Osnabrück  Alle Tassen in der Vitrine: Osnabrückerin sammelt Glühweinbecher vom Weihnachtsmarkt

Noah Schnarre
|
Von Noah Schnarre
| 23.12.2025 17:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Angelika Selker aus Osnabrück hat sich eine beachtliche Sammlung zugelegt: Seit 1996 sammelt sie die Tassen vom Osnabrücker Weihnachtsmarkt. Foto: Noah Schnarre
Angelika Selker aus Osnabrück hat sich eine beachtliche Sammlung zugelegt: Seit 1996 sammelt sie die Tassen vom Osnabrücker Weihnachtsmarkt. Foto: Noah Schnarre
Artikel teilen:

Angelika Selka hat alle Tassen des Osnabrücker Weihnachtsmarkts im Schrank. Seit einigen Jahren stellt sie ihre beachtliche Sammlung in ihrer Wohnung aus – und das schon Ende Oktober. Nicht, weil sie schon dann auf Weihnachten hinfiebert, sondern aus Trauerbewältigung, wie sie sagt.

Meist findet man sie in Studenten-WGs, in der Regel neben Tassen der Uni-Mensa. Und wenn der Student dann nach einigen Semestern auszieht, werden sie an den nächsten Bewohner vererbt, als bleibende Konstante in rotem Porzellan oder milchigem Glas, ihrer eigentlichen Funktion längst enthoben: Statt mit Glühwein werden die Tassen des Osnabrücker Weihnachtsmarkts mit Kaffee und Tee befüllt, um die langen Nächte während der Prüfungsphase zu überstehen.

Für andere ist die Tasse vom Weihnachtsmarkt mit jährlich fortlaufender Jahreszahl und der Silhouette der historischen Altstadt ein nettes Mitbringsel oder eine Erinnerung an den Besuch in Osnabrück. So etwa für Angelika Selker. Der Gang über den Weihnachtsmarkt gehörte für die Osnabrückerin jahrzehntelang zur Vorweihnachtszeit dazu. Irgendwann fing sie an, Jahr für Jahr eine Tasse vom Glühweinstand mitzunehmen.

Über die Jahre ist so eine beachtliche Sammlung entstanden. Die meiste Zeit lagern sie im Keller, aber Ende Oktober holt Selker die Tassen heraus und stellt sie in ihrem Wohnzimmer in einer Vitrine aus – ein weihnachtlicher Schaukasten, der bis ins Jahr 1996 reicht.

Viel getan hat sich an dem Design der Tassen seitdem nicht, die Silhouette der Altstadt ist auch auf den neueren Modellen abgedruckt. „Diesen Wiedererkennungswert schätze ich sehr“, sagt Selker, für die die Tassen auch Kindheitserinnerungen wecken. „Als Kind war ich nach der Schule oft in der Altstadt unterwegs, meine Eltern betrieben damals die Tränke in der Hegerstraße. Daran erinnere ich mich gerne zurück.“

Wenn die Rentnerin ihre Tassensammlung fein säuberlich aufreiht, holt sie auch ihre restliche Weihnachtsdekoration nach oben, und das schon Ende Oktober. Warum schon so früh? „Damit ich so lange wie möglich Freude daran habe“, sagt sie schulterzuckend.

Mit Weihnachten habe das für sie nicht viel zu tun, sondern eher mit Trauerbewältigung: „Trauer darüber, dass die warmen Tage vorbei sind und mit den letzten Oktobertagen die Winterzeit anbricht. Das Dekorieren meiner Wohnung ist für mich ein Ritual, um damit klarzukommen“, schmunzelt sie.

Früher ging Selker gleich mehrere Male im Jahr über den Weihnachtsmarkt. Mittlerweile ist es ihr dafür meist zu voll. Mit ihren Enkeln dreht sie trotzdem jedes Jahr eine Runde mit dem Riesenrad. Auch das ist für sie zum Ritual geworden. Genauso wie der Stopp an der Glühweinbude, um sich eine Tasse für ihre Sammlung zu sichern. Dass Angelika Selker mit ihrer Sammelleidenschaft nicht alleine ist, lässt sich übrigens leicht belegen: Am letzten Wochenende des diesjährigen Weihnachtsmarkts waren die Tassen an manchen Glühweinbuden schon längst vergriffen.

Ähnliche Artikel