Osnabrück  Piesberger Weihnachtszauber: Wo heimelige Gemütlichkeit auf Industriekultur trifft

Heike Fritsch
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Von Heike Fritsch
| 29.11.2025 17:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Herzensprojekt: Helge Weber veranstaltet den Weihnachtsmarkt am Piesberg in diesem Jahr zum vierten Mal . Foto: Heike Fritsch
Ein Herzensprojekt: Helge Weber veranstaltet den Weihnachtsmarkt am Piesberg in diesem Jahr zum vierten Mal . Foto: Heike Fritsch
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Noch ist Zeit, ein echtes Kleinod unter den Weihnachtsmärkten zu erleben: An diesem Wochenende findet in Osnabrück der Piesberger Weihnachtszauber auf dem Gelände der ehemaligen Kohlenzeche und rund um das Museum Industriekultur statt. Warum dieser Markt für Familien ideal ist.

Tut, tut! Der Sonderzug vom Niederrhein zu den Weihnachtsmärkten Osnabrücks fährt gegen 12.30 Uhr im Zechenbahnhof am Piesberg ein. Er hat seine Gäste schon vorher am Altstadtbahnhof herausgelassen. Denn hier darf niemand aussteigen. Dabei verpassen die Besucher von außerhalb ein echtes Highlight: der Weihnachtszauber auf dem Gelände der ehemaligen Kohlenzeche und rund um das MIK Museum Industriekultur.

„Der Weihnachtszauber ist viel mehr als ein Weihnachtsmarkt“, sagt Helge Weber, der den Markt im vierten Jahr veranstaltet, „wir sind ein Ausflugsziel. Bei 26 Ausstellern hat die ganze Familie Spaß. Die Modelleisenbahnausstellung kann der Opa den Enkeln erklären. Kinderbastelecken erlauben es den Eltern, auch mal allein herumzuschlendern.“

In den Morgenstunden ist am Samstag in den Gebäuden und noch nicht so viel los. Das erlaubt einen guten Überblick. Im Haseschachtgebäude sind auf unterschiedlichen Ebenen und im 2. Obergeschoss Stände aufgebaut, an denen es von Gestricktem, Lampen und Schmuck bis zur Weihnachtsdekoration und Glasarbeiten einiges zu entdecken gibt.

An einem der Basteltische filzen die Söhne der Familie Guse ihre Sterne aus Wolle. Sohn Ferdinand drängt: „Wir gehen aber gleich durch den Stollen.“ Er interessiert sich vor allem für die Modelleisenbahnen am Süberweg, die durch den über dreißig Meter tiefen Stollen zu erreichen sind. Ferdinand will mal Erfinder oder mindestens Ingenieur werden.

Der Aufzug führt zum Stollen und zum Magazingebäude und dem historischen Pferdestall. Dort werden die Modelleisenbahnen ausgestellt. Aber zunächst einmal kann Familie Guse am Zechenbahnhof die Einfahrt eines Zuges beobachten.

Dann ziehen die Söhne Ferdinand und Johannes die Eltern in die Ausstellung zu den Modelleisenbahnen. Dort gibt es sogar eine Weltpremiere zu entdecken. Zum ersten Mal wurde hier ein Modell der Erzverladung an den großen Seen der USA aufgebaut.

Wieder oben auf der Ebene des Haseschachtgebäudes sind die Besucherinnen und Besucher draußen schon zahlreicher geworden. Im Hof gibt es Verpflegung und Getränke, ein dampfbetriebenes Karussell - und weitere Aussteller.

Die getöpferten Skulpturen von Cordula Langkamp etwa sind skurril und ausdrucksstark. Die Autodidaktin stellt sie in Handarbeit her, jedes ihrer Stücke ist ein Unikat. Schräg gegenüber verkaufen Beatrix Venzke und Arne Schwede ihre Produkte aus Alpaka, Strümpfe, Mützen, Schals. Zum Teil sind das Produkte aus der Wolle ihrer eigenen Alpakas, die sie in Pye züchten. Sie gehören zu den Pionieren dieses Markts, waren von Anfang an dabei.

„Die Atmosphäre hier ist sehr familiär“, erzählt Beatrix Venzke, „hier kennt man sich und hier gibt es auch kein Gedränge wie auf den großen Märkten. Sonntagnachmittags wird es aber voller.“

Das kann auch Helge Weber bestätigen. „Im vergangenen Jahr hatten wir hier sogar leichtes Verkehrschaos rund um die Parkplätze. Immer mehr Menschen von außerhalb entdecken diesen Markt. Im ersten Jahr hatten wir etwa 1.000 Besucher, im zweiten Jahr 2.500 und im dritten Jahr schon 5.000.“ Ein weitere exponentielle Steigerung allerdings wünscht er sich nicht. „Dann verlöre der Markt seinen Charme.“

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