Förderung  Leeraner Stadtrat debattiert über Kunstrasenplatz

Jonas Bothe
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Von Jonas Bothe
| 12.12.2025 19:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bekommt die Stadt Leer einen Kunstrasenplatz? Das hängt von Fördermitteln ab. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Bekommt die Stadt Leer einen Kunstrasenplatz? Das hängt von Fördermitteln ab. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Soll die Stadt Leer Fördermittel für einen Kunstrasenplatz beantragen? Wie in anderen Kommunen wurde darüber jetzt diskutiert. Am Ende war der Beschluss eindeutig.

Leer - 333 Millionen Euro für die Sanierung und Modernisierung von Sporthallen und -plätzen. So viel stellt die Bundesregierung in einem Fördertopf zur Verfügung, der im Oktober vorgestellt wurde. Zu 75 Prozent könnten die Projekte gefördert werden, wenn es den Zuschlag gibt. Bis zum 15. Januar 2026 müssen Kommunen ihr Interesse bekunden. Die Zeit drängt also. Deswegen hat der Leeraner Stadtrat am Donnerstag, 11. Dezember 2025, einen entsprechenden Beschluss gefasst. Vorausgegangen war eine teilweise überraschende Debatte, denn in den Ausschüssen zuvor herrschte eigentlich weitestgehend Einigkeit.

Was wird vorgeschlagen?

Einmal geht es um die Umwandlung des Rasenplatzes des SV Borussia Leer in einen Kunstrasenplatz. Die Fußballvereine der Stadt haben sich mit der Verwaltung auf diesen Platz geeinigt. Der Kunstrasenplatz war Ausgangspunkt der ganzen Diskussion. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro. Die Förderung würde somit etwa 975.000 Euro betragen.

Darüber hinaus verfügt die Stadt Leer über vier Sporthallen, die sowohl für den Schul- als auch für den Vereinssport genutzt werden. Nur bei einer von diesen, der Halle der Hoheellernschule, gibt es nach einer Sanierung vor rund sechs Jahren aktuell keinen akuten Sanierungsbedarf, schreibt die Stadt. Bei der Daalerschule, der Eichenwallschule und der Ludgerischule sieht das anders aus. Diese drei Sporthallen von 1975, 1976 und 1980 haben einen Sanierungsbedarf und sollen ins Rennen um die Fördergelder geschickt werden. Die Kosten liegen bei rund 4,5 Millionen Euro (Ludgeri- und Daalerschule) und rund 4,4 Millionen Euro für die Eichenwallschule. Eine Umfrage bei den Vereinen habe ergeben, dass außerdem für die Halle des Vereines Fortuna Logabirum ein Antrag auf Fördergelder eingereicht werden soll, wie die Verwaltung mitteilte. Die Kosten hier liegen bei 335.000 Euro.

Was sagt die Leeraner Politik?

„Für uns ist klar, dass die Sanierung der Turnhallen allererste Priorität hat“, betonte Bruno Schachner, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Diese seien sanierungsbedürftig. 12 Millionen Euro müssten ausgegeben werden. Sowohl die Schulen als auch die Vereine würden davon profitieren. „Das Bundesprogramm ist ein Lotterietopf“, so Schachner. Keiner wisse, was dabei rauskomme. „Die Möglichkeiten, die ein Kunstrasenplatz bietet, sind im Vergleich doch sehr eingeschränkt“, kritisierte er. Dennoch müsste die Stadt Hunderttausende Euros. aufbringen. „Wir reden hier nur von den finanziellen Problemen und nicht von den Folgen für das Klima“, sagte er – und verwies auf die Umweltbelastung durch einen Kunstrasenplatz. Daher forderten die Grünen, den Kunstrasenplatz aus dem Antrag rauszunehmen. „Wir wissen, dass das die Sportvereine nicht gerne hören“, betonte Schachner.

Von den anderen Fraktionen gab es hingegen deutlichen Widerspruch. „Seit 14 Jahren höre ich das Verlangen der Sportvereine, dass wir einen Kunstrasenplatz brauchen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Ulf-Fabian Heinrichsdorff. Jetzt habe man die Möglichkeit auf eine 75-prozentige Förderung. „Es ist ein Geschenk“, betonte er. Die Vereine leisteten eine wichtige Arbeit für Integration und den sozialen Zusammenhalt. Für ihn gehörten die Sanierung der Sporthallen und der Kunstrasenplatz zusammen.

Der Ball rollt an einigen Orten in Ostfriesland über Kunstrasen. In Leer noch nicht. Foto: Klaus Ortgies
Der Ball rollt an einigen Orten in Ostfriesland über Kunstrasen. In Leer noch nicht. Foto: Klaus Ortgies

Heinz Dieter Schmidt, Vorsitzender der Gruppe SPD/Stevens-Kimpel, wies darauf hin, dass kein zusätzlicher Platz geschaffen werde. „Dass die Vereine sich so schnell einig geworden sind und zusammenarbeiten, zeigt doch wie wichtig das Thema ist.“ Der Kunstrasenplatz verursache auch nicht mehr Kosten als ein Rasenplatz. Außerdem sei der Ursprung des Förderantrags der Wunsch nach dem Kunstrasenplatz gewesen. „Dank der Verwaltung, die aufgepasst hat, wurden auch die Sporthallen mit aufgenommen“.

Sven Albert (FDP) zeigte sich überrascht über den Vorschlag der Grünen. „Dieser Beitrag kommt sehr spontan.“ Er sprach sich dafür aus, sowohl für die Sporthallen als auch für den Kunstrasenplatz einen Antrag zu stellen. „Der Kunstrasenplatz schafft auch Kapazitäten im Schulsport, weil er ganzjährig bespielbar ist“, betonte er. Am Ende wurde der Änderungsvorschlag der Grünen von allen anderen Ratsmitgliedern abgelehnt und der Vorschlag der Verwaltung bei sechs Enthaltungen (Grüne und Ursula Stevens-Kimpel) angenommen. Ferhat Özdemir (Grüne), Thomas Bruns und Gerd Lübbers (beide CDU) durften sich als Sportvereinsvorsitzende nicht an der Debatte und der Abstimmung beteiligen.

Wie sieht es in anderen Kommunen im Kreis Leer aus?

In der Gemeinde Moormerland haben mehrere Sportvereine ebenfalls Interesse an einem Kunstrasenplatz, den sie gemeinsam nutzen wollen. Aus Kostengründen war dieses Projekt jedoch vor etwa fünf Jahren zurückgestellt worden. In der letzten Sitzung des Jahres hat der Gemeinderat bei vier Gegenstimmen (Grüne) beschlossen, dass die Verwaltung im Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ eine Projektskizze einreichen und gegebenenfalls einen Förderantrag stellen soll. Das Spielfeld von Fortuna Veenhusen ist in einem schlechten Zustand. Im Zuge einer Sanierung soll nicht nur ein Kunstrasenplatz gebaut werden, sondern auch eine neue Beleuchtung.

Auch die Gemeinde Rhauderfehn wird einen Antrag auf Förderung für einen Kunstrasenplatz stellen. Der Rat hat dem mit großer Mehrheit zugestimmt. Gebaut werden soll der Platz mit Leichtathletikanlage am Schulstandort an der Werftstraße.

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