesuchte Gemeinheiten beim Bürgergeld, wie einen verzögerten Inflationsausgleich und strengere Sanktionen, Feuer unter dem Hintern zu machen. Nur ignorieren die Koalitionäre dabei, dass den drei Millionen Arbeitslosen nur eine Million offene Stellen gegenüberstehen. Man muss wahrlich kein Volkswirt sein, um zu verstehen, dass die Rechnung der Politiker nicht aufgeht. Das Problem auf dem Arbeitsmarkt sind nicht faule Bürgergeld-Empfänger, sondern die längste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik.

Vor diesem Hintergrund wirkt eine geplante Reform der Bundesregierung besonders absurd: die Wiedereinführung des sogenannten „Vermittlungsvorrangs“, der mit der Einführung des Bürgergeldes abgeschafft worden war. Übersetzt: Hauptsache, der Arbeitslose bekommt einen Job zugeteilt. Weiterbildungen und Ähnliches wären dann zweitrangig. Fordern statt Fördern.

Der Haken: Mangels Abschluss, Ausbildung oder körperlicher und geistiger Gesundheit sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für die meisten Bürgergeld-Empfänger überschaubar. Laut Zahlen der Bertelsmann Stiftung sind von über fünf Millionen Bürgergeld-Empfängern nur rund 230.000 überhaupt arbeitsmarkttauglich. Also weniger als fünf Prozent.

Statt dem Niedriglohnsektor die Rekrutierungsarbeit abzunehmen, wäre es klüger, Langzeitarbeitslosen bessere Aussichten auf einen anständigen Job zu verschaffen. Etwa durch Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen, die neue Möglichkeiten eröffnen. Wenn das klappt, würde das den Betroffenen nachhaltig helfen und den öffentlichen Haushalten Milliarden sparen. Auch den trotz steigender Arbeitslosenzahlen oft beklagten Fachkräftemangel könnte man so zumindest ein wenig lindern. Zumindest würde das mehr bringen, als armen Menschen das Leben noch ein bisschen schwerer zu machen.

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