Osnabrück  So zeigen Christoph Maria Herbst und Moritz Netenjakob in Osnabrück, was deutscher Humor ist

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 27.11.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Autor und der Schauspieler: Auf der Rampe in der Osnabrücker Botschaft verschmolzen Moritz Netenjakob (links) und Christoph Maria Herbst (rechts) zu einem kongenialen Duo. Foto: Steve Weber
Der Autor und der Schauspieler: Auf der Rampe in der Osnabrücker Botschaft verschmolzen Moritz Netenjakob (links) und Christoph Maria Herbst (rechts) zu einem kongenialen Duo. Foto: Steve Weber
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Ist es lustig, wenn der Schauspieler Christoph Maria Herbst (Stromberg) und der Autor Moritz Netenjakob (Macho Man) sich zusammen auf die Bühne setzen und Geschichten erzählen? Wir waren in der ausverkauften Osnabrücker Botschaft dabei.

Der Geist von Viktor von Bülow schwebt beinahe über allem an diesem kalten Novemberabend in der mit 540 Sitzplätzen restlos ausverkauften Botschaft in Osnabrück. Zwar ist der Mann, der sich Loriot genannt hat, naturgemäß nicht persönlich anwesend. Seine Texte aber bilden eine Art Klammer um die gemeinsame Lese-Show von Christoph Maria Herbst und Moritz Netenjakob.

Der eine (Herbst) wird gefühlt einfach seine Stromberg-Frisur nicht mehr los, obwohl er längst keine Haare mehr auf dem Kopf hat. Und von dem anderen (Netenjakob) kennt man eher seine Texte als sein Gesicht. Die kommen an dem launigen Abend auch vor, etwa als einst für die Sendung „Sketch History“ geschriebenes fiktives Tagebuch von Udo (Lindenberg) und Klaus (Kinski), wobei sich die beiden als dicke Lippe gegen dünne Haut kongenial ergänzen.

Auch ein Höhepunkt fast am Schluss stammt aus der Feder des Comedy- und Roman-Autors. Für die Kölner Stunksitzung hatte Netenjakob das Gedankenspiel niedergeschrieben, wie es wäre, wenn Fußballfans ein Klassikkonzert in der Philharmonie besuchen würden. Der Zwang zur Parteinahme endet in wilden Anfeuerungs- und Beschimpfungstiraden in Bezug auf Streicher gegen Bläser. Aus dem Zusammenspiel wird ein Wettbewerb inszeniert.

Das könnte man mitunter auch meinen, wenn man den beiden Protagonisten auf der Bühne dabei zusieht, wie sie sich scheinbar im Wettstreit um die noch bessere Parodie der ein oder anderen prominenten Persönlichkeit gegeneinander ins Zeug legen. Für das Publikum aber bedeutet es einen hohen humoristischen Mehrwert, als die beiden sich in Sachen Parodisten-Kunst wechselseitig hochschaukeln.  

Ein „ernsthaftes Bemühen um Albernheit“ hatte das Motto des Abends versprochen. Ein selbst erklärter „Tiefpunkt“ ist dabei ein Text von Dieter Hallervorden (Die Kuh Elsa), der über das Alberne kaum hinauswächst. Dem gegenüber steht der von Herbst beängstigend nah am Original intonierte Adolf Hitler in Form der ersten Passagen aus dem Bestseller-Hörbuch „Er ist wieder da“. Die schnarrende Stimme sei er kaum wieder losgeworden, verrät der Einsprecher.

Umso vielschichtiger ist das, was der Stromberg-Darsteller in der Osnabrücker Botschaft alles mit seiner Stimme anstellt. Als Höhepunkt buchstäblich über den Wolken schweben dabei die Ansagen eines Flugkapitäns – inklusive sämtlicher vertrauter Verzögerungen und technischer Nebengeräusche. In Sachen Sprach- und Sprechkunst steht aber auch Kollege Netenjakob seinem Bühnenpartner kaum nach.

Der verrät, wie seine Tante Ilse als Ensemble-Mitglied im damaligen Stadttheater Aachen den Perfektionismus von Loriot hautnah miterlebt hat, als dieser dort vor genau 40 Jahren selbst seine „dramatischen Werke“ inszeniert hat. Die genaue Beobachtung und Beschreibung von Menschen in ihrem Alltag erlaubte es dieser Art von Humor, auf konstruierte Gags und Witze verzichten zu können. Ganz ähnlich wie bei Stromberg, dessen zweiter Kinofilm demnächst ins Haus steht.

Auf mehr hat es Loriot auch nicht gebracht. Und Herbst wird dann schon wieder nach Osnabrück kommen, um ihn gemeinsam mit Bjarne Mädel in beiden großen Kinos vorzustellen. Großes leibhaftiges Humor-Kino hat er aber nun erstmal in der Botschaft abgeliefert – im Zusammenspiel mit einem wie die Faust aufs Auge passenden Nebenbuhler. Da verzeiht man ihm auch den einzigen regionalen Fauxpas, als er vom „katholischen Osnabrück“ spricht.

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