Osnabrück  Wühlende Gefahr: Warum Nutrias zur Plage im Osnabrücker Land werden

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 14.11.2025 07:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf den ersten Blick harmlos – doch ihre Gänge unterhöhlen Böschungen: Nutrias bedrohen im Landkreis Osnabrück den Hochwasserschutz. Das Bild zeigt eine Nutria - auch Biberratte genannt - an einem Fluss im Spreewald. Foto: dpa/Frank Hammerschmidt
Auf den ersten Blick harmlos – doch ihre Gänge unterhöhlen Böschungen: Nutrias bedrohen im Landkreis Osnabrück den Hochwasserschutz. Das Bild zeigt eine Nutria - auch Biberratte genannt - an einem Fluss im Spreewald. Foto: dpa/Frank Hammerschmidt
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Sie wirken harmlos – doch ihre Gänge gefährden ganze Uferbereiche: Nutrias unterhöhlen binnen Wochen Böschungen. Der Kreisjägermeister schlägt Alarm: „Nutrias sind für den Hochwasserschutz eine Katastrophe.“ Auch der Landkreis Osnabrück warnt vor massiven Schäden.

Sie wirken friedlich, doch unter der Wasseroberfläche graben sie an der Stabilität ganzer Landschaften. Nutrias, ursprünglich aus Südamerika eingeschleppte Sumpfbiber, sind im Landkreis Osnabrück zur echten Plage geworden. „Die Nutrias sind für den Hochwasserschutz eine Katastrophe“, warnt Kreisjägermeister Martin Meyer-Lührmann. „Böschungen werden binnen weniger Wochen untergraben. Die extreme Vermehrungsrate macht die Bejagung sehr schwierig.“

Laut Landesjagdbericht 2024/2025 wurden in Niedersachsen so viele invasive Arten wie noch nie erlegt – allein mehr als 53.000 Nutrias. Auch im Osnabrücker Land steigen die Zahlen deutlich. Besonders betroffen sind die Niederungen entlang der Hase und rund um den Alfsee, wo die Tiere in den weichen Uferbereichen ideale Bedingungen finden. In Städten wie Bramsche, Quakenbrück und Osnabrück erschwert die Bebauung die Bejagung zusätzlich. „Die Schäden durch die grabenden Nager sind erheblich“, sagt Kreissprecher Burkhard Riepenhoff. Die Tiere unterhöhlen Uferböschungen, Gräben und Dämme – mit gravierenden Auswirkungen: „Das kann dazu führen, dass Böschungen abrutschen oder landwirtschaftliche Fahrzeuge einbrechen. In der Folge kann es zu Gewässerverschmutzungen kommen, und ein sicherer Hochwasserschutz ist nicht mehr gewährleistet.“

Neben den Nutrias breiten sich auch Waschbär und Marderhund zunehmend im Kreisgebiet aus. „Die großen Wellen konnten wir durch intensive Fallenjagd brechen“, berichtet Meyer-Lührmann. „Zurzeit kommt aber wieder eine neue Welle auf uns zu.“ Erst vor wenigen Tagen habe er in Merzen eine Marderhund-Fähe gefangen. Beide Arten gelten als ernsthafte Bedrohung für heimische Tierbestände. Der Landkreis bestätigt: Waschbären plündern Nester, fressen Amphibien sowie Laich und dringen selbst in Greifvogel- und Storchennester vor. Marderhunde könnten ebenfalls empfindliche ökologische Folgen haben, auch wenn deren Auswirkungen bislang weniger erforscht sind.

„Gerade der Waschbär ist eine große Gefahr für wasserbewohnende Arten“, sagt Meyer-Lührmann. „Wir sehen im Osnabrücker Land einen Rückgang bei Entenarten, während Nilgänse stark zunehmen.“ Auch diese aus Afrika stammende Gänseart gilt als invasiv und verdrängt heimische Wasservögel durch ihr aggressives Verhalten.

Um die Ausbreitung der invasiven Arten einzudämmen, arbeiten Jäger, Unterhaltungsverbände und der Landkreis eng zusammen. „Sobald ein Nutria-Hotspot entdeckt wird, leiten wir gemeinsam Maßnahmen ein – Fang, Abschuss und mechanische Uferverbauung“, erklärt Meyer-Lührmann. „Die Jäger sind zudem präventiv unterwegs und versuchen, die Bestände kleinzuhalten.“ Der Landkreis hat die Bekämpfung zusätzlich finanziell gestärkt: 50.000 Euro flossen 2024 in ein Förderprogramm für neue Fallen. Die Jägerschaften stockten die Summe mit eigenen Mitteln auf und statteten Reviere mit elektronischen Fallenmeldern aus.

Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) fordert, die Bejagung invasiver Arten weiter auszubauen – und trifft damit im Osnabrücker Land auf Zustimmung. „Wir müssen die Bejagung intensivieren und revierübergreifend organisieren, um Populationsentwicklungen frühzeitig zu erkennen“, sagt Kreisjägermeister Meyer-Lührmann. Auch der Landkreis sieht Handlungsbedarf: Invasive Arten wie Nutria, Waschbär oder Nilgans gefährden nicht nur Ökosysteme, sondern auch die Artenvielfalt. Wo intensiv bejagt wird, sind Wiesen- und Bodenbrüter wie Rebhuhn, Fasan oder Brachvogel demnach deutlich häufiger zu finden.

Das Problem reicht über die Region hinaus: Auf EU-Ebene stehen mittlerweile 114 invasive Arten auf der offiziellen Liste – Tendenz steigend. Sie gefährden nicht nur Böschungen, sondern in Damm- und Deichanlagen, an Schleusen und Sperrwerken auch die Standsicherheit der Bauwerke. Darüber hinaus sind ganze Lebensräume bedroht. Im Osnabrücker Land bleibt der Nutria der sichtbarste Störenfried – und hat sich auf Kosten anderer in unserem Ökosystem etabliert.

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