Zürich Die verlorenen Töchter – wenn Eltern die Transidentität ihres Kindes anzweifeln
Sagt ein Jugendlicher, er fühle sich im falschen Körper, so wird ihm geglaubt. Gendermediziner und Psychologen unterstützen ihn dabei. Viele Eltern aber sprechen von sozialer Ansteckung. Sie fühlen sich übergangen und klagen an.
Glückliche Geschichten von Jugendlichen, die sich als trans identifizieren und geschlechtsangleichende Maßnahmen ergreifen, kennen vor allem eine Erzählung. Kommen Eltern darin vor, so werden sie mit den Worten zitiert: „Bis jetzt hatten wir eine Tochter. Jetzt haben wir einen Sohn, den wir genauso gernhaben.“
Das Leiden von Eltern, die die Transidentität ihres Kindes anzweifeln, die für sie plötzlich kommt, die sie schockiert und überfordert und die sie auch deshalb hinterfragen, weil sie ihr Kind besser kennen als jeder andere – davon hört man in den Medien wenig. Sie sagen Sätze wie: „Es ist, als sei uns ein Kind abhandengekommen.“
Der affirmative Ansatz beim Umgang mit der Genderdysphorie interessiert sich in erster Linie für das subjektive Empfinden des jungen Menschen, der sich im falschen Körper fühlt. Eltern kommt dabei die Rolle zu, möglichst unterstützend zu sein und zum Wohl des Kindes selbst einen Prozess zu durchlaufen.
Es gibt Eltern, denen gelingt das. Andere lassen sich darauf ein, weil sie die Beziehung erhalten wollen. Jede Skepsis könnte das Kind als grundsätzliches Infragestellen seiner Person empfinden, wodurch es ihm noch schlechter ginge. Dies geben die Genderfachleute den Eltern zu bedenken, wenn sie deren Widerstand spüren.
So erzählen es die Frauen und Männer, die sich an einem Freitagabend in Zürich treffen. Alle paar Wochen tauschen sie sich über ihre Erfahrungen als Eltern eines Kindes aus, das sich im Teenageralter für sie völlig überraschend als trans geoutet hat. Die Kinder sind heute um die zwanzig. Alle befinden sich in der Transition.
Der Körper hat sich also schon so verändert, dass die tiefe Stimme, der Bartwuchs, die Entfernung der Brüste bleiben werden – auch dann, wenn sie zu ihrem biologischen Geschlecht zurückkehren möchten. Von den zehn Anwesenden haben alle eine Tochter, die ein Junge sein will. Dies bestätigt einen bemerkenswerten Trend der letzten Jahre: Inzwischen suchen überproportional viele Mädchen mit einer sogenannten Genderdysphorie fachliche Hilfe, laut Studien um 80 Prozent.
Noch etwas fällt auf: Die Mütter und Väter sprechen ausnahmslos von „meiner Tochter“. Zu Hause haben sie sich den Wünschen angepasst, vermeiden Pronomen, manchmal gibt es einen geschlechtsneutralen Übernamen, mit dem sich Eltern und Kind arrangieren können. Die Kinder wissen auch nicht, dass ihre Mutter oder ihr Vater, weil sie die Situation dermaßen belastet, heute Abend hier sind. „Für meine Tochter wäre dies ein erneuter Beweis, dass ich transphob bin“, sagt eine Mutter.
„Transphob“: Sie hören es nicht nur von ihren Kindern, sondern auch Ärzte und Psychologen würden ihnen unterstellen, sie hätten grundsätzlich etwas gegen Transgender. Genauso das linke Milieu, in dem sich einige der Anwesenden bewegen. Deshalb möchten sie an dieser Stelle nicht namentlich genannt werden.
