Osnabrück Zu warm für Glühwein? So haben die Schausteller den Osnabrücker Weihnachtsmarkt erlebt
Das letzte Wochenende des Osnabrücker Weihnachtsmarkts hat begonnen. Jetzt wird es noch einmal richtig voll, hoffen die Schausteller. Zeit für eine erste Bilanz: Wie haben die Beschicker die letzten vier Wochen zwischen Domhof und Marktplatz erlebt?
Der kleine Weihnachtsmann hat in den letzten vier Wochen viel gesehen. Seit dem 24. November fährt er mit seinem Schlitten auf dem dünnen Drahtseil über den Marktplatz in Osnabrück. Vor und zurück. Ein fast ewiger Kreislauf, der sich auch unter ihm vollzieht. Hier schieben sich die Menschen durch die engen Gassen vor den Buden des historischen Weihnachtsmarkts. Am Ende werden es wohl wieder etwas mehr als 800.000 Besucher gewesen sein, viele davon aus dem Umland oder von noch weiter weg angereist.
Ein paar Schritte noch, einige Entschuldigungen später, um freundlich aber bestimmt durch die Masse an Menschen zu kommen, dann steht man vor Bernd Kracke jun., dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands Weser-Ems. An seiner Bude am Markt verkauft er schon seit Jahren selbstgemachte Feuerzangenbowle. Wie haben er und seine Schausteller-Kollegen den Weihnachtsmarkt erlebt?
„Im Großen und Ganzen sind wir gut zufrieden“, sagt Kracke. Die Besucherzahlen lägen nach seiner Schätzung sogar etwas über den Vorjahren. Besonders aus den Niederlanden seien in diesem Jahr viele Menschen gekommen. „Das freut uns natürlich sehr, da scheint die Werbung der Stadt aufgegangen zu sein.“
Trotz der vielen Besucher sei der Umsatz an den Verkaufsständen aber um 8 bis 10 Prozent zurückgegangen. „Das Geld sitzt bei vielen nicht mehr ganz so locker“, vermutet Kracke, der trotzdem optimistisch und positiv auf die letzten Tage des Weihnachtsmarktes blickt. „Das besucherstärkste Wochenende liegt noch vor uns. Gut möglich, dass sich die Umsatzzahlen am Ende noch nach oben korrigieren“, so der Vorsitzende des Schaustellerverbands.
Zurück in die Menge, zurück in den Strom der sich aneinander vorbei quetschenden Menschen. Rüber zum Domplatz, an den Stand von Bernhard Jürgensmeier. Seit mehr als 40 Jahren ist er auf dem Weihnachtsmarkt mit seinem Stand im Windschatten des Doms zu finden. Früher hat er hier Gyros im Pita-Brot verkauft.
Heute bietet er Langos an, ungarisches Brot, in Öl frittiert und verschieden belegt. Umsatzeinbußen? Nein, die habe er nicht. „Liegt vielleicht auch daran, dass unser Produkt seit den letzten Jahren im Trend liegt“, sagt Jürgensmeier. Mit dem Verlauf des Weihnachtsmarkts ist er gut zufrieden. „Die Stimmung war friedlich und besinnlich, das Sicherheitskonzept ist voll eingeschlagen und gut umgesetzt worden, eine rundum gelungene Sache“, sagt Jürgensmeier.
Neben seinem Langos-Stand ragt das Riesenrad der Familie Cornelius in den Himmel. Familien, Kinder, Jugendliche stehen hier Schlange. Die Frau im Verkaufshäuschen hat gut zu tun, besser nicht stören, weitergehen, an den Glühweinstand von Jessica Cornelius zwei Buden weiter.
Das Riesenrad war auch in diesem Jahr gut besucht, erzählt sie. Wie sieht es bei den Getränken aus? „Da liegen wir im Vergleich mit den Vorjahren etwas zurück“, sagt Cornelius. Ihre Vermutung: „Für Glühwein und Kakao war es in diesem Jahr einfach zu warm.“ Beschweren will sie sich aber nicht, sie ist froh, dass das Wetter konstant war, dass es nicht geregnet hat, dass die Besucher freundlich und gut gelaunt an ihrer Bude stehen. Bis Montagabend, 22. Dezember, haben sie dafür noch Gelegenheit. Dann packt Jessica Cornelius zusammen, dann ist die diesjährige Saison für sie vorbei, dann bricht auch für sie die besinnliche Zeit des Jahres an – endlich!