Osnabrück Fahrplan steht: Wann die Bauarbeiten auf dem Neumarkt in Osnabrück beginnen
Seit fast zwei Jahrzehnten arbeitet Osnabrück an einem neuen Neumarkt. Jetzt hat die Verwaltung dem Rat einen Fahrplan vorgelegt, wann wo gebaut werden wird. Die „Großmaßnahme“ Neumarkt nimmt tatsächlich Fahrt auf – und wird mindestens bis 2029 noch viele Nerven kosten.
Hinweis: Dieser Text ist erstmals Ende November 2025 erschienen.
Man glaubt es kaum: Die Stadt Osnabrück hat sich auf einen Starttermin für den Umbau des Neumarktes festgelegt. Seit mindestens 20 Jahren wurde über die Platzgestaltung nachgedacht, über die Verkehre gestritten, wurden Konzepte entworfen und wieder verworfen. Jetzt liegt der Politik ein Fahrplan vor. Demnach beginnt der Umbau im März 2026 mit ersten vorbereitenden Arbeiten. Ab November 2026 wird es dann richtig ernst.
Den Platz zu gestalten, ist Sache der Stadt. Der Neumarkt, ein Teil der Johannisstraße und der Kollegienwall sollen ein einheitliches Erscheinungsbild bekommen. Der neue Platz soll Menschen und urbanem Leben Raum geben. Der historische Neumarkt zwischen Hasehaus und „Zauberwürfel“ wird für den Autoverkehr gesperrt. Ein Teil des Nahverkehrs soll dagegen auch in Zukunft über den Neumarkt rollen.
Das Geld: 27 Millionen wird die Stadt nach der jüngsten Kalkulation in den Umbau des zentralen Platzes investieren. Rückblick: 2019 – vor dem Ukranie-Krieg und der Baukostenexplosion – wurden die Kosten auf 13 Millionen Euro taxiert. Sie haben sich also mehr als verdoppelt.
Der Zeitplan: Ab März 2026 dürfte an kleinen Maßnahmen sichtbar werden, dass sich auf dem Neumarkt Großes anbahnt. Im Untergrund werden Leitungen verlegt oder erneuert, im Umfeld des Neumarktes werden Vorkehrungen getroffen, um den Busverkehr reibungslos umleiten zu können. Dazu sind provisorische Bushaltestellen und Baustellenampeln nötig. „Bauphase 0“ nennen die Planer diesen Abschnitt, der acht Monate dauern soll.
Im November 2026 starten die Hauptarbeiten, die in fünf Bauphasen eingeteilt sind. Zunächst wird der nördliche Teil umgebaut, dann der südliche Bereich vor dem Landgericht. Es folgen die Anschlüsse an die Große Straße, an die Wittekindstraße, die Johannissstraße und den Kollegienwall. Zwischenzeitlich wird der Zentrale Busbahnhof (Grüner Brink) gestaltet und mit einer neuen Überdachung ausgestattet. Ziel ist es, den neuen Neumarkt zum Weihnachtsgeschäft 2029 fertig zu stellen.
Der Nahverkehr: Die Busse werden auch in der Bauphase über den Neumarkt rollen können. Dazu setzen die Verantwortlichen ein ausgeklügeltes Umleitungssystem mit provisorischen Haltestellen außerhalb des eigentlichen Baufeldes um. Die Planer versprechen, die Busnutzer sicher und möglichst komplikationslos durch die Baufelder zu lotsen. Es würden „dauerhaft verlässliche Umsteigebeziehungen“ sichergestellt und die „räumliche Verständlichkeit des ÖPNV-Angebotes“ gewahrt, schreibt die Verwaltung in der Vorlage für den Rat.
Im Hintergrund wird weiter am „Zukunftsnetz“ gefeilt, das ab Mitte 2027 den Nahverkehr in Stadt und Landkreis Osnabrück verbessern soll. Teil des Konzeptes ist es, einige der Linien nicht über den Neumarkt, sondern über die Johannisstraße und die Johannisfreiheit zum Hauptbahnhof zu führen. Dazu wird im kommenden Jahr ein Wettbewerbsverfahren zur Gestaltung der Johannisfreiheit gestartet, dessen Ergebnis Ende 2026 vorliegen soll.
Die Umleitung durch die heute verkehrsberuhigte Zone zwischen Johanniskirche und Kinderhospital ist hochumstritten. CDU-Ratsherr Fritz Brickwedde kündigte im Finanzausschuss an, die Umleitungspläne nicht mitzutragen. Auch sein SPD-Kollege Heiko Panzer sieht die Umwandlung der Johannisfreiheit in eine Bus-Tangente kritisch.
Der Autoverkehr: Mit Start der Hauptbauphase beginnt für den Neumarkt eine neue Zeitrechnung: Die jahrzehntelang diskutierte Sperrung für Autos wird Realität. Fußgänger- und Radfahrer hingegen werden auch während der Bauarbeiten den Neumarkt passieren können.
Um die Autos dauerhaft vom Neumarkt fernhalten zu können, ist eine sogenannte Teilentwidmung notwendig. Das ist ein aufwändiger Rechtsakt, der eine Änderung des Bebauungsplans einschließt und vom Rat beschlossen werden muss. Teilentwidmung heißt: Der Neumarkt verliert seinen Status als öffentliche Verkehrsfläche für bestimmte Verkehrsträger, in diesem Fall für Autos.
Im Entwidmungsverfahren (oder Verfahren zur „Teileinziehung“) sind die Folgen der Neumarktsperrung für den Verkehr auf dem Wallring zu ermitteln. Darauf haben die Anwohner des innerstädtischen Rings einen Anspruch, wie das Oberverwaltungsgericht Lüneburg 2018 feststellte.
Die Verkehrsplaner, die derzeit das Verkehrsmodell erarbeiten, gehen von einer höheren Lärmbelastung auf dem Wallring aus. Sollte sich das bestätigten, haben die Anwohner Anspruch auf passiven Lärmschutz. Das heißt, die Stadt muss den Anwohnern die Kosten für den Einbau lärmmindernder Fenster erstatten. Wie hoch die Kosten sein werden, kann noch keiner abschätzen.
Der Finanzausschuss dem Fahrplan mehrheitlich zugestimmt und Haushaltsmittel von 27,7 Millionen Euro freigegeben. Sprecher aller Fraktionen äußerten ihre Genugtuung, dass es endlich am Neumarkt vorangeht.
Parallel zur Platzgestaltung wird es voraussichtlich eine zweite Großbaustelle geben. Die Lindhorst-Gruppe will 2026 mit dem Abriss der Schrottimmobilien südlich des Neumarktes beginnen. Dort sollen die Johannis-Höfe entstehen – ein modernes Stadtquartier mit Wohnungen, Geschäften, Büros und einem Pflegeheim.