Osnabrück Fördermittel sonst in Gefahr: Planer erklären, warum sich Kosten für das Lokviertel verdoppeln
Die Sorge um Fördermittel zwingen zum Umplanen bei der äußeren Erschließung des Lokviertels in Osnabrück. Die Kosten steigen von 10,7 Millionen Euro auf 24,7 Millionen. Wie reagierte die Politik auf die Erklärung von Planern und Stadtverwaltung?
In Sachen Lokviertel gab es kurz vor Weihnachten keine frohe Botschaft für die Stadtpolitik: Statt 10,7 Millionen soll die äußere Erschließung im Süden und Westen des neuen Osnabrücker Stadtteils 24,7 Millionen kosten. Allein der Durchstich Frankenstraße, ein kleiner Tunnel durch den Bahndamm, steigt inklusive Drumherum von 8 auf 20 Millionen Euro.
Die Politik war nicht begeistert. Ärger gab es parteiübergreifend darüber, dass die Verwaltung nicht schon vor ein paar Monaten „einen deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl“ (Heiko Panzer, SPD) gegeben hat.
Kurz vor der Mega-Ratssitzung am Dienstag (9. Dezember 2025), wo die Politik die Kosten final durchwinken soll, stellten sich im Stadtentwicklungsausschuss die zuständigen Planer und die Verwaltung den Fragen der Politik. Kurz gesagt lautete die Botschaft von Heiko Tilebein vom Ingenieurbüro Tilebein und Eckhard Altevogt vom Planungsbüro Hahm: Es ist so viel teurer geworden, weil umgeplant werden musste, sonst wären nämlich Fördermittel in Gefahr.
Im September bekam die Stadt Nachricht vom Land, wie die Verwaltung auf Anfrage unserer Redaktion erklärte. Ja, das Projekt sei „grundsätzlich förderfähig“ nach dem niedersächsischen Gemeindefinanzierungsgesetz. Dessen Ziel ist die „Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden“. Das heißt: Nur, wenn das Projekt verkehrswichtige Straßen und Radwege in Osnabrück besser macht und nicht nur Anlieger- und Erschießungsstraßen, fließen Fördergelder. Die Post vom Land sei mit Verbesserungshinweisen gekommen, die die Neuplanung nun nötig gemacht hätten.
Hauptsächlich, aber nicht nur, beim Durchstich Frankenstraße. Eckhard Altevogt erklärte es so: Nicht der Mini-Tunnel als solcher sei förderfähig, sondern erst seine Eigenschaft, eine Verbindung über die Hannoversche und die Buersche Straße herzustellen, schaffe „die Besonderheit, dass man überhaupt in den Genuss einer Förderung kommt“.
Dafür müssten aber auch alle Verkehre durchfahren können, er brauche eine Höhe von 4,50 Meter. Weil aber das Grundwasser zu hoch sei an der Stelle, ginge das nur mittels eines wasserdichten Trogs unter der Straße. Drei nur etwas günstigere Alternativ-Troge stellten Tilebein und Altevogt dazu vor, wovon einer von der Deutschen Bahn nicht gewünscht sei und zwei weitere für Radfahrer und Fußgänger zu Umwegen oder Gefahr geführt hätten.
Wie Stadtbaurat Thimo Weitemeier erklärte, soll mit dem Projekt Lokviertel nun auch der innere Wallring entlastet werden, indem Verkehre über die neue Frankenstraße Richtung Hannoversche und Mindener Straße gelenkt werden.
Doch bislang wäre zum Beispiel die Frankenstraße zwischen Wasa- und Neulandstraße gar nicht für die Aufnahme von mehr Verkehr geeignet. Fahr- und Radfahrstreifen seien nicht breit genug, auch ein Trennstreifen zum ruhenden Verkehr fehle laut Stadtverwaltung.
Kurzum: Sowohl im Süden im Bereich des Durchstichs als auch im Südwesten müsste mehr Straße als gedacht umgebaggert werden. Damit sie fit wird für den Verkehr und die gemeinsame Mission, die Gunst der Fördermittelgeber zu gewinnen.
Insgesamt hofft die Stadt auf einen Zuschuss von 11,2 Millionen Euro für vier insgesamt 20,4 Millionen Euro teure Projekte: den Durchstich, den Neubau des Kreisels, die leicht östlich verlegte Frankenstraße und die Kreuzung Niedersachsenstraße/Hamburger Straße.
Vor der Umplanung rechnete man mit Kosten in Höhe von 10,7 Millionen Euro, wovon 4,5 Millionen als Landeszuschuss angedacht waren. Würde man annehmen, dass es für die alte Variante keine Fördermittel gebe, käme die mit 10,7 Millionen die Stadt teurer zu stehen, als die neue Variante mit Fördermittel, die dann 9,2 Millionen kosten würde. „Rechnen wir das raus, wäre es sogar ein schlechteres Geschäft für die Stadt“, sagte Thimo Weitemeier, als Oliver Hasskamp von der FDP im Stadtentwicklungsausschuss fragte, ob man den Durchstich nicht statt 4,50 Meter einfach niedriger und günstiger machen könne.
Ansonsten gab es von den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses nur Lob für Planung und Stadtverwaltung, der Vortrag und die Argumente hatten sie überzeugt. Vergessen war die Kritik, dass man gerne früher Bescheid gewusst hätte. „Dass Baupreise sich erhöhen, kann passieren. Es ist sensationell, was hier geplant wird“, sagte Sven Schoppenhorst (CDU). Und sicherte zu, mit dem Rest seiner Fraktion ins Gespräch gehen und mit dem neu erlangten Wissen die Wogen bis zur Ratssitzung am Dienstag glätten zu wollen.