Aus für Farben Frye Traditionsfirma in Papenburg schließt
Mit Farben Frye schließt der in Papenburg älteste Handels- und Handwerksbetrieb seiner Branche. Das sind die Gründe.
Papenburg - „Ich hätte wirklich sehr gerne weitergemacht“, sagt Hans Husmann. Doch für den Malermeister aus Papenburg ist es an der Zeit, aufzuhören. Aus gesundheitlichen Gründen werden der 63-Jährige und seine Frau Monika ihr Unternehmen Farben Frye zum Jahresende 2025 schließen.
Den finalen Akkord bildet ein Räumungsverkauf im Januar. Danach werden die Husmanns die Schlüssel zum alteingesessenen Ladenlokal im Einkaufszentrum Obenende ein letztes Mal umdrehen. Was danach aus den Geschäftsräumen wird, ist unklar.
Trotz intensiver Suche kein Betriebsnachfolger für Farben Frye
Mit der Geschäftsaufgabe von Farben Frye geht die Geschichte nach Angaben des im vergangenen April verstorbenen Heimatforschers Hermann-Josef Döbber ältesten Handels- und Handwerksbetriebes seiner Branche in Papenburg zu Ende. Trotz intensiver Bemühungen und zwischenzeitlich aussichtsreicher Gespräche sei es am Ende leider nicht gelungen, einen Betriebsnachfolger zu finden, erklärt Hans Husmann.
„Wir haben alles probiert und die Fühler in alle möglichen Richtungen ausgestreckt. Leider vergebens“, sagt der Obenender, der als Beisitzer auch amtierendes Vorstandsmitglied der Maler- und Lackierer-Innung innerhalb der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling ist. Dabei sei er zunächst davon ausgegangen, dass das Ganze „ein Kinderspiel“ wird. Dass es nun anders komme, sei schade, „auch fürs Obenende“. Wie der 63-Jährige weiter erzählt, sei er genau genommen bereits seit dem vergangenen Frühjahr Rentner. Und doch machten seine Frau und er zusammen mit vier Gesellen zunächst weiter. Inzwischen hätten fast alle einen neuen Arbeitgeber.
An Arbeit mangelt es Farben Frye nicht
An Beschäftigung mangele es nicht, im Gegenteil. „Arbeit ist genug da“, sagt Husmann. Er und sein Team seien vornehmlich in Papenburg und der unmittelbaren Umgebung der Fehnstadt tätig gewesen. „Früher waren wir auch mal auf Großbaustellen in Cuxhaven oder Hamburg.“
Längst sei es aber auch für die Malerbranche immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Und mit Blick auf das Ladengeschäft, in dem unter anderem Tapeten, Farbe und Pinsel angeboten werden, stellt er allerdings fest, dass auch sein Betrieb die allgemein schwindende Kaufkraft inklusive Inflation zu spüren bekomme. Hans Husmann leugnet nicht, dass ihn das Aus schmerzt. Er war schon vor der Betriebsübernahme im Jahr 2014 eng mit dem Unternehmen verbunden. Seit 2002 ist er für Farben Frye tätig. Sieben Jahre später entschließt er sich, im vergleichsweise fortgeschrittenen Alter noch einmal die Schulbank zu drücken, um den Meisterbrief zu erwerben.
Betrieb in vier Generationen der Familie Frye geführt
Als Hans und Monika Husmann neue Inhaber werden, übernehmen sie den Betrieb von Theo Frye. Er hatte ihn in der vierten Generation geführt, musste ihn aber ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Zu diesem Zeitpunkt zählten fünf Gesellen, zwei Verkäuferinnen und ein Auszubildender zur Belegschaft.
Den Grundstein für den Betrieb legte anno 1877 Heinrich Frye. Er wagte nach seiner Ausbildung bei dem Obenender Malermeister Freericks und den Gesellenjahren den Sprung in die Selbstständigkeit. Wie in der Unternehmensgeschichte weiter nachzulesen ist, zog Frye seinerzeit mit Farbeimer, Pinsel und Leiter zu den Kunden. In seinem Wohnhaus am Splitting links richtete er einen kleinen Ladenraum ein.
Heinrich Frye junior auch als Berufsschullehrer aktiv
Nachdem Heinrich Frye junior die Firma 1904 übernommen hat, werden in dem bisherigen Einmannbetrieb auch Lehrlinge ausgebildet. Frye macht sich zudem als Berufsschullehrer einen Namen und engagiert sich für das Vereinsleben am Obenende.
Als Spätheimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg steigt Theo Frye in den elterlichen Betrieb ein, übernimmt ihn im Jahr 1956 und baut ihn zusammen mit seiner Ehefrau Maria kontinuierlich aus. Die letzte große Erweiterung inklusive Umbau im Jahr 2009 erfolgt unter der Regie von Theo Frye junior. Wie der Betrieb von Generation zu Generation fortgeführt worden ist, sei es auch bei vielen Kunden gewesen, sagt Hans Husmann. Ihnen dankt er aufrichtig für jahrelange Treue.