Hamburg So retten Migranten den Boomern die Rente
Bereits 2035 wird in Deutschland ein Viertel der Bevölkerung 67 Jahre und älter sein. Der Versichertenbericht der Deutschen Rentenversicherung zeigt jetzt, wie vor allem Migranten das Rentensystem trotz demografischen Wandels stabilisieren.
Immer wieder wird darüber diskutiert, welche Auswirkungen Migration auf das deutsche Sozialsystem und die Rente hat. Der Versichertenbericht der Deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2024 belegt nun: Die Boomer-Generation profitiert massiv von den vielen neuen Beitragszahlern. Wie Migranten Rentenbeiträge stabil halten und Erhöhungen sogar fördern.
Bereits 2035 wird laut Angaben des Statistischen Bundesamts jeder Vierte in Deutschland im Rentenalter sein. Die Babyboomer-Generation befindet sich bereits jetzt mitten im Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand.
Das ist das zentrale Problem, mit dem die gesetzliche Rentenversicherung konfrontiert ist. Auf die geburtenstarken Jahrgänge folgen deutlich kleinere Jahrgänge, was die Last auf die verbleibenden Beitragszahler erhöht.
Gleichzeitig stieg der Anteil der Beitragszahler mit ausländischer Staatsbürgerschaft in den vergangenen Jahren sukzessive weiter an. Während im Jahr 2004 laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung noch etwa 8,3 Prozent der Beitragszahler eine ausländische Staatsbürgerschaft besaßen, lag dieser Wert 2022 bereits bei 20,3 Prozent.
Gearbeitet haben etwa sechs Millionen mit ausländischer Staatsbürgerschaft – das sind etwa 18 Prozent aller Beschäftigten. Zuwachs kam vor allem über die Ukraine und den Westbalkan. So konnten Ausländer laut dem Bericht der Deutschen Rentenversicherung den Wegfall der Boomer nicht nur ausgleichen.
„Die Zunahme ausländischer Beschäftigter hat den demografisch bedingten Rückgang der Zahl deutscher Beschäftigter im Jahr 2022 mehr als ausgeglichen und somit insgesamt zu einem Wachstum der Beschäftigung geführt“, heißt es dort. Ohne Zuwanderung wäre die Entwicklung in die andere Richtung gegangen.
Auch für die Zukunft deutet der Bericht positive Auswirkungen der Migration auf das Rentensystem an. Es wird damit gerechnet, dass kontinuierliche Migration das Verhältnis von Zahlern und Empfängern verbessert, sodass Beitragssätze langsamer steigen. Zusammengefasst bedeutet diese sperrige Aussage: Ohne Migration würden Rentenbeiträge schneller steigen, als mit.
Neben den Auswirkungen auf den Anstieg der Rentenbeiträge hat Migration durch den Zuwachs an Beschäftigten noch einen zweiten positiven Effekt auf die Rente, denn: Die Anzahl der Beitragszahler beeinflusst im Verhältnis zur Anzahl der Rentner auch, wie hoch die Rente jedes Jahr steigt. Das wird durch den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor bestimmt: Wenn immer weniger Beitragszahler auf einen Rentner kommen, steigen die Renten langsamer.
Durch den migrantischen Zuwachs der Beitragszahler wurde jedoch genau dieser Effekt gedämpft, sodass die Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre niedriger gewesen wären, wenn es die zahlreichen Beschäftigten aus dem Ausland nicht gegeben hätte. So haben vor allem Boomer von der Migration profitiert.
Auch der bisherige Stand des Versichertenberichts 2025 zeigt: Die positiven Effekte der Migration auf das deutsche Rentensystem haben Bestand. Die Zahl der aktiv Versicherten stieg 2023 auf 40,11 Millionen, wobei der Anstieg der ausländischen Versicherten (+435.000) den demografiebedingten Rückgang der deutschen Versicherten (-239.000) mehr als kompensierte.
Allein bei den ukrainischen Staatsbürgern kam es zu einer Zunahme von 87.000 aktiv Versicherten im Vergleich zum Vorjahr. Aufgrund der jungen Altersstruktur vieler Zuwanderer gehen die Verfasser des Berichts zudem davon aus, dass Migration auch mittelfristig eine bedeutende Rolle bei der Stabilisierung des Rentensystems spielen wird.