Osnabrück 564.000 Stunden arbeiten die Osnabrücker am Tag: Warum das zum Problem werden kann
Rund 564.000 Stunden pro Tag arbeiten die Menschen im Landkreis Osnabrück, berechnet das Pestel-Institut. Zu viel? Ja, sagen Gewerkschaften und warnen vor Überlegungen der Bundesregierung, den 8-Stunden-Tag abzuschaffen.
Die Menschen im Landkreis Osnabrück arbeiten laut Berechnung des Pestel-Instituts zusammengenommen rund 564.000 Stunden pro Tag. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt in einer Mitteilung vor einer möglichen Erhöhung der täglichen Arbeitszeit.
Im Koalitionsvertrag 2025 der Bundesregierung ist eine weitreichende Änderung des Arbeitszeitrechts vereinbart. Diese besagt: Die tägliche Höchstarbeitszeit von derzeit acht Stunden soll durch ein wöchentliches Limit ersetzt werden. Das würde bedeuten, dass Arbeitnehmer in Zukunft bis zu zwölf Stunden am Tag arbeiten dürften, dabei aber die maximale Stundenzahl von 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten.
Die NGG warnt vor möglichen Gesundheitsrisikos, die eine solche Reform mit sich bringen könnte. Bei Schichten, die länger als acht Stunden gehen, steige das Unfallrisiko stark an. „Ab der 12. Stunde passieren statistisch doppelt so viele Unfälle wie bei einem Acht-Stunden-Tag“, wird Peter Buddenberg, Geschäftsführer der NGG, in der Mitteilung zitiert. Regelmäßiges Überschreiten der Acht-Stunden-Marke könne auch in geringerem Maß langfristig zu Gesundheitsproblemen führen.
Die NGG warnt vor Stresssymptomen, wie Kopfschmerzen oder Verdauungs- und Schlafstörungen oder gar Belastungsstörungen wie Burnout. Vor allem Früh- und Spätschichten und ein unregelmäßiger Arbeitsalltag könnten diese Symptome hervorrufen. Auch die Work-Life-Balance könne unter längeren Arbeitszeiten leiden und Familien, die zum Beispiel Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige zu versorgen haben, in Bedrängnis bringen.
Ganz anders sehen das die Arbeitgeber, die für die geplanten Änderungen der Koalition plädieren. Sie sagen, dass die Arbeitszeitreform nicht unbedingt mehr Arbeitszeit bedeute, sondern hauptsächlich mehr Flexibilität. Sie wünschen sich mehr Spielraum für Projektzeiträume, Eigenverantwortung und eine dadurch gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit. Auch das Modell der Vier-Tage-Woche könnte nach Meinung der Befürworter durch diese Reformen leichter umsetzbar werden.
Gewerkschaften befürchten, dass mehr Flexibilität der Arbeitgeber zu mehr Druck auf Mitarbeiter führt. Es bestehe die Gefahr, dass die Möglichkeit von längeren Arbeitszeiten schnell zu einer Pflicht wird und Gesundheit und Freizeit der Arbeitnehmer darunter leide. Stressbedingte Ausfälle könnten erheblich zunehmen, was die Wettbewerbsfähigkeit im Endeffekt nicht steigern, sondern sogar gefährden würde.
Während Umfragen in der Bevölkerung immer wieder ergeben, dass eine Erhöhung der Arbeitsstunden von den meisten nicht erwünscht ist, führt der Bundestag die Debatte um die Arbeitszeit weiter. Bundeskanzler Merz kündigte im September an, eine entsprechende Reform solle „zügig“ kommen.