Berlin  Seinen großen Kanzlermoment hatte Friedrich Merz noch nicht

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 11.11.2025 17:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Seinen 70. Geburtstag feierte Friedrich Merz im Bundestag. „Rambo Zambo“ wäre gerade unpassend. Foto: TOBIAS SCHWARZ
Seinen 70. Geburtstag feierte Friedrich Merz im Bundestag. „Rambo Zambo“ wäre gerade unpassend. Foto: TOBIAS SCHWARZ
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Kein „Rambo Zambo” zum 70. Geburtstag, im Land herrscht Katerstimmung. Und seinen großen Kanzlermoment hatte Friedrich Merz auch noch nicht.

Zum 70. Geburtstag hagelt es für Friedrich Merz schlechte Nachrichten. Ein knappes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie so schlecht wie noch nie. Verbraucher wie Unternehmen halten lieber ihr Geld zusammen als es zu investieren. Seinen 70. Geburtstag wird der Bundeskanzler mit einem gediegenen Empfang feiern, den seine Bundestagsfraktion für ihn am Rande einer vollen Arbeitswoche ausrichtet. Das passt. Für “Rambo-Zambo” ist jetzt nicht die Zeit. Im Land herrschen Katerstimmung und Verunsicherung.

Friedrich Merz wollte nicht weniger als den Beweis antreten, dass die Herausforderungen aus der Mitte des Parlaments bewältigt werden können. Dass er sich darum redlich bemüht, wird man ihm kaum absprechen können. Mit dem Koalitionspartner SPD geht er sorgsam um - und hält sich an Absprachen aus dem Koalitionsvertrag. Das Ergebnis: Statt Wenden gibt es vorsichtige Kurskorrekturen. Merz droht zum Kanzler der kleinen Schritte zu werden, der gerade er nie werden wollte. Ein roter Faden ist die Bedingung für eine Regierung, der die Menschen vertrauen. Der ist noch nicht klar erkennbar. 

In seiner kurzen Regierungszeit musste Merz von alten Gewissheiten Abschied nehmen, die zu den Grundfesten seiner politischen Prägung gehören. 1955, seinem Geburtsjahr, begann das beispiellose Wirtschaftswunder, der Aufstieg der deutschen Automobilindustrie, die Westbindung an die USA wurde erkämpft und für ihn zur Selbstverständlichkeit. Die Versöhnung Deutschlands mit Europa und die Entstehung der Europäischen Union schritten voran. Merz gehört zu einer Generation, für die vereinfacht gesagt, das Leben immer besser wurde. Jetzt ist er es, der neue Wege und Verbündete suchen muss. Kann er das?

Seine Voraussetzungen sind nicht die Schlechtesten. Sein vergleichsweise hohes Alter ermöglicht es ihm geradezu, befreit aufspielen. In punkto Karriere geht nicht mehr. Ja, es sind schwierige Zeiten. Aber gab es die nicht auch schon immer? Viele Kanzler und auch die Kanzlerin, die Wegweisendes entschieden haben, konnten nicht auf Beifall und Beliebtheit hoffen. Merz sollte das Land nicht länger auf die Folter spannen. 

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