Osnabrück  Wie Miriam mithilfe der Caritas Hürden bei der Wohnungssuche überwinden konnte

Jil Liebschner
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Von Jil Liebschner
| 01.12.2025 18:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die „Allgemeine Soziale Beratung“ der Caritas unterstützt Menschen in Not und zeigt ihnen Wege aus der Dunkelheit. Foto: IMAGO/photothek
Die „Allgemeine Soziale Beratung“ der Caritas unterstützt Menschen in Not und zeigt ihnen Wege aus der Dunkelheit. Foto: IMAGO/photothek
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Chronische Erkrankung, Scheidung, Frauenhaus: Miriam hat in ihrem Leben viel erleben müssen. Auch ein Umzug war schon lange überfällig – als Alleinerziehende jedoch schwer zu stemmen. Hilfe fand sie bei der Beratungsstelle der Caritas.

Jahrelang suchte Miriam (Name von unserer Redaktion geändert), Mutter von Zwillingen, nach einer Wohnung. Zunächst noch gemeinsam mit ihrem Mann, von dem sie sich 2023 trennte und letztendlich scheiden ließ. Nach der Trennung kam sie zeitweise in einem Frauenhaus unter. Die Wohnungssuche setzte sie alleine fort. Mit einer Erwerbsminderungsrente gestaltete sich diese jedoch schwierig. Unterstützung erhielt sie von der Caritas – auch dank der Weihnachtsspendenaktion unserer Zeitung.

Das Leben in der alten Wohnung im zweiten Obergeschoss war für Miriam eine permanente physische Belastung. Seit vielen Jahren leidet sie unter chronischer Fibromyalgie, Arthrose im Rücken und Migräne. Alltagsaufgaben wie ein einfacher Wocheneinkauf können da bereits zur Tortur werden. Volle Einkaufstüten sowie zwei Maxi-Cosis musste sie regelmäßig hoch in die Wohnung schleppen. Dies führte bei ihr zu Schmerzen, die oft zwei bis drei Tage anhielten.

Auch nach einem Umzug innerhalb des Hauses blieben diese Probleme bestehen. Die neue Wohnung hatte zwar ein Zimmer mehr, befand sich aber weiterhin im Obergeschoss des Hauses. Hinzu kamen auch Probleme mit Nachbarn, die sich aufgrund von angeblicher Lärmbelästigung der Kinder beschwerten. „Nach 18 Uhr durften sie keinen Mucks mehr machen” berichtet Miriam.

Doch dann die Wendung: Nach jahrelanger Suche, war es eine gute Freundin, die die langersehnte Lösung brachte. In direkter Nachbarschaft zu ihr war eine Wohnung im Erdgeschoss frei geworden.

Einige Hürden musste Miriam jedoch zunächst überwinden. Als Wohngeldempfängerin und mit einer Erwerbsminderungsrente hat sie keinen Anspruch auf ein Darlehen vom Jobcenter. Bereits im Vorfeld legte sie so viel wie möglich zur Seite. Um den Umzug alleine zu stemmen, reichte dies jedoch nicht aus. 

„Ich habe ein bisschen Panik gekriegt“, gesteht Miriam. Doch sie erinnerte sich zurück: Während der Trennungsphase war sie schon einmal bei der Familienberatung der Caritas. Nach der Trennung dann ein weiteres Mal zur Mutter-Kind-Beratung. Nach Hilfe zu fragen falle ihr trotz dieser Erfahrungen immer noch schwer. Es kostete sie einiges an Überwindung, aber im September wandte sich Miriam erneut an die Beratungsstelle der Caritas.

Clarissa Abromeit von der „Allgemeinen Sozialen Beratung“ nahm sich Miriams Situation an und entschied gemeinsam mit ihrem Team, dass das Geld an dieser Stelle gut investiert ist. So konnte die Caritas Miriam bei den Umzugskosten helfen. Eine neue Arbeitsplatte für die Küche musste her und auch bei der Kaution konnten die Gelder unterstützen. Das Geld stammt teilweise auch aus der Weihnachtsspendenaktion „Niemand bliebt allein“ zu der die Caritas und die Diakonie in Kooperation mit der Neuen Osnabrücker Zeitung jährlich zur Weihnachtszeit aufrufen.

Die neue Wohnung im Erdgeschoss hat viele Vorteile. So muss Miriam keine Einkäufe mehr ins Obergeschoss schleppen und von der familienfreundliche Nachbarschaft profitieren vor allem die Kinder. Alle Probleme konnten durch den Wohnungswechsel jedoch nicht gelöst werden. Zwar konnte die neue Wohnung die Lebensqualität der Familie erhöhen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch eine Erhöhung der Miete. Früher habe Miriam versucht, monatlich 50 Euro zurückzulegen. Dies sei jetzt nicht mehr möglich. Im Hinterkopf schweben ihr zusätzlich die steigenden Lebenshaltungskosten. Dazu anstehende Kosten für die Kinder – bei Zwillingen gleich im Doppelpack: unverzichtbare Schwimmkurse und dann die Einschulung im nächsten Jahr. Allein die Schulranzen können bis zu 300 Euro pro Kind kosten.

An dieser Stelle kann die Caritas aber Abhilfe leisten. Durch Spenden können sie bedürftige Familien bei der Erstausstattung für den Schulstart unterstützen. Auch Miriam möchte, wenn es bald so weit ist, auf dieses Hilfsangebot zurückgreifen.

Miriam hat nicht nur finanzielle Sorgen. Auch ihre Vergangenheit belastet sie weiterhin. Als sie davon erzählt, ist sie den Tränen nahe. „Ich musste ganz viel erleben, was Spuren bei mir hinterlassen hat, auch schon vor der Ehe“ berichtet Miriam. Aufgrund ihrer Vorgeschichte und den gesundheitlichen Einschränkungen gibt sie zu, öfter als andere, eine Auszeit zu brauchen. Durch ihre hohen Ansprüche an sich selbst falle es ihr aber schwer, sich diese Auszeiten auch zu nehmen. Alleinerziehend zu sein sei bereits eine große Herausforderung, und wenn physische und psychische Probleme dazu kommen, vergrößere sich die Belastung weiter.

Dennoch blickt sie der Realität ins Gesicht: „Als Mama muss man eben immer können.“ Durch ihre neue Wohnsituation habe sich in dieser Hinsicht jedoch ein kleines Unterstützungsnetzwerk aufgebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft leben Freundinnen mit Kindern. So können die Kinder miteinander spielen und jeder hat mal ein Auge auf sie. Dies verschafft ihr auch mal Zeit zum Durchatmen. Wie sie es zuvor allein geschafft hat, kann sie selbst nicht beantworten. „Man schafft es halt“, so Miriam.

Eine Antwort auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünscht, fällt ihr schwer. Ihr ist bewusst, dass sich ihre finanzielle Situation in der nächsten Zeit nicht großartig verändern wird. Dennoch ist sie sehr dankbar für die bisherige Unterstützung. Sie erzählt ihre Geschichte, weil sie etwas zurückgeben möchte und merkt an, wie wichtig Anlaufstellen wie die „Allgemeine Sozialen Beratung“ der Caritas für Menschen in Not sind. Ihre Wünsche beziehen sich vor allem auf ihre Kinder: Für die Zwillinge wünscht Miriam sich „ein selbstbestimmtes Leben mit Liebe, Freude, Glauben und guten Freunden an der Seite“.

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