Psychiatrische Versorgung  Wie neue Fachklinik den Standort Weener sichert

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 28.11.2025 11:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im ersten Obergeschoss des neuen Krankenhausanbaus sollen neben den vorhanden Räumen für die Suchttherapie auch Räume für die neue psychiatrische Ausrichtung entstehen – sobald eine positive Entscheidung über die neue Fachklinik getroffen ist. Foto: Tatjana Gettkowski
Im ersten Obergeschoss des neuen Krankenhausanbaus sollen neben den vorhanden Räumen für die Suchttherapie auch Räume für die neue psychiatrische Ausrichtung entstehen – sobald eine positive Entscheidung über die neue Fachklinik getroffen ist. Foto: Tatjana Gettkowski
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In Weener soll eine Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie eingerichtet werden. Warum ist das so wichtig für das Krankenhaus Rheiderland und warum dauert der Entscheidungsprozess so lange?

Weener - Während landauf und landab Krankenhäuser ums Überleben bangen, blickt das kleine Krankenhaus Rheiderland optimistisch in die Zukunft. Und setzt dabei auf ein Nischenangebot. Mit einer Spezialisierung als Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie soll der Standort langfristig gesichert werden. Doch der Weg dorthin erweist sich als steinig.

Zunächst hatte der Krankenhausplanungsausschuss des Landes Niedersachsen in seiner Sitzung am 18. Juni 2025 die Entscheidung über den Antrag des Klinikums Leer vertagt. Der Grund: Die Bedarfsanalyse des Ministeriums lag noch nicht vor. Bei der nächsten Sitzung im November folgte die nächste Enttäuschung: Der Antrag scheiterte, weil das einstimmige Votum nicht erreicht wurde.

Fachklinik für Psychiatrie – warum in Weener?

„Der Bedarf an psychiatrischer Versorgung im Landkreis Leer ist unbestritten vorhanden. Mit den bestehenden Strukturen, der baulichen Eignung und der regionalen Vernetzung bietet das Krankenhaus Rheiderland ideale Voraussetzungen, um ein Fachkrankenhaus zu etablieren“, nennt Daniela Kamp die Pluspunkte. Das Krankenhaus in Weener hat sich im Bereich der Suchtmedizin, insbesondere im Qualifizierten Entzug, in den zurückliegenden Jahrzehnten einen Namen gemacht. Dazu gehört ein engmaschiges Suchthilfenetzwerk, das seit mehr als 35 Jahren in der Region verankert ist. Eine psychiatrische Fachklinik in Weener wäre die konsequente und notwendige Komplettierung der Angebote für die Suchtkrankenhilfe.

Welche Rolle spielt die Fachklinik fürs Haus Fresena?

Psychische Störungen sind bei Drogenabhängigen weit verbreitet. Für die Bewohner des Hauses Fresena werden vor Ort Sprechstunden mit einem Psychiater und einer Psychiaterin angeboten. In der Region wäre die nächste stationäre oder teilstationäre Betreuungsmöglichkeit in Emden. „Selbst die Entfernung dorthin ist schon problematisch“, so Kathrin Gawenda, Bereichsleitung Suchtkrankenhilfe Ostfriesland. Einen Termin zu bekommen, sei schwierig. „Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das: kürzere Wege, abgestimmte Behandlungsabläufe und bessere Chancen, Rückfälle zu vermeiden“, betont Fietz.

Was würde die Fachklinik für den Standort Weener bedeuten?

„Wir sind überzeugt, dass die Fachklinik der richtige Weg für die Zukunft des Krankenhauses Rheiderland ist“, so Daniela Kamp weiter. Die Spezialisierung trage zur Standortsicherung bei. „Ein kleines Krankenhaus wie unseres vor dem Hintergrund der Krankenhausreformen zu erhalten, ist eine Herausforderung“, gibt Jakobus Baumann, Vorsitzender des Allgemeinen Krankenhausvereins für das Rheiderland, zu bedenken. Seit 2007 seien 15 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung geflossen.

Warum fiel die Entscheidung negativ aus?

Anfang November wurde im Krankenhausplanungsausschuss nicht die erforderliche einstimmige Entscheidung erzielt. Zwei der vier Vertreter verschiedener Krankenkassen stimmten dagegen, in Weener ein „Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie“ einzurichten. Zu den Vertretern der Krankenkassen zählen die AOK, BKK, Vertreter der Ersatzkassen und privater Krankenkassen. Weil bei ihnen dieses Patt-Ergebnis vorlag, wurde die Gesamtentscheidung aller Kassenvertreter als negativ gewertet.

Wie ist die Perspektive?

Daniela Kamp, Geschäftsführerin der Klinikum Leer gGmbH, zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben ein stimmiges medizinisches Konzept, sehr gute bauliche Voraussetzungen und eine belastbare Personalplanung. Das Krankenhaus Rheiderland ist prädestiniert als Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie.“ Insbesondere die enge Zusammenarbeit und räumliche Nähe zum Haus Fresena der Suchtkrankenhilfe Ostfriesland sei eine hervorragende Grundlage. „Wir setzen darauf, dass die Verantwortlichen im Land diesen notwendigen Schritt für die Region ermöglichen“, so Henning Fietz, Geschäftsführer der Suchtkrankenhilfe Ostfriesland.

Wann fällt die Entscheidung?

Am Rande der Eröffnung der neuen Tagesstätte „StattRand“ in Leer im November hatte Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) sich positiv geäußert, dass „bestimmt etwas aus der Fachklinik wird“. „Der Minister unterstützt unsere Pläne“, sagte Jakobus Baumann. Für Montag, 2. Februar 2026, wird der Minister als Gastredner bei der Mitgliederversammlung des Allgemeinen Krankenhausvereins für das Rheiderland erwartet. „Wir hoffen auf eine finale Aussage über den Antrag“, sagt Jakobus Baumann. Wann die nächste Sitzung des Krankenhausplanungsausschusses ist, auf der eine Entscheidung getroffen werden könnte, konnte Baumann nicht sagen. „Grundsätzlich kann der Ausschuss auch eine Entscheidung im Umlaufverfahren treffen.“

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