Schwimmen Freibad für Leer – Wunsch, Debatte und Hintergründe
Der Wunsch nach einem Freibad in Leer ist groß, das hatte zuletzt eine große Umfrage gezeigt. Nun kam das Thema wieder auf den Tisch.
Leer - Ein Freibad in Leer ist ein Wunsch vieler. Beispielsweise bei der Umfrage „Heimatcheck“ der Zeitungen Ostfrieslands. Rund 14.600 Menschen aus der Region hatten teilgenommen. In den Freitextantworten kam das Thema Freibad in Leer immer wieder auf. Auch die Politik hat sich damit schon einige Male auseinandergesetzt.
Zuletzt im Sportausschuss am Donnerstag, 19. November: Die Verwaltung hat unter anderem zusammengestellt, was ein Freibad kosten würde. Wir fassen die Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammen.
Kosten, Größe, Wünsche: Was würde es kosten, ein Freibad zu bauen?
2015 wurde – als das Hallenbad Plytje neu gebaut wurde – schon einmal überschlagen, was Freibadelemente kosten würden. Der Siegerentwurf des Architekturbüros Krieger enthielt ein Erlebnisbecken, ein Mehrzweckbecken und einen Eltern-Kind-Bereich, schreibt die Stadt. Die geplante Wasserfläche des Freibadbereiches betrug 480 Quadratmeter. Diese „Grobannahmen“ hat die Stadt genutzt und überschlagen, was das Ganze heute kosten würde. Dafür hat man sich auf die Kostenkennwerte des Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) bezogen. Insgesamt lande man laut Verwaltung bei rund 4,8 Millionen Euro netto für den Bau eines Freibads dieser Größe.
Knapp die Hälfte (2,3 Millionen) würde dabei nach Angaben der Stadt für den Beckenbau, Abdichtung und die Beckenränder draufgehen. Das Erlebnisbecken würde beispielsweise mit geschätzten 1,13 Millionen zu Buche schlagen (mit Wasserattraktionen und kleiner Rutsche). Die Technik würde nach den Berechnungen 1,2 Millionen ausmachen, also rund ein Viertel der Kosten ausmachen, sprich die: Filter-, Pumpen-, Heiztechnik, Steuerung, Elektro und Sanitär.
Freibad: Was kostet der Betrieb?
Bäder – ob Frei- oder auch Hallen- – sind Verlustgeschäfte für Kommunen. Das Plytje in Leer stellt keine Ausnahme dar. Im Sommer kann das Bad durch Faltelemente ein „Freibadambiente“ schaffen, wie die Verantwortlichen schreiben. Käme der Betrieb eines Freibades hinzu, wie es in den Plänen skizziert worden ist, würde das Defizit steigen. Die Leeraner Badebetriebs GmbH hat das durchkalkuliert. Ergebnis: Das jährliche Defizit des Plytje (2024: rund 1,42 Millionen Euro) würde sich um rund 580.000 Euro erhöhen. „Außerdem besteht im Bäderbereich ein großer Fachkräftemangel. Es bestehen deshalb erhebliche Zweifel, dass der notwendige Personalbedarf für ein zusätzliches Freibad gedeckt werden könnte“, heißt es weiter in der Vorlage.
Könnte man Gelder für ein Freibad bekommen?
Da ist aus Sicht der Verwaltung nicht viel zu holen. „Das aktuelle Bundesprogramm ‚Sanierung kommunaler Sportstätten‘ zielt nur auf die Sanierung oder den Ersatzneubau bestehender Sportanlagen ab“, heißt es in der Vorlage. Für das Sportstätteninvestitionsprogramm 2025 des Landes Niedersachsen sei die Antragsfrist abgelaufen. Es gehe bei Förderprogrammen aber meist um Sanierungen, nicht um Neubauten.
Was würde ein Freibad in Leer für Touris, Schulen und Vereine bringen?
Grundsätzlich hat jede Attraktivitätssteigerung positive Auswirkungen auf den Tourismus in Leer, schreibt die Stadt. Wichtig sei, ob der Bau eines Freibades zusätzliche Gäste anziehe oder Urlaube und Ausflüge dadurch länger oder häufiger würden. „Die bestehenden Gästegruppen in Leer haben nur wenig Interesse an Bademöglichkeiten. Die Touristik GmbH Südliches Ostfriesland führt laufend Gästebefragungen durch. Für den Zeitraum 2022 bis 2025 wurde für den Bereich der Stadt Leer auf die Frage nach der Wichtigkeit von Angeboten die Bademöglichkeiten von rund 61 Prozent der Befragten „unwichtig“ angegeben.“ Wichtig sei Ruhe, Erholung, Klima und Natur. 17 Prozent der Gäste seien demnach Familien. Bademöglichkeiten gebe es in der Umgebung.
Für die Schulen und Sportvereine bringe ein Freibad aus Sicht der Verwaltung keinen Mehrwert. Für den Schul-und Trainingsbetrieb seien witterungsunabhängige, überdachte Wasserflächen entscheidend.
Freibad für Leer: Ja oder Nein? So entschied die Politik
Im September hatte die Gruppe SPD/Stevens-Kimpel die Verwaltung beauftragt, all diese Fakten zu einem Freibadbau zu prüfen. Die Berechnungen seien eher der „Worst Case“. Man wünsche sich, kreativ an die Suche nach Fördermöglichkeiten ranzugehen und das Thema nicht ad acta zu legen. Es sei ein Armutszeugnis für die Kreisstadt Leer, kein Freibad zu haben. Unter anderem in Emden oder Papenburg sehe das anders aus. Man werde den Finger weiter in die Wunde legen und sich für die Idee eines Freibades einsetzen.
Jeder wolle im Herzen gerne ein Freibad, hieß es von der CDU, die Kosten ließen dies nicht zu, beispielsweise Papenburg habe mit dem Betrieb zu kämpfen. Die Grünen führten unter anderem an, dass der Bedarf in der Infrastruktur ohnehin schon sehr hoch sei. Am Ende fiel das Ergebnis knapp aus: Mit einer Stimme mehr (sieben zu sechs) wurde für den Beschlussvorschlag der Verwaltung gestimmt, das Thema Freibad nicht weiter zu verfolgen.