Emden  EWE startet Bau von riesiger Wasserstoff-Anlage

| | 28.11.2025 11:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So soll es einmal aussehen: Visualisierung der technischen Anlagen von EWE in Emden. Dort wird ab 2027 grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab erzeugt. Foto: EWE
So soll es einmal aussehen: Visualisierung der technischen Anlagen von EWE in Emden. Dort wird ab 2027 grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab erzeugt. Foto: EWE
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Lange war geplant worden, nun geht es los: EWE hat in Emden mit dem Bau eines enorm leistungsstarken Elektrolyseurs begonnen. Es geht um hunderte Millionen Euro.

Emden/Oldenburg - EWE hat in Emden mit dem Bau eines der größten Elektrolyseure Deutschlands begonnen. Ab Ende des Jahres 2027 soll in Ostfriesland der erste grüne Wasserstoff produziert und an industrielle Abnehmer geliefert werden. Das teilte der Oldenburger Energiekonzern am Freitag mit. Die Anlage soll später eine Leistung von 320 Megawatt erbringen.

Die Investitionen in die Produktion von Wasserstoff sind enorm. Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen für die EWE-Wasserstoffprojekte auf bis zu eine Milliarde Euro, wie das Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte. Die Aktivitäten umfassen demnach das mehrteilige Wasserstoff-Vorhaben „Clean Hydrogen Coastline“ sowie die baulichen Aktivitäten des EWE-Konzerns im Rahmen des Wasserstoff-Kernnetzes.

600 Millionen Euro für Emden

Ein Großteil der Investitionen fließt dabei nach Ostfriesland. Das Emder Projekt ist laut EWE ein Teil der Gesamtvorhaben. Von den bis zu einer Milliarde Euro investiert EWE mehr als 600 Millionen Euro in das Elektrolysevorhaben in Emden. EWE erhält nach eigenen Angaben für „Clean Hydrogen Coastline“ eine Förderung in Höhe von über 500 Millionen Euro. Von den 500 Millionen Fördersumme sind 350 Millionen Euro Bundesmittel und 150 Millionen Euro Landesmittel. Ein Elektrolyseur entwickelt im Prinzip aus Wasser Wasserstoff, der dann für die Energiegewinnung eingesetzt wird. Wird der Strom für die Anlage zum Beispiel aus Windenergie gewonnen, spricht man von grünem Wasserstoff.

So sieht es heute aus: Baustelle von EWE in Emden. Ab 2027 wird hier grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert. Foto: EWE/Jan Lübkemann
So sieht es heute aus: Baustelle von EWE in Emden. Ab 2027 wird hier grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert. Foto: EWE/Jan Lübkemann

Mit der Vergabe des Auftrags für Tief- und Hochbauarbeiten an ein Generalunternehmen – eine Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen Ludwig Freytag, Gebrüder Neumann und MBN – beginnt laut EWE nun die Umsetzung eines der bislang größten Wasserstoffprojekte in Europa. „Mit dem Baustart gehen wir einen entscheidenden Schritt vom Planen ins Umsetzen“, wird Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, in einer Mitteilung zitiert. Die Anlage in Emden sei Teil eines Gesamtkonzepts aus Erzeugung, Speicherung und Transport – inklusive eines großtechnischen Wasserstoffspeichers in Huntorf und einer Pipeline-Achse zwischen Wilhelmshaven, Leer und Emden als Teil des bundesweiten Wasserstoffkernnetzes.

EWE muss nun in die Vermarktung gehen

Für EWE dürfte es nun wichtig sein, erfolgreich in die Vermarktung des grünen Wasserstoffs zu gehen – also Abnehmer zu finden. Ein Großkunde von EWE, der Bremer Stahlkonzern Arcelor Mittal, hatte im Juni dieses Jahres beschlossen, zunächst einmal doch keinen grünen Stahl mit Hilfe von Wasserstoff zu produzieren. EWE hatte daraufhin die Pläne für ein 50-Megawatt-Elektrolyse-Vorhaben in Bremen auf Eis gelegt. Deutschlands Wasserstoff-Strategie läuft nicht unbedingt rund. Anfang Mai dieses Jahres hatte der norwegische Energiekonzern Statkraft „wegen der zunehmenden Unsicherheit im Markt“ beschlossen, die Fortführung seiner großen Wasserstoffprojekte am Emder Kraftwerk zu überprüfen.

Insgesamt besteht „Clean Hydrogen Coastline“ aus drei Teilen. Im Teilprojekt 1 „Clean Hydrogen Coastline – Elektrolyse Ostfriesland“ baut EWE in Emden eine 320-Megawatt-Wasserstofferzeugungsanlage. Im Teilprojekt 2 „Clean Hydrogen Coastline – Speicher Huntorf“ bindet EWE die Wasserstoffinfrastruktur an seinen Kavernenspeicher in Huntorf an. Dafür wird einer von sieben großen unterirdischen Hohlräumen, die derzeit für die Erdgasspeicherung genutzt werden, umgerüstet, um Wasserstoff zu speichern. Dadurch kann das grüne Gas dann zur Verfügung stehen, wenn es gebraucht wird. Teilprojekt 3 „Clean Hydrogen Coastline – H2-Pipeline-Infrastruktur Nordwest“ hat das Ziel, die Gasinfrastruktur für Wasserstoff im Nordwesten zu optimieren. Durch den Bau und die Umstellung von mehreren Pipeline-Abschnitten stellt EWE den Anschluss an das zukünftige europaweite Wasserstofftransportnetz her.

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