Osnabrück Warum gibt es eigentlich kein Bier auf dem Weihnachtsmarkt in Osnabrück?
Dass es kein Bier auf Hawaii gibt, ist erwiesenermaßen falsch. Richtig ist aber, dass es kein Bier auf dem Weihnachtsmarkt in Osnabrück gibt. Der Grund: Es ist nicht erlaubt.
Die Bratwurst schmeckt so deftig, mit Senf wird sie sogar noch würziger. Womit den Durst stillen? Fragt man auf dem Weihnachtsmarkt nach einem kühlen Bier, lautet die Antwort: „Nein.“
Auf manch anderen Weihnachtsmärkten in Deutschland gehört der Gerstensaft allerdings durchaus zum Angebot. In Fulda etwa waren im milden Winter 2020 kühles Bier und kühle Limos gefragter als heißer Glühwein. Eine winterliche Variante des Gerstensafts, das Glühbier, gibt es auf den Weihnachtsmärkte in München, Bad Dürkheim und Frankfurt in unterschiedlichen Variationen.
Es habe von verschiedenen Schaustellern in Osnabrück die Anregung gegeben, auch in Osnabrück Bier anzubieten, sagt Bernhard Kracke, Vorsitzender des Schaustellerverbands Weser-Ems. „Es gibt auch Besucher, die ab und zu nach Bier fragen“, sagt Kracke, der auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein und Feuerzangenbowle verkauft. Seine Antwort auf die Frage nach einem kühlen Pils sei stets: „Die Altstadtwirte verkaufen Bier.“
Das sei ein Win-Win-Effekt, findet Kracke: „Der Weihnachtsmarkt lockt viele Menschen an. Und wenn dort Feierabend ist, können die Leute in die Altstadt gehen.“ Jeder solle sein Geld verdienen und damit kämen alle Beteiligten auch gut klar, sagt Kracke. Außerdem gelte es, die Tradition des Weihnachtsmarkts zu erhalten. „Er soll keine Partyzone sein, sondern gemütlich. Dazu gehört ein Heißgetränk, aber nicht Glühbier.“
Das sieht Ulf Sander ähnlich. Er verkauft neben Glühwein und Punsch auch Bratwürste, zu denen ein Helles gut passen würde. „Es wird auch nachgefragt“, sagt er. Sander hat beobachtet, dass sich viele Menschen, die über den Weihnachtsmarkt schlendern, ihr eigenes Dosen- oder Flaschenbier mitbringen. „Rucksacktouristen“ nennt er sie.
So gut wie Bratwurst und Bier zusammenpassen, so gut passen der historische Weihnachtsmarkt und Glühwein zusammen, ist Ulf Sander überzeugt. Auch er verweist über die angrenzenden Kneipen, die den Bierdurst stillen können. „Ich gönne jedem seinen Umsatz.“
Alle Diskussionen über „Bier oder nicht Bier“ werden jedoch durch die „Satzung der Stadt Osnabrück über die Märkte und Volksfeste“ im Keim erstickt. Im Paragraph 3, Absatz 3 heißt es: „Das Leistungs- und Warenangebot auf dem Weihnachtsmarkt hat dessen vorweihnachtlichen Charakter zu entsprechen. Der Verkauf von Bier ist, ungeachtet seiner Temperatur oder Würzung, nicht gestattet.“ Ende der Debatte.