Osnabrück Adrian Maxhuni aus Gehrde ist neuer Vizechef der AfD-Jugendorganisation
Der 29-jährige Adrian Maxhuni aus dem Landkreis Osnabrück steigt in der AfD auf: In Gießen wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der neu gegründeten Jugendorganisation „Generation Deutschland“ gewählt und will für die AfD-Jugend nun auch „zügig Kreisverbände“ schaffen.
Bei einem Bundestreffen der AfD-Jugendorganisation in Gießen ist der 29-jährige Adrian Maxhuni aus Gehrde, Vizechef der AfD Osnabrück-Land, am vergangenen Wochenende in den Bundesvorstand der neuen „Generation Deutschland“ gewählt worden – als stellvertretender Vorsitzender. Die Gründung wurde von massiven Protesten begleitet: Nach Polizeiangaben demonstrierten bis zu 30.000 Menschen in Gießen gegen die AfD und ihre neue Jugendorganisation.
In einem Post der AfD Niedersachsen spricht Maxhuni von einem „großen Erfolg“ und kündigt an, nun „zügig regionale Strukturen, also Landes- und Kreisverbände, schaffen“ zu wollen. Mehr als 80 Prozent der rund 1000 Teilnehmer stimmten nach eigenen Angaben für ihn – das Votum bezeichnet er als „persönlichen Vertrauensbeweis“. Der Vorstand habe zudem eine Klausurtagung für Ende Januar beschlossen, auf der ein Geschäftsverteilungsplan verabschiedet werden soll.
Maxhuni nennt als erste Aufgaben die Begleitung von Gründungskongressen in den Ländern – sowie einen Antrittsbesuch in den Niederlanden, um Kontakte zu anderen Jugendorganisationen auf europäischer Ebene zu pflegen. Maxhuni ist seit 2018 Mitglied der AfD und arbeitet im Bundestag für die AfD-Fraktion.
Mit „Generation Deutschland“ versucht die AfD nun, das Vakuum zu füllen, das sie mit der Distanzierung von ihrer bisherigen Jugendorganisation selbst geschaffen hatte. Die „Junge Alternative“ (JA) galt der Parteiführung zunehmend als politisches Risiko – zu radikal, zu unberechenbar und nach Einschätzung des Verfassungsschutzes potenziell eine Belastung für die Mutterpartei. Der Verfassungsschutz stufte die JA im Jahr 2023 als „gesichert rechtsextrem“ ein. An der Bewertung änderte auch die Neuorganisation in Niedersachsen nichts.
Adrian Maxhuni gehörte zeitweise dem JA-Bundesvorstand an und führte die JA Niedersachsen bis zur bundesweiten Auflösung im März 2025. Insgesamt stand er rund zwei Jahre an der Spitze der JA Niedersachsen – als einer der prägenden Köpfe der AfD-Nachwuchsorganisation im Land.
Auch im aktuellen Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz, das die AfD im Mai 2025 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft hatte, spielt die Verflechtung von AfD und JA eine zentrale Rolle. Zwar wurde die öffentliche Einstufung nach Klage der AfD vorerst ausgesetzt – das Verfahren läuft jedoch weiter. Bis zu einer Entscheidung gilt die AfD weiterhin „nur“ als rechtsextremer Verdachtsfall.
Auf die schriftliche Frage unserer Redaktion, ob er sich als Brückenfigur zwischen der früheren Jungen Alternative und der neuen Struktur von „Generation Deutschland“ sehe, ging Maxhuni nicht ein. Zur Einstufung durch den Verfassungsschutz erklärte er lediglich: „Die Bewertung des Bundesamtes für Verfassungsschutz weise ich als politisch motiviert zurück.“
Ein Beitrag unter Maxhunis Namen, veröffentlicht im März 2024 auf der Website der JA Niedersachsen, entwirft ein fiktives Szenario einer AfD-geführten Bundesregierung. Darin wird eine umfassende „Remigrationspolitik“ als wirtschaftlich förderlich und sicherheitspolitisch wirksam beschrieben: Die AfD-Regierung habe – so der Text – für „wirtschaftlichen Aufschwung“ gesorgt, die Kriminalität sei zurückgegangen und das gesellschaftliche Klima habe sich „stabilisiert“. Unter der Überschrift „Stolze Identität und Tradition“ heißt es, Deutschland bewahre sein kulturelles Erbe und schaffe eine Atmosphäre „des Respekts und der Anerkennung“.
Maxhuni erklärte gegenüber unserer Redaktion, der Text sei ausschließlich von der Künstlichen Intelligenz ChatGPT erstellt worden. Unsere Analyse legt jedoch nahe, dass ein ideologisch gefärbtes Zukunftsszenario dieser Art nicht ohne gezielte Vorgaben entstanden sein dürfte. KI-Modelle wie ChatGPT liefern erfahrungsgemäß keine politischen Wunschbilder, solange sie nicht mit bestimmten Begriffen, Formulierungen oder thematischen Rahmungen gefüttert werden – etwa durch die Aufforderung, eine idealisierte AfD-Regierung zu entwerfen.
Wie weit solche Denkmuster im JA-Umfeld verankert waren, zeigte ein Beitrag aus dem Jahr 2023 – veröffentlicht zu einer Zeit, als Adrian Maxhuni Landesvorsitzender der JA Niedersachsen war. Unter der Schlagzeile „Kalte Dusche für Prügelclans“ wurde behauptet, „mehrheitlich Migranten mit orientalischer oder afrikanischer Abstammung“ seien für Konflikte in Freibädern verantwortlich.
Als „kurzfristige Lösung“ wurde der Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen vorgeschlagen, anschließend die konsequente Abschiebung der „Gewalttäter“. Auch diese Forderung wäre in vielen Fällen verfassungswidrig: Handelt es sich um deutsche Staatsbürger, ist eine Abschiebung rechtlich ausgeschlossen.
Auf die ideologische Nähe der früheren JA zur Neuen Rechten verweist auch der niedersächsische Verfassungsschutz. Die Behörde teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, die Junge Alternative habe sich auf einen „ethnisch-kulturellen Volksbegriff“ gestützt, der dem des Grundgesetzes entgegenstehe und „mit der Menschenwürde unvereinbar“ sei. Damit verbunden sei eine „kontinuierliche Abwertung von Personen, die nicht unter dieses homogene Gesellschaftsbild fallen“.
Trotz dieser Vorgeschichte übernimmt Adrian Maxhuni nun eine zentrale Funktion beim Aufbau von „Generation Deutschland“ – und gehört künftig zu den Gesichtern jener Generation, mit der die AfD ihren politischen Nachwuchs formen will.