Madrid  Ein Glücksspiel der Superlative: Was macht die Weihnachtslotterie „El Gordo“ so besonders?

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 20.12.2025 10:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei ihrer Weihnachtslotterie machen die Spanier keine halben Sachen: Nicht nur die Gewinne sind riesig, sondern auch die Lostrommel. Foto: Imago/alterphotos
Bei ihrer Weihnachtslotterie machen die Spanier keine halben Sachen: Nicht nur die Gewinne sind riesig, sondern auch die Lostrommel. Foto: Imago/alterphotos
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Die spanische Weihnachtslotterie ist jedes Jahr ein Mega-Event, das ganze Volk ist auf den Beinen. Klar, lassen sich doch satte Gewinne einsacken. Wie ein Glücksspiel ein ganzes Land auf Trab hält.

Vor der Madrider Lotterie-Annahmestelle „Doña Manolita“ stehen die Menschen bereits im Morgengrauen Schlange. Thermobecher in der Hand, Handys im Anschlag, Hoffnung im Blick. Es ist ein Ritual, das sich in Spanien jedes Jahr in der Adventszeit wiederholt – und 2025 erreicht es noch einmal eine neue Dimension: Spaniens weltberühmte Weihnachtslotterie verteilt diesmal rund 2,8 Milliarden Euro an Gewinnen. Bei der Ziehung am 22. Dezember fällt der Geldregen kurz vor Heiligabend reichhaltiger aus als je zuvor.

Die seit 1812 existierende Weihnachtsziehung gilt als die größte Lotterie der Welt – nicht wegen eines einzelnen Mega-Jackpots, sondern wegen der Vielzahl an Gewinnen und Losanteilen. Insgesamt sind 100.000 fünfstellige Nummern im Umlauf, die in 198 Serien aufgeteilt und dann wiederum in Zehntellose (décimos) gestückelt werden. Insgesamt werden somit dieses Jahr 198 Millionen Losscheine vertrieben, die im offiziellen Handel jeweils 20 Euro kosten.

Der dicke Hauptgewinn, auf Spanisch „El Gordo”, liegt bei 400.000 Euro pro Zehntellos. Allerdings gehen bei allen Gewinnen vor der Auszahlung von 40.000 Euro noch 20 Prozent Glücksspielsteuer ab. Weil jede Losnummer durch die Stückelung in Serien und Zehntellose genau 1980 Mal existiert und viele Lose unter Freunden, Kollegen und Verwandten geteilt werden, gibt es oftmals Tausende von Hauptgewinnern. Neben der dicken Hauptprämie werden Millionen kleinere Gewinne verteilt. 

„Weihnachten beginnt in Spanien schon am 22. Dezember“, lautet ein altes geflügeltes Sprichwort im Land. Neu ist in diesem Jahr jedoch vor allem eines: die schiere Menge an Losnummern und damit auch die Höhe der ausgeschütteten Gewinnsumme. Fünf Losserien mehr als im Vorjahr hat die staatliche Lotteriegesellschaft aufgelegt – eine Reaktion auf die steigende Nachfrage. 

Der Absatzboom erklärt sich einerseits durch Spaniens starkes Bevölkerungswachstum: Jedes Jahr kommen – vor allem wegen der starken Zuwanderung aus Lateinamerika – eine halbe Million Einwohner hinzu.

Aber auch die steigenden Touristenzahlen kurbeln den Lottoverkauf an: Bis Ende 2025 werden knapp 100 Millionen internationale Urlauber das Land besucht haben – und nicht wenige nehmen als kleines Souvenir eines der Glückslose mit nach Hause. Ein Grund, warum der Losverkauf schon im Sommer beginnt.  

Dass die Ziehung selbst ein nationales Spektakel ist, trägt zur spanischen Lottohysterie bei. Millionen verfolgen die stundenlange Zeremonie am 22. Dezember live im Fernsehen, wenn das Land ins Teatro Real, das königliche Opernhaus in Madrid, blickt. Dort drehen sich die großen Lostrommeln, während Schüler der Schule San Ildefonso, eines früheren Waisen- und Armeninternats, singend die Gewinnzahlen verkünden.

Für nicht in Spanien lebende Lottospieler, kann ein Gewinn allerdings schnell zur bürokratischen Herausforderung werden. Liegt die Prämie unter 2000 Euro, lässt sie sich in der Regel problemlos einlösen: Wer sein Zehntellos online gekauft hat, kann kleinere Beträge meist auch online ausgezahlt bekommen. Wer jedoch das Los während des Spanienurlaubs vor Ort erstanden hat, muss den Gewinn bei einer offiziellen Lottoannahmestelle abholen. 

Bei Preisen über 2000 Euro wird es schwieriger: Die Auszahlung erfolgt dann ausschließlich über die spanischen Geldinstitute CaixaBank und BBVA. Bei diesen benötigt man ein Bankkonto. Wer keines besitzt, muss es eigens eröffnen. Für die Kontoeröffnung braucht man allerdings als Nicht-Spanier auch noch die spanische Ausländer-Identifikationsnummer NIE, die zuvor beantragt werden muss. Der Betrag muss dann spätestens bis zum 23. März 2026 abgeholt werden, sonst fließt das Geld in die Staatskasse. 

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