Die Selbsthilfegruppe wird vom „Verein für einen angemessenen Umgang mit Fragen zum Geschlecht bei jungen Menschen“ (AMQG/AUFG) organisiert, der 2021 in Genf gegründet wurde und heute auch in der Deutschschweiz vertreten ist. Auf der Website heißt es, der Verein unterstütze die Rechte von Erwachsenen mit einer Transidentität uneingeschränkt: „Seine Bedenken betreffen nicht die Transidentität im Allgemeinen, sondern das erstmalige Auftreten des Gefühls der Unzulänglichkeit mit dem eigenen Geschlecht im Jugendalter.“
So fordert der Verein eine gründlichere Abklärung von Jugendlichen, bevor die Diagnose gestellt und mit der medizinischen Behandlung begonnen werde, „ohne ideologischen oder politischen Druck zu schaffen“. Es brauche mehr objektive wissenschaftliche Forschung, und dieses evidenzbasierte Wissen müsse Fachleuten, der Öffentlichkeit und Politikern zugänglich gemacht werden. Der Verein ist international vernetzt, um gemeinsam für die Anliegen von Eltern zu kämpfen.
Die meisten Teilnehmer der Gesprächsgruppe sagen nicht, dass es Transgender nicht gebe. Aber sie sind überzeugt, dass ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Geschlecht in der Pubertät andere Ursachen haben kann, zumal wenn nichts auf eine Transidentität hingewiesen habe in der Kindheit und frühen Jugend. Demnach könnte das Gefühl, im falschen Körper geboren worden zu sein, genauso schnell wieder verschwinden, würde man die vollständige Entwicklung zum Erwachsenen abwarten.
Im Englischen gibt es dafür den Begriff Rapid Onset Gender Dysphoria (ROGD), plötzliche Genderdysphorie. Die amerikanische Ärztin Lisa Littman hat als eine der Ersten ROGD erforscht und die These geäußert, dass der Einfluss von Social Media oder Freunden wesentlich sei, wenn Heranwachsende ihr Geschlecht ändern wollten. Dies würde auf die Möglichkeit einer „sozialen Ansteckung“ hindeuten.
Die Trans-Gemeinschaft protestierte und warf Littman und ihrer „transphoben“ Studie vor, die Rechte und die Akzeptanz von Transmenschen zu gefährden. Auf Wunsch des Verlags musste sie den Fachartikel über ihre ROGD-Untersuchung abändern. Littman spricht von Zensur innerhalb der Genderforschung. Eine offizielle Diagnose ist ROGD nicht.
Lori Meier leitet die Selbsthilfegruppe und ist selber betroffene Mutter. Eigentlich heißt sie anders. In mehreren Gesprächen erzählt sie ihre Geschichte. Wichtig ist ihr, zu betonen: Man sei keine christliche Vereinigung. Unter den Anwesenden seien Akademiker und Arbeiter, oftmals kenne man nicht einmal die politische Haltung voneinander.
Meier und ihr Mann sind SP-Wähler und beide im Sozialbereich tätig. Ihre Tochter habe in der Kindheit nie den Wunsch geäußert, ein Junge zu sein, sagt sie. Sie hätten das Mädchen auch in keine stereotype Rolle gedrängt. Sondern ihm und seinem Bruder vorgelebt, wie man sich als Paar Erziehung und Haushalt teilt.
Das Kind habe, seit es sprechen konnte, gerne Nein gesagt. Lange Trotzphasen. Es durchlebte eine schwierige Pubertät, äußerte Suizidgedanken, wurde in der Schule gemobbt, wie Meier erzählt. Dann kam Corona. Verbannung ins Haus, stundenlang im Internet. Im Herbst 2020 eröffnete die 15-Jährige ihren Eltern, dass sie nonbinär sei.
Ab sofort wollte sie mit einem neutralen Vornamen, aber mit männlichen Pronomen angesprochen werden. „Ihr Mädchenname Alexandra galt jetzt als sogenannter Deadname“, sagt Meier. „Sie hat uns verboten, ihn auszusprechen.“ Sie haben sich auf die Abkürzung Alex geeinigt (Name geändert).
Während ihr Mann offener war, kostete es Meier große Überwindung, sich den Wünschen anzupassen. Alex begann sich nun über ihren Körper, vor allem die schnell wachsenden Brüste zu beschweren. Für Meier ist klar: „Sie will keine Frau werden. Sie will ein Kind bleiben.“ Dies sehe man bis heute an Alex’ Zimmer, das noch immer wie ein Mädchenzimmer aussehe. Sie zeigt ein Foto. Ein Durcheinander von Plüschtieren, Hello-Kitty-Poster, an einer Wand die Regenbogenfahne.
