Osnabrück Osnabrücker Geflügelhof Kottmann: „Ausbruch der Vogelgrippe wäre eine Katastrophe!“
Der Geflügelhof Kottmann in Osnabrück-Sutthausen gilt als Risikobetrieb – für ihn greift seit Freitag die neue Stallpflicht. Landwirt Johannes Kottmann sieht sich gut vorbereitet: Wintergärten, die schon vor Jahren an die Ställe angebaut wurden, sichern das Tierwohl.
Die Vogelgrippe breitet sich in Niedersachsen weiter aus. Seit Freitag gilt auch in Stadt und Landkreis Osnabrück eine Stallpflicht für sogenannte Risikobetriebe. Betroffen sind größere Geflügelhalter mit Auslaufflächen. Auch der Geflügelhof Kottmann in Sutthausen fällt unter diese neue Regelung.
„Ich bin froh, dass es jetzt eine Stallpflicht für Risikobetriebe in Stadt und Landkreis Osnabrück gibt“, sagt Seniorchef Johannes Kottmann. „Da wir auf unserem Hof mehr als 1000 Hühner halten, sind wir von dieser Allgemeinverfügung direkt betroffen.“
Landwirt Johannes Kottmann führte den Familienhof in zweiter Generation. Sein Vater hatte den Betrieb 1957 aufgebaut – damals noch mit Schweinen, Rindern und Pferden, aber auch mit den ersten Hühnern. Seit 1990 stand Johannes Kottmann an der Spitze des Betriebs, den er auf moderne Freilandhaltung umgestellt hatte. Mittlