Osnabrück Uli Taffertshofer, wie schlägt man Barcelona – und vielleicht bald Atlético Madrid?
Der Ex-Osnabrücker Ulrich Taffertshofer verdient seit 2024 sein Geld im spanischen Fußball. Mit seinem Club Atlético Baleares auf Mallorca trifft er in der spanischen Copa del Rey bald auf Atlético Madrid – und hat mitunter Großes hinter sich. Ein Erfahrungsbericht der vergangenen Wochen und Jahre.
Zwischen einer Pokal-Sensation und der möglichen nächsten ist für Ulrich „Uli“ Taffertshofer erst mal alles wie immer. Der Ex-Kicker des VfL Osnabrück, mittlerweile für Atlético Baleares auf Mallorca aktiv, hat gerade sein Töchterchen am Kindergarten abgesetzt. Jetzt, auf den letzten Kilometern zum Trainingszentrum, steht er Rede und Antwort zu dem, was da eine Woche zuvor passiert ist.
„Auf jeden Fall ein Ding, wenn man als Viertligist einen Erstligisten raushaut“, beschreibt Taffertshofer den Erfolg seines Teams in der zweiten Runde der Copa del Rey gegen Espanyol Barcelona, Fünfter der Primera División (erste spanische Liga). 1:0 gewann Taffertshofers Atlético gegen Espanyol. „War auch nicht unverdient“, versichert Taffertshofer. Er muss es wissen, stand er doch über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. Das vorläufige sportliche Highlight Taffertshofers auf der Insel.
Im Sommer 2024 schloss sich Taffertshofer den Mallorquinern an, nachdem er – nach seinem Abschied vom VfL 2022 – sein Glück erst in Aue und dann in Lübeck gesucht hatte. Ob er es nun auf Mallorca gefunden hat? Zumindest: „Läuft soweit“, sagt der Oberbayer gewohnt zünftig. „Sportlich ist es top. Naja, eigentlich noch nicht top, weil wir noch nicht Erster sind, aber wir sind gut in der Spur. Basst scho.“
Im vergangenen Jahr verpasste Baleares den Aufstieg aus der Segunda Federación knapp, in der (laut Taffertshofer) in etwa auf deutschem Regionalliga-Niveau gekickt wird. „Unser Team könnte wohl auch unten in der 3. Liga mitspielen, auch die zweite Mannschaft des FC Barcelona spielt bei uns in der Liga und hat enorme Qualität. Aber du hast auch Teams wie Andratx dabei, die nur abends auf Kunstrasen trainieren.“
Mit Baleares, aktuell Zweiter mit 27 Punkten aus vierzehn Spielen, hat Taffertshofer in dieser Spielzeit noch kein Spiel verpasst. Für diese Info muss man ein bisschen graben nach belastbaren Daten aus der vierten spanischen Liga. Taffertshofer schafft Abhilfe, empfiehlt eine verlässliche Plattform als Quelle. Nach einem Ulrich Taffertshofer sucht man in der Kaderliste von Baleares dann zwar wiederum vergebens. Einen ‚Sheriff‘ findet man allerdings sofort. Taffertshofers bürgerlicher Name ist im Spielerprofil, auch auf der offiziellen Seite des spanischen Fußballverbandes, kein Witz, nur eine Ergänzung.
Auch der Trikotflock hat sich geändert, der Spitzname ist seit der Abreise aus Osnabrück aber ebenso gleich geblieben wie der Spieler selbst. „Klar: Mit meiner Position im Zentrum und mit meiner Spielweise habe ich immer schon versucht, die jeweilige Truppe anzuführen und zu lenken“, sagt Taffertshofer. Das tut er auf Spanisch, „das ist schon ganz ordentlich“, sagt der Leader. „Ab und zu hilft mir mein Französisch von damals aus der Schule.“
Womöglich auch neulich gegen Espanyol. „Gegen so eine Mannschaft ist eine kompakte Defensive und Struktur schon entscheidend“, weiß der ‚Sheriff‘. Es wird schon in der nächsten Runde womöglich noch entscheidender, wenn Baleares, als einzig verbleibender Viertligist im Turnier, keinen Geringeren als Atlético Madrid empfängt (Mittwoch, 17. Dezember, 19 Uhr). Der elfmalige spanische Meister, zehnmalige Pokalsieger und aktuelle Champions-League-Teilnehmer, trainiert von Diego Simeone, hat einen geschätzten Gesamtmarktwert von 623 Millionen Euro. Etwa 230-mal so hoch wie der von Baleares.
„Ich sag mal so: Wenn du spielst, willst du gewinnen“, bringt Taffertshofer die Marschroute auf den Punkt. „Aber wahrscheinlich musst du da noch mal weiter über die Schmerzgrenze hinausgehen und brauchst noch mehr Glück.“ Er wisse natürlich nicht, „mit welcher Truppe“ die Madrilenen anreisen werden. Dass Taffertshofer als Teil des Defensivkollektivs es aber mit Offensiv-Künstlern wie den Weltmeistern Julián Alvarez (Argentinien) und Antoine Griezmann (Frankreich) zu tun bekommen könnte, lässt ihn vorerst kalt. „Aber ich freue mich einfach viel mehr drauf, als dass ich mich besonders darauf vorbereite. Ein bisschen kennt man die Spieler ja aus dem Fernsehen, wobei ich auch nicht jedes Spiel von Atlético gucke.“
Anders übrigens verhält sich das im Hause Taffertshofer mit dem VfL. „Ich schaue mir mindestens die Highlights an nach jedem Spieltag“, berichtet der ‚Sheriff‘, dem besonders „die stabile Defensive“ gut gefällt. „Ist ja Wahnsinn, wie wenig Gegentore sie bekommen – Verl mal ausgenommen. Eine beachtliche Leistung. Der VfL steht sehr solide da, das verfolge ich schon aus der Ferne.“
Ab und zu kommen Taffertshofer auch VfL-Fans bei Spielen von Baleares besuchen. „Das freut mich immer sehr.“ Zwar wisse er noch nicht, ob er zum nahenden Weihnachten mal wieder in Osnabrück vorbeischaue, sagt Taffertshofer. „Aber wenn es so sein sollte, dann kann es gut sein, dass ich mal wieder im Schmalen (Handtuch, d. Red.) vorbeischaue.“ Mögliche Pokalsensationen wollen womöglich gefeiert werden.