Oldenburg Weihnachten bei der Bundeswehr: Wenn Militärpfarrer im Auslandseinsatz sind
Weihnachtsmarkt auf dem Kasernengelände, Plätzchenbacken auf dem Schiff, Heimatgrüße im Radio: Soldaten im Auslandseinsatz haben ihre ganz eigenen Weihnachtsrituale. Militärpfarrer Stephan Bohlen sagt, wie er bei Soldaten im Ausland Weihnachtsstimmung aufkommen lassen kann.
Weihnachten ohne Familie, das ist für viele nur schwer vorstellbar. Für Soldaten im Einsatz ist eine Weihnachtszeit fernab der Heimat jedoch die Realität. So sind beispielsweise auf dem Tender „Elbe“, einem Versorgungsschiff der Bundeswehr, 80 Marine-Angehörige über die Feiertage bei einer Nato-Unterstützungsmission in der Ägäis. Auf der Fregatte „Sachsen-Anhalt“ ist es sogar eine etwa 150-köpfige Besatzung, die die Feiertage weit entfernt von ihrem Heimathafen Wilhelmshaven verbringt – als Teil der UN-Blauhelm-Mission im Libanon.
Doch längst nicht nur zu Wasser ist die Bundeswehr im Einsatz. Die angespannte sicherheitspolitische Lage in Europa macht sich auch an den Feiertagen bemerkbar, was für einige Soldaten ein Weihnachtsfest an der Nato-Ostflanke bedeutet. So befinden sich Eurofighter-Piloten aus dem ostfriesischen Wittmund in Rumänien.
Bei ihnen in diesen Tagen Stefan Bohlen aus Oldenburg. Der evangelische Militärpfarrer will dafür sorgen, dass Traditionen und Weihnachtsrituale ihren Platz finden. Für den Geistlichen ist es der erste Auslandseinsatz. „Es ist wichtig, dass die Militärseelsorge insgesamt, aber gerade an solchen wichtigen Feiertagen, die Möglichkeit bietet, dass sich die Herzen öffnen, dass Bilder entstehen, dass eine Verbindung zur Heimat und zu den Familien da ist“, sagt Bohlen. So könne ein bestimmtes Lied bereits viel bewirken – etwa wenn Erinnerungen an vergangene Weihnachten geweckt werden und Weihnachtsstimmung aufkäme.
Wie genau er die Weihnachtsfeiertage gestaltet, hängt von den Wünschen der Soldaten sowie der Situation vor Ort ab. Dem Militärpfarrer ist es wichtig, den Soldaten vor Ort gerecht zu werden. „Die Soldatinnen und Soldaten haben an der Ostflanke eine ganz wichtige und herausfordernde Aufgabe. Ich frage mich natürlich schon, ob ich in der Lage bin, das zu liefern, was die Menschen möchten. Also: Kann ich meine Arbeit so gut machen, wie sie gemacht werden muss und wie die Soldaten ihre Arbeit machen?“, so Bohlen.
Wie sich Weihnachten an der Nato-Ostflanke anfühlt, das weiß auch der katholische Militärpfarrer Bernd Heuermann, der die Feiertage im vergangenen Jahr bei den Bundeswehrsoldaten in Litauen verbracht hat: „normal“. „Die Bedrohungslage ist zwar da, aber es heißt jetzt nicht, dass das alltägliche Leben nicht auch normal stattfinden könnte“, so Heuermann. Dennoch war die Bedrohungslage ebenfalls Teil seiner Predigten. Auch in diesem Jahr verbringt er Weihnachten im Ausland: Seit Mitte Dezember ist Heuermann für alle deutschen Soldaten in Frankreich und Belgien als katholischer Militärpfarrer Ansprechpartner.
Kurz vor seiner Abreise nach Belgien hat Heuermann bei einer Messe in Oldenburg noch seine 35 Jahre Priesteramt sowie die Firmung von drei Soldaten gefeiert. „Was mich reizt und mir viel Freude bereitet, ist, die biblischen Texte so zu formulieren, dass die Soldaten sich angesprochen fühlen“, sagt der Militärpfarrer. Das sei etwas sehr Lohnenswertes für ihn als Seelsorger. „Aber ich merke, wie die Soldaten eben auch entsprechend gut zuhören, sich angesprochen fühlen.“
Auch an Bord der Marineschiffe stehen bei längeren Einsätzen Militärseelsorger als Ansprechpartner zur Verfügung. „Gottesdienste, Andachten, Gespräche etc. werden ausdrücklich unterstützt, insbesondere zu Festen wie Weihnachten“, so eine Sprecherin der Deutschen Marine.
Zu Weihnachten gehören bei der Bundeswehr aber nicht nur die Militärseelsorger, sondern ganz verschiedene Weihnachtsrituale und Besonderheiten: So gestaltet jeder Standort die Vor-/Weihnachtszeit individuell. Bei der 1. Panzerdivision in Oldenburg konnten die Soldaten sich bei einem eigenen kleinen Weihnachtsmarkt auf dem Kasernengelände im Oldenburger Stadtteil Bümmerstede auf die festliche Zeit einstimmen.
Und auch an Bord der Marineschiffe wird die weihnachtliche Stimmung innerhalb der Möglichkeiten gefördert, wie eine Sprecherin der Marine auf Anfrage mitteilt. So könnten die Marine-Angehörigen beispielsweise ihre Kammern schmücken. Und: „Auch wenn der Alltag an Bord weiterhin Dienst erfordert, wird die Verpflegung zu Weihnachten meist besonders gestaltet. In der Bordküche können die Smuts der Boote und Schiffe festliche Elemente in das reguläre Verpflegungsangebot einfließen lassen“, so die Sprecherin weiter.
In den sozialen Medien lässt sich zum Beispiel auf einem inoffiziellen Konto der Fregatte „Baden-Württemberg“ ein Video vom gemeinsamen Plätzchenbacken finden. Zudem haben die Kameraden an Bord laut der Marine-Sprecherin meist kleine Weihnachtsrituale, zu denen auch die Gespräche und der Austausch mit den Angehörigen in der Heimat häufig gehören würden. Für die Angehörigen zu Hause ist auch das Familienbetreuungszentrum ein Ansprechpartner.
Weihnachtsgrüße aus und in Einsatzgebiete können Soldaten und Angehörige auch per App versenden. So sorgt alljährlich auch Radio Andernach, der bundeswehrinterne Radiosender, für Verbundenheit über die Entfernung hinweg.