Berlin Lars Klingbeil lobt „kräftiges Signal für echten Frieden in der Ukraine“
Soll Deutschland Soldaten zur Friedenssicherung in die Ukraine schicken, wenn die Waffen schweigen? Das sagt SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil im Gespräch mit unserer Redaktion zu den Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges.
Der Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil hat die Ukraine-Beratungen in Berlin gelobt, sich aber zurückhaltend zur Frage nach deutschen Soldaten zur Friedenssicherung geäußert.
„Wir sollten nicht den fünften Schritt vor dem ersten machen, sondern die Debatte führen, wenn sie wirklich ansteht“, sagte Klingbeil im Gespräch mit unserer Redaktion zur Frage, ob sich Deutschland an einer Friedenstruppe beteiligen werde. „Klar ist: Deutschland wird immer seiner Verantwortung gerecht werden. Wir sind schon heute der größte Unterstützer der Ukraine“, sagte er.
„Wir Europäer, die USA und die Ukraine haben Putin mit dem Treffen in Berlin ein kräftiges Signal für einen echten und nachhaltigen Frieden gesendet. Es ist gelungen, eine gemeinsame Strategie festzulegen. Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, einen gemeinsamen Weg zu gehen und dass wir sehr eng zusammenstehen“, lobte der SPD-Chef das Ergebnis des Berliner Ukraine-Gipfels. Die Gespräche hätten gezeigt, dass es keine Entscheidungen über die Köpfe der Ukrainer und der Europäer hinweg geben könne. „Alles Weitere werden wir in den kommenden Wochen konkretisieren müssen, wenn wir dem Frieden hoffentlich näherkommen.“
Entscheidend sei jetzt, ob sich Putin bewege. „Er ist derjenige, der diesen Krieg begonnen hat und diesen Krieg sofort beenden kann. Er ist derjenige, der die Verantwortung für das tägliche Sterben trägt. Der Ball liegt jetzt bei ihm“, sagte Klingbeil und ergänzte: „Ich habe weiterhin große Zweifel daran, ob Putin Frieden will. Er führt diesen Krieg weiter mit unfassbarer Brutalität gegen die ukrainische Bevölkerung. Putin verfolgt Großmachtsfantasien.“ Trotzdem sei es richtig, jeden Versuch für Friedensverhandlungen zu machen.
Klingbeil unterstützte überdies den Plan, eingefrorenes russisches Vermögen zur Finanzierung der Ukraine-Hilfe zu nutzen, über den ab Donnerstag auf dem EU-Gipfel in Brüssel entschieden werden soll und für den sich Kanzler Friedrich Merz starkmacht.
„Es ist wichtig, dass wir die Unterstützung der Ukraine über die nächsten Jahre finanziell sicherstellen. Und es gibt den großen Wunsch der meisten Europäer, die eingefrorenen russischen Vermögen stärker zu nutzen“, sagte der Vizekanzler. „Dafür suchen wir nach den richtigen Wegen und beraten darüber sehr intensiv. Es muss am Ende klar sein, dass Russland als Aggressor Reparationsleistungen zu zahlen hat und finanzielle Verantwortung übernehmen muss. Putin wird für die Zerstörung durch seinen Krieg bezahlen müssen.“