Osnabrück  Medizinhochschule Osnabrück: Wie aus der Idee jetzt ein Studiengang wird

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 20.12.2025 07:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei einer Pressekonferenz stellten Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (r.) und Landrätin Anna Kebschull (l.) in diesem Sommer erstmals die Pläne zur Gründung der Medizinhochschule Osnabrück vor. Foto: Benjamin Beutler
Bei einer Pressekonferenz stellten Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (r.) und Landrätin Anna Kebschull (l.) in diesem Sommer erstmals die Pläne zur Gründung der Medizinhochschule Osnabrück vor. Foto: Benjamin Beutler
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Die Medizinhochschule Osnabrück geht in die nächste Phase: Ab 2026 startet die konkrete Projektentwicklung. Wie der Studiengang aufgebaut werden soll, wer das Projekt steuert – und welche Schritte bis 2027 noch nötig sind.

Der Aufbau der Medizinhochschule Osnabrück nimmt konkrete Formen an. Stadt und Landkreis Osnabrück treiben das Projekt gemeinsam voran, um spätestens zum Herbst 2027 mit einem eigenen Studiengang Humanmedizin zu starten. Ziel ist es, langfristig mehr Ärzte für die Region auszubilden und damit einen Beitrag zur Sicherung der medizinischen Versorgung zu leisten.

Der Aufbau des Studiengangs erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst geht es um die Vorbereitung. In dieser Phase werden das Studienkonzept erarbeitet, die notwendigen Studien- und Prüfungsordnungen erstellt und die Unterlagen für die staatliche Zulassung vorbereitet.

Zum geplanten Start im Wintersemester 2027 sollen zunächst 50 Studierende aufgenommen werden. Danach soll die Hochschule Jahr für Jahr weiter wachsen. Mit jeder neuen Studierendengruppe werden auch Personal, Lehrangebote und Räumlichkeiten erweitert. Am Ende dieses Prozesses soll die private Medizinische Hochschule Osnabrück (HMO) ihre volle Größe erreicht haben. Dann sollen rund 500 Studierende in Osnabrück Medizin studieren. Der laufende Betrieb soll ab diesem Zeitpunkt ohne weitere kommunale Unterstützung auskommen und sich im Wesentlichen über Studiengebühren tragen.

Bevor der Studienbetrieb beginnen kann, sind formale Genehmigungen erforderlich. Dazu gehört vor allem die staatliche Anerkennung der Hochschule und die Zulassung des Studiengangs durch das Land Niedersachsen. Diese Schritte sollen im Rahmen der laufenden Projektentwicklung vorbereitet werden.

Vorgesehen ist, eng mit den zuständigen Landesbehörden zusammenzuarbeiten und alle notwendigen Antragsunterlagen zu erstellen. Auch die inhaltlichen Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Begutachtung, wie sie bei neuen medizinischen Hochschulen üblich ist, sollen in dieser Phase geschaffen werden.

Die organisatorische Umsetzung liegt beim „Innovationscentrum Osnabrück“ (ICO). Gesellschafter sind Stadt und Landkreis Osnabrück zu gleichen Teilen. Das ICO übernimmt in der Anfangsphase die Projektsteuerung und koordiniert die weiteren Schritte.

Aktuell läuft ein europaweites Ausschreibungsverfahren für externe Beratungs- und Projektmanagementleistungen. Der beauftragte Dienstleister soll ab dem Frühjahr 2026 ein tragfähiges Gesamtkonzept für die Hochschule entwickeln und den Aufbau bis zum Start des Lehrbetriebs begleiten.

Zusätzlich wird die Projektarbeit personell verstärkt. Zum 1. Januar 2026 soll beim ICO eine Vollzeitstelle für einen Projektmanager besetzt werden. Die Stelle ist für die Aufbauphase bis Ende 2027 befristet.

Der Projektmanager soll die einzelnen Bausteine des Projekts koordinieren, Abstimmungen organisieren, den Zeitplan im Blick behalten und regelmäßig über den Fortschritt berichten. Er ist die zentrale Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik, externem Dienstleister und den beteiligten Partnern.

Politisch begleitet wird das Projekt durch eine Steuerungsgruppe beim ICO. Sie besteht aus Vertretern von Stadt und Landkreis und berät die wichtigsten Entscheidungen zur Ausgestaltung, Finanzierung und Organisation des Vorhabens. Außerdem nimmt sie regelmäßig Berichte entgegen, behält Projektfortschritt und Finanzen im Blick und gibt Empfehlungen an den Aufsichtsrat.

Für die Projektentwicklung stellen Landkreis und Stadt Osnabrück noch im Jahr 2025 jeweils 400.000 Euro bereit. Entsprechende Beschlüsse wurden im Kreistag und im Stadtrat gefasst. Durch diese Einzahlungen in die Kapitalrücklage der ICO GmbH ist sichergestellt, dass bereits Anfang 2026 notwendige Finanzierungen für die Projektentwicklung vorgenommen werden können.

Im weiteren Verlauf ist vorgesehen, dass Ende 2026 jeweils 450.000 Euro für das Wirtschaftsjahr 2027 eingezahlt werden. Für das Wirtschaftsjahr 2028 sollen Ende 2027 jeweils weitere 300.000 Euro folgen. Die notwendigen Mittel für die kommenden Jahre sollen in die jeweilige Haushaltsplanung von Stadt und Landkreis aufgenommen werden.

Insgesamt kalkulieren Stadt und Landkreis für die Aufbau- und Anlaufphase der Medizinhochschule mit einem Finanzbedarf von zehn Millionen Euro.

Für den Aufbau des Studiengangs ist die enge Zusammenarbeit mit den Kliniken in der Region vorgesehen. Diese haben in Gesprächen ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, sich an der Ausbildung zu beteiligen – insbesondere bei Pflichtpraktika und im Praktischen Jahr.

Bis die ersten Absolventen als ausgebildete Fachärzte in der ärztlichen Versorgung ankommen, wird es noch mehr als ein Jahrzehnt dauern. Parallel setzt der Landkreis weiterhin auf bestehende Förderprogramme. Dazu zählen Zuschüsse für Praxisgründungen und Niederlassungen sowie ein Stipendienprogramm für Medizinstudierende im europäischen Ausland, die sich später zu einer Tätigkeit im Landkreis verpflichten.

Mit der Besetzung der Projektmanagerstelle zum Jahresbeginn 2026 und der Vergabe der externen Projektentwicklungsleistungen im Frühjahr beginnt die entscheidende Phase des Projekts. In dieser Zeit sollen auch die Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung geschaffen werden. Ziel bleibt, dass im Herbst 2027 die ersten Medizinstudierenden ihr Studium in Osnabrück aufnehmen.

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