Nach der Pandemie ging es Alex schlechter. Es folgte eine Zeit in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Zürich (KJPP). Dort sprachen Ärzte und Mitarbeitende Alex als „Alexander“ an. „Ich saß daneben und war schockiert“, sagt Meier. Sie kam sich dumm und ahnungslos vor.
Dennoch meldeten sie Alex für die Gendersprechstunde in der KJPP an. Man riet den Eltern, die soziale Transition mit den neuen Namen und männlichen Pronomen zu unterstützen. Es sei ein Ausprobieren, das sich jederzeit abbrechen ließe, habe die Therapeutin gesagt. Wobei die wenigsten Jugendlichen ihren Entscheid rückgängig machten.
Heute ist Alex 20 Jahre alt und nimmt seit über zwei Jahren Testosteron. Das männliche Hormon habe ihr Kind stark verändert, sagt Meier. Alex leide an Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Kopfweh und Übelkeit. Haarausfall, tiefere Stimme, unreine Haut. Gewichtszunahme. Muskelschmerzen, Bauchkrämpfe ohne Menstruation. Die Schultern wurden breiter, Hals und Hüften dicker, Doppelkinn. Alex sei ungepflegt, lasse sich gehen, treibe keinen Sport mehr.
Meier zeigt zwei weitere Fotos auf ihrem Handy. Auf dem ersten Bild sieht man ein Mädchen mit langen Locken in einem Kleid. Auf dem zweiten Bild sind die Gesichtszüge weniger definiert, kurze Haare, der Körper im T-Shirt wirkt schwerfällig.
Während der sozialen Transition in der Klinik lernte Alex einen Transjungen kennen, die beiden sind nun ein Paar und bezeichnen sich als „gay“. Meier nennt die Beziehung toxisch. Die beiden seien fixiert auf ihre Gebrechen und kultivierten ihre sozialen Ängste. Bei Alex wurden auch Depressionen und ADHS diagnostiziert, sie nimmt Antidepressiva, geht in Therapie. Alex glaubt, auch auf dem Autismus-Spektrum zu sein und am Tourette-Syndrom zu leiden, das sich in körperlichen und sprachlichen Tics äußert. Hinterfrage man dies, reagiere sie aggressiv.
Dem Frieden zuliebe wird Alex’ Weg in der Familie weitgehend tabuisiert. „Es ist ein Eiertanz, wir reden nicht mehr frei aus Angst, unser Kind zu verlieren“, sagt Meier. Kurz vor dem 18. Geburtstag zog Alex überstürzt aus, drohte mit Kontaktabbruch. Der Grund: Sie wollte am Universitätsspital Zürich (USZ) mit der Testosteronbehandlung beginnen. Die Eltern hinterfragten den Schritt und intervenierten.
Wieder ging ihnen alles zu schnell. „Vor dem 25. Lebensjahr ist die emotionale und kognitive Entwicklung nicht abgeschlossen“, sagt Meier. „Meine Tochter glaubt, der Geschlechtswechsel löse all ihre Probleme. Die Ärzte helfen ihr dabei, ohne die Turbulenzen der Adoleszenz und ihre psychischen Erkrankungen in den Behandlungsfahrplan mit einzubeziehen.“ Schließlich gaben die Eltern auf und gingen eine „Scheinkooperation“ ein, so Meier. „Wir hatten keine Energie mehr.“
Die Situation belastete auch ihre Ehe. Lange sagte sie ihrem Mann nichts von ihrer Ohnmacht und Verzweiflung. Lag sie denn nicht falsch? Machte nicht bereits ein laut geäußerter Zweifel ihr Kind noch suizidaler, wie es ihr von den Fachleuten vermittelt wurde? Als sie sich entschloss, in der Deutschschweiz eine Selbsthilfegruppe zu gründen, weihte sie ihren Mann nicht ein. „Wir redeten sonst immer über alles. Nun war es, als würde ich ihn hintergehen.“ Heute kämpft er an ihrer Seite.
Es sei eine Schwere über die Familie gekommen, sagt Meier. Die Trauer, als sie zu Alex’ Geburtstag eine Karte bastelte, pro Jahr ein Foto seit der Geburt. Wie sie es beim Bruder gemacht habe, der so angepasst sei und still leide. Die Handtücher, auf denen „Alexandra“ gestickt ist, und die Namen-Anhänger für die Weihnachtsgeschenke hat sie weggeräumt.
Da ist die ständige Angst, dass Alex ihnen eröffnen könnte, sich die Brüste amputieren zu lassen, wie es ihr Trans-Freund mit 18 getan hat. Oder Geschlecht und Name im Pass zu ändern. Immerhin hat es Alex ins dritte Lehrjahr geschafft, wenn auch unter Anstrengung.
Meier erhebt Vorwürfe gegen die behandelnden Ärzte und Psychologen. Die auf Transgender spezialisierten Fachleute seien eng vernetzt und überwiesen sich die Patienten gegenseitig. Wie alle Eltern in der Selbsthilfegruppe fühlt sie sich als Mutter übergangen. Schon bei Minderjährigen zähle nur die Selbstdiagnose.
Es stört sie, dass die Eltern nie einen schriftlichen Bericht der Diagnosestellung erhielten, die so schnell erfolge. „Schon in der ersten Sitzung ist von Pubertätsblockern die Rede, es gibt keinen Raum für Zweifel. Man schaut nicht, ob eine Depression vielleicht ganz andere Ursachen hat.“ Stelle man Fragen, werde man belehrt, mit dem Hinweis auf die Suizidgefahr.
Tatsächlich sind gemäß neueren Studien über 50 Prozent der Jugendlichen, die sich als trans identifizieren, suizidal. Viele von ihnen bleiben es auch nach der Transition. Schon die soziale Transition sei nicht harmlos, wie Eltern suggeriert werde, sondern der erste Schritt zur medizinischen Transition, kritisiert Meier. „90 Prozent der Jugendlichen gehen danach weiter und nehmen gegengeschlechtliche Hormone ein.“
Von der Redaktion mit den Vorwürfen konfrontiert, schreibt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Zürich: Die KJPP kläre jeden einzelnen Fall umfassend ab, wenn nötig, würden Ethiker beigezogen. Bei psychischen Begleitstörungen erfolge eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung.
Die Eltern würden von Anfang an mit einbezogen und über Risiken aufgeklärt, auch über das Risiko, „falls die Behandlung hinausgeschoben wird“. Eine Behandlung erfolge erst, wenn der Leidensdruck sehr hoch sei und die Geschlechtsidentität „seit vielen Jahren stabil“.
Kurz vor ihrem 18. Geburtstag suchte Alex gegen den Willen ihrer Eltern die Gendersprechstunde des USZ auf. Nach zwei Gesprächsterminen bei einer Psychologin wurde der Termin beim Endokrinologen für die Hormonabgabe organisiert, ohne dass der Leitende Psychiater Alex persönlich sah oder man Informationen bei Alex’ Psychotherapeutin eingeholt hätte. Die Eltern beschwerten sich bei der Klinikdirektion, mit einer Kopie an die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich. Der Redaktion liegt das Schreiben vor, wie auch der Antwortbrief des USZ.
In der Antwort heißt es unter anderem, dass bei Alex eine Störung der Geschlechtsidentität diagnostiziert wurde, wie sie bereits festgestellt wurde, als sie mit 15 in der KJPP war. Dass sie als Kind keine Symptome einer Geschlechtsdysphorie gezeigt habe, komme häufig vor. Alex sei als urteilsfähig eingestuft worden. Man sei sich der Unsicherheit und der Sorgen von Eltern in einer solchen Situation bewusst und bedaure die familiären Spannungen. Das Wohl der behandelten Person stehe im Vordergrund.
Auf Anfrage der Redaktion dazu, wie solche Fälle abgeklärt werden, schreibt das USZ: Es gehe darum, die Urteilsfähigkeit volljähriger Personen zu beurteilen, die psychosoziale Stabilität zu evaluieren und das Leiden durch die erlebte Dysphorie einzuschätzen. Vor einer medizinischen Behandlung gebe es „eine mehrfache ärztliche Beurteilung durch verschiedene Fachrichtungen“. Bei jungen Erwachsenen beziehe man die Eltern möglichst ein, sofern eine Schweigepflichtentbindung vorliege.
Die Gespräche mit den Verantwortlichen beruhigten Meier und ihren Mann nicht. In ihren Augen fehlt Alex die Reife, um abschätzen zu können, was ihr Entscheid für ihr zukünftiges Leben bedeutet.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich betroffene Eltern gerade jetzt Gehör verschaffen. Beim Thema Transgender ist ein kultureller Wandel spürbar. Ein umfangreicher Untersuchungsbericht des britischen Gesundheitssystems NHS kam 2024 zu dem Schluss, dass die wissenschaftliche Grundlage für medizinische Behandlungen bei Minderjährigen dürftig sei. Schon ein Jahr zuvor wurde die auf Trans-Jugendliche spezialisierte Tavistock-Klinik in London wegen Mängeln geschlossen.
Immer mehr Länder verbieten Pubertätsblocker, die Kindern mehr Bedenkzeit geben sollen. In der Schweiz wird über ein Verbot von geschlechtsangleichenden Operationen für Minderjährige auf nationaler Ebene diskutiert. So fordert es die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP).
Für die Frauen und Männer in der Selbsthilfegruppe ändert dies nichts an ihrer Situation. Hört man sie von ihren Kindern reden, so entsteht der Eindruck von suchenden, mit sich selbst ringenden jungen Menschen. Neben der Genderdysphorie haben alle weitere psychiatrische Diagnosen, viele leiden an ADHS oder Autismus.
Eine Mutter erzählt, wie ihre Tochter, die immer sehr mädchenhaft war, in der Pubertät in eine Anorexie glitt. Bald beginnt sie mit Testosteron. „Ich spüre bei ihr bis heute keine männliche Energie“, sagt die Frau. „Würde ich das tun, könnte ich ihren Entscheid besser akzeptieren.“ Es sei ihr egal, wen die Tochter liebe, ob sie lesbisch sei. „Ich könnte auch damit leben, wenn sie sich als nonbinär definiert.“ Was ihr zu schaffen mache, sei die Vorstellung, dass sie ihren Körper verstümmle.
Man dürfe mit 16 noch nicht abstimmen, nicht Auto fahren, keinen Alkohol trinken – „man darf aber mit der Transbehandlung anfangen“, sagt ein Vater.
Es kommt viel Wut zum Ausdruck an diesem Abend, auch auf die Kinder, die sich in ihrem Leiden so wichtig nähmen. Eine Mutter: „Als sie lesbisch war, wurde sie auf dem Pausenplatz gemobbt. Doch seit sie trans ist, ist sie jemand.“
Eine Mutter sagt: „Sie bei dem Namen zu nennen, den sie ausgewählt hat, fällt mir noch am leichtesten. Aber ich kann mich nicht daran gewöhnen, ‚er‘ oder ‚mein Sohn‘ zu sagen.“ Sie würde sich selbst verraten, stimmt ihr eine andere Mutter bei, die zu ihrer Tochter seit einem Jahr keinen Kontakt mehr hat. Eine dritte sagt: Werde sie gefragt, ob sie Kinder habe, sage sie: „Ja, einen Sohn und ein Kind.“
Sie gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich ihr Kind anders besinne und wieder glücklich und gesund werde, sagt Lori Meier. Manchmal google sie zum Stichwort „Detransition“, also zu dem Vorgang, wenn jemand die Geschlechtsangleichung rückgängig macht.
Auf diesen Seiten erfährt sie, was zu tun ist, um die bleibenden Folgen des Testosterons abzumildern. So wachsen die Haare oft nicht vollständig nach, nachdem das Testosteron abgesetzt wurde. Wenn Meier dann liest, dass es Haarwuchsmittel gibt oder man eine Haartransplantation machen kann, klammert sie sich für einen Moment daran fest.
Dieser Text erschien zuerst in der „Neuen Zürcher Zeitung“.