Osnabrück  „Ich bin da reingerutscht“ – und geblieben: So hilft Bernhard Lienesch Wohnungslosen in Osnabrück

Jil Liebschner
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Von Jil Liebschner
| 08.01.2026 06:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bernhard Lienesch engagiert sich seit Jahrzehnten nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich für die Wohnungslosenhilfe. Foto: Jil Liebschner
Bernhard Lienesch engagiert sich seit Jahrzehnten nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich für die Wohnungslosenhilfe. Foto: Jil Liebschner
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Als ehemaliger Sozialarbeiter engagiert sich Bernhard Lienesch bis heute ehrenamtlich für wohnungslose Menschen in Osnabrück. Auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für den Förderkreis kam ihm eine scheinbar simple, aber wirksame Idee: der Verkauf von Büchern.

Engagement, das über die Arbeit als Sozialarbeiter bei der Wohnungslosenhilfe hinausgeht. Genau das wollte Bernhard Lienesch mit der Gründung des „Förderkreises Wohnungslosenhilfe in Osnabrück“ erreichen. Mittlerweile ist er in Rente, sein Ehrenamt setzt er aber weiter fort und sammelt mit Büchermärkten und Bücherwagen Spenden für Menschen in Not.

„Ich bin da ein bisschen reingerutscht“, sagt Lienesch über seinen Einstieg in die Wohnungslosenhilfe. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr absolvierte er im Rahmen seines Studiums ein Praktikum beim katholischen Verein für soziale Dienste (SKM). „Da bin ich dann gelandet und nicht wieder losgekommen“, erzählt der Osnabrücker. Hauptberuflich arbeitete er viele Jahre als Sozialarbeiter, unter anderem im Laurentiushaus sowie in der ambulanten Wohnungslosenhilfe.

Sein ehrenamtliches Engagement begann aber bereits 1981 vor seiner Berufstätigkeit, als die Wärmestube im Franziskanerkloster gegründet wurde. Dort verbrachte er Nachmittage mit wohnungslosen Menschen. Es wurde gemeinsam gegessen und Doppelkopf gespielt. Berufsbedingt trat sein ehrenamtliches Engagement dann allerdings zeitweise in den Hintergrund, ganz losgelassen hat es ihn aber nie.

Nach einiger Zeit habe er gemerkt, dass ihm sein berufliches Engagement für wohnungslose Menschen allein nicht ausreicht. Den Anstoß gab letztendlich die wirtschaftlich schwierige Situation der 1990er-Jahre sowie ein Hirtenwort der Bischöfe zur Solidarität und Gerechtigkeit. Diese Ereignisse führten dazu, dass er 1998 gemeinsam mit Kollegen den Förderkreis der Wohnungslosenhilfe in Osnabrück gründete.

Irgendwann sollte dann an seinem Arbeitsplatz im Laurentiushaus eine Bücherei entstehen, weshalb zu Buchspenden aufgerufen wurde. Die Resonanz war so groß, dass es bald mehr Bücher als Leser gab. Eine zufällige Beobachtung in der Stadt legte dann den Grundstein für eines seiner größten Projekte: „Ich habe eine Aktion gesehen, bei der Bücher gegen Spenden angeboten wurden, und die Idee habe ich mit ins Team gebracht“, erinnert sich Lienesch zurück.

Daraus entwickelte sich der monatliche Büchermarkt auf dem Domvorplatz in Osnabrück. Das Konzept dahinter: Jeder zahlt das, was ihm das Buch wert ist. Mittlerweile sei der Buchbasar mit seinen 3000 bis 5000 Büchern für viele Osnabrücker ein fester Termin, besonders Sammler kommen regelmäßig vorbei.

Was als kleine Aktion begann, entwickelte sich schnell zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für die Wohnungslosenhilfe. Aus den vielen Spenden entstand ein Bücherlager, in dem Lienesch oft bis spät in die Nacht Bücher sortierte. Auch wenn viele Wochenenden dafür draufgingen, betont Lienesch: „Das war keine Last für mich, sondern auch eine gewisse Form der Befriedigung, dass wir so die Situation für Menschen in sozialen Schwierigkeiten wenigstens etwas verbessern konnten.“

Dabei ist ihm das ‚Wir‘ besonders wichtig, denn Mitarbeiter, Ehrenamtliche, Bewohner des Laurentiushauses und auch seine eigene Familie unterstützten seine Idee von Beginn an.

Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand blieb Lienesch aktiv. Aus gesundheitlichen Gründen hat er sich mittlerweile zwar aus der Organisation zurückgezogen, arbeitet heute aber weiter im Hintergrund. So berät er den Mitarbeiter im Bücherlager und ist bei den Büchermärkten fast immer dabei, denn kaum einer kennt das Bücher-Sortiment besser als er: „Wenn ich dann mit einem Griff das Buch hatte, war das Erstaunen groß“, erzählt er schmunzelnd.

Zusätzlich betreut Lienesch vier Ein-Euro-Bücherwagen, die an verschiedenen Standorten in Osnabrück aufgestellt sind. Wenn das Wetter es zulässt, befindet sich einer davon sogar direkt vor seiner Haustür. Gegen einen vorgeschlagenen Solidaritätsbeitrag von einem Euro können Passanten ein Buch mitnehmen. Lienesch sorgt für einen regelmäßigen Nachschub aus dem Bücherlager, leert die Spendendosen und bringt die Erlöse zur Bank.

Erfolg sei für ihn aber nicht nur die Zahl auf dem Konto, betont Lienesch. Besonders wichtig ist es ihm, dass die Einnahmen Menschen helfen, die sonst durchs Raster fallen würden. So kommen alle Einnahmen aus den Buchverkäufen dem Förderkreis der Wohnungslosenhilfe in Osnabrück zugute. Finanziert werden damit unter anderem Übernachtungen und warme Mahlzeiten für wohnungslose Menschen. Ein Teil fließt auch in die Finanzierung des Straßenmagazins abseits.

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