Bissendorf  Von Karmann zur AfD: Jörg Dilge will Landrat des Landkreises Osnabrück werden

Raphael Steffen
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Von Raphael Steffen
| 25.11.2025 12:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Jörg Dilge bei der Arbeit in seinem Cabrio-Zentrum Osnabrück. Der Unternehmer ist erster Landratskandidat der AfD im Osnabrücker Land. Foto: André Havergo
Jörg Dilge bei der Arbeit in seinem Cabrio-Zentrum Osnabrück. Der Unternehmer ist erster Landratskandidat der AfD im Osnabrücker Land. Foto: André Havergo
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Erstmals stellt die AfD einen eigenen Kandidaten für die Landratswahl im Osnabrücker Land auf: Jörg Dilge will 2026 das Kreishaus am Schölerberg übernehmen. Der 59-Jährige hat eine bewegte Vita.

Wie der AfD-Kreisverband mitteilt, wurde Jörg Dilge am vergangenen Samstag (22. November 2025) als Kandidat für die Landratswahl 2026 im Landkreis Osnabrück präsentiert. Damit geht die Partei, die vom Verfassungsschutz in Teilen als rechtsextrem eingestuft wird, erstmals mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen. Der 59-Jährige wird als Unternehmer mit „jahrzehntelanger Erfahrung“ und einem „klaren Gestaltungswillen“ vorgestellt.

„Mit Jörg Dilge haben wir einen Kandidaten, der Verantwortung übernimmt, zuhört und entschlossen gestalten will“, wird Kreischef Marcel Queckemeyer zitiert. Dilge erklärt, er wolle als Landrat „anpacken, Strukturen verbessern und mit gesundem Menschenverstand Entscheidungen treffen“.

Bei der Wahl im September 2026 treten außerdem Amtsinhaberin Anna Kebschull (bislang Grüne, jetzt überparteilich) und Thomas Spieker (CDU) an. Dilge ist bisher parteipolitisch nicht in Erscheinung getreten, gehört auch keinem Kommunalparlament an. Er ist aber in der Region durchaus bekannt – als Chef des Cabrio-Zentrums Osnabrück, das im vergangenen Jahr 20 Mitarbeiter hatte und Kunden von weither anzieht.

Dilge begann 1982 als Lehrling bei Karmann in Osnabrück und machte sich nach der Insolvenz des Autobauers 2010 selbstständig. Bis heute kennt er nach eigener Angabe viele „Kumpels“ im jetzigen VW-Werk im Fledder, dessen Zukunft gerade auf der Kippe steht. 2024 hatte Dilge deswegen im Gespräch mit unserer Redaktion einen Vorschlag, um die Krise zu überwinden: „Die Mitarbeiter von VW, die Gewerkschaft verzichtet auf 25 Prozent Lohn, die Autos werden günstiger produziert.“

Den Landkreis Osnabrück will der AfD-Kandidat durch eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung „langfristig handlungsfähig“ halten. Als Stichworte werden in der Mitteilung Bürokratieabbau, Stärkung des Ehrenamts, eine aktive Ansiedlungspolitik für Unternehmen und „pragmatische Lösungen“ für „erreichbare, bezahlbare und verlässliche Mobilitätsangebote“ genannt. Konkret wird es in zwei Punkten: Jörg Dilge will Förderschulen erhalten und die Kreisumlage nicht weiter erhöhen.

Nach Angaben des AfD-Kreisverbands wird die Partei „in den kommenden Wochen in Dialogveranstaltungen, Ortsbesuchen und digitalen Formaten das Programm des Kandidaten vertiefen und den Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern suchen“. In der Vergangenheit waren derartige Veranstaltungen stets von Gegenprotesten begleitet, so etwa in Badbergen und Schwagstorf.

Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 konnte die AfD vor allem im Nordkreis ihre Ergebnisse stark steigern, deutschlandweit ist sie aktuell in den Umfragen zweitstärkste Kraft. Andere politische Kräfte, aber auch weite Teile der Zivilgesellschaft, schließen eine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußenpartei kategorisch aus. Vor allem ihre Forderung nach „Remigration“ und ihre außenpolitische Nähe zu Russland stoßen auf starken Widerspruch.

In Osnabrück sowie vielen kleineren Orten im Landkreis fanden 2024 und 2025 große Demonstrationen gegen das Erstarken der AfD statt. In der Stadt ist zudem die „antifaschistische Mitmachkampagne ‚Den Rechten die Räume nehmen‘“ aktiv und organisiert Kundgebungen gegen Aktivitäten der Partei.

Jörg Dilge dürfte das nicht entgangen sein. Obwohl er in der AfD-Mitteilung als „Unternehmer aus Bissendorf“ vorgestellt wird, nannte er sich noch im März gegenüber unserer Redaktion einen „Urschinkelaner“. Damals beschwerte er sich über das Fällen von Bäumen, die für das neue Trainingszentrum des VfL Osnabrück weichen mussten. Dilges Kommentar dazu: „Der VfL ist nicht Bayern München. Das ist eine Drittligamannschaft, und selbst dort nicht gerade oben.“

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