Potshausen  Eine ungewöhnliche Prämie hilft beim Kampf gegen Nutria

Hans Passmann
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Von Hans Passmann
| 12.12.2025 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Unter den wachsamen Augen von Geschäftsführer Meino Kroon (links) zählen Johanne von Scharrel-Bruns (rechts) und Folma Rademacher (Mitte) die abgegebenen Nutria-Schwänze im Bauhof des Leda-Jümme-Verbandes in Potshausen. Foto: Hans Passmann
Unter den wachsamen Augen von Geschäftsführer Meino Kroon (links) zählen Johanne von Scharrel-Bruns (rechts) und Folma Rademacher (Mitte) die abgegebenen Nutria-Schwänze im Bauhof des Leda-Jümme-Verbandes in Potshausen. Foto: Hans Passmann
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Im Bauhof von Potshausen werden Nutria-Schwänze gezählt und prämiert – ein ungewöhnliches Bild, das viel über die Herausforderungen im Deichschutz verrät. Was steckt hinter der Aktion?

Potshausen - Nutria sehen wie possierliche Nager aus, doch die Tiere aus Südamerika bedrohen hiesige Lebensräume und stellen ein Problem für den Deichschutz dar. Durch die intensive Bejagung in den Revieren der Jäger wird die sogenannte invasive Art zwar kurz gehalten, dennoch vermehren sich die Tiere weiter und gefährden die heimische Fauna und Flora. Neben dem Waschbären gehören vor allem Nutria und Bisam zu den Problemarten. Sie verursachen durch ihre Bautätigkeit erhebliche Schäden an Ufern und Dämmen und richten sogenannte Fraßschäden in landwirtschaftlichen Kulturen sowie Naturschutzgebieten an.

Nutria vermehren sich rasant und bedrohen Deiche

Bereits im zweiten Lebensjahr sind die Weibchen geschlechtsreif. Gerade in milden Wintern finden die Tiere problemlos Nahrung. Ein Paar kann dann für bis zu 30 Nachkommen sorgen. Im Gebiet des Leda-Jümme-Verbandes Leer ist die Nutria weit verbreitet. „An Ufern, Dämmen und Deichen bereitet sie der Behörde große Probleme. Es muss etwas getan werden. Darüber war sich auch das Land Niedersachsen einig und führte vor Jahren eine sogenannte Schwanzprämie ein. Das heißt, jeder Jäger, der Nutrias erlegt, erhält für die Abgabe der Tierschwänze eine Geldprämie. Im Leda-Jümme-Gebiet, das von Barßel über Saterland und Ammerland bis nach Leer reicht, beträgt diese immer acht Euro pro Schwanz. Das ist ein Anreiz für die Jäger, denn nur sie dürfen die Tiere erlegen, da die Nutria zum jagdbaren Wild gehört“, sagt der Geschäftsführer des Leda-Jümme-Verbandes, Meino Kroon. Anders als bei Wildschäden sind Jäger für Nutria-Schäden nicht haftbar.

Einmal zum Ende des Jahres können die Jäger die gesammelten Schwänze beim Verband abgeben. Das war in dieser Woche wieder auf dem Bauhof des Verbandes am Dieksweg in Potshausen der Fall. Insgesamt wurden 1790 Nutriaschwänze abgegeben, im zurückliegenden Jahr 2024 waren es 1171. Daneben wurden auch 2259 Bisamschwänze durch die Bisamfänger abgegeben, so Kroon. An der Tür zum Bauhof herrschte reger Betrieb. Immer wieder kamen Nutriajäger und gaben die Schwänze der getöteten Tiere ab. Die Schwänze wurden von den beiden Mitarbeiterinnen der Landwirtschaftskammer Weser-Ems, Folma Rademacher (zuständig für die Bisambekämpfung) und Johanne von Scharrel-Bruns (zuständig für die Nutriabejagung), gezählt und anschließend vorschriftsmäßig entsorgt.

Statistik zeigt: Nutria breiten sich weiter aus

„Unsere Statistik zeigt, dass die Nutria immer noch stark in unserem Gebiet vertreten ist“, so Meino Kroon. Die Statistik zeige aber auch, dass die Vermehrung von 2019 mit 1686 Tieren wieder zugenommen habe, sagt der zukünftige Geschäftsführer des Leda-Jümme-Verbandes, Ralf Kolter. Mit Ende des Jahres geht Meino Kroon in den Ruhestand, sodass die jetzige Schwanzabgabe eine seiner letzten Amtshandlungen war.

„Sicherlich führt die Fangprämie zur Eindämmung der Population. Doch nach wie vor muss die Nutria stark bejagt werden, um Schäden an unseren Deichen zu verhindern. Eines mögen Nutria allerdings gar nicht: harte Winter mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Doch die haben wir leider nicht mehr so häufig“, sagt Kolter. Das heiße jedoch nicht, dass jeder Bürger sich mit dem Töten von Nutrias ein Taschengeld hinzuverdienen könne. Einen Jagdschein müsse man schon haben, sagt Kolter. Auch die Jägerschaften rufen ihre Mitglieder immer wieder auf, die Tiere zu erlegen. Es werden aber auch Lebendfallen zur Verfügung gestellt.

Nutrias gelten als ungefährlich, solange man sie nicht belästigt. In vielen Gewässern fühlen sich die Tiere seit Jahren wohl. Natürliche Feinde haben sie nicht.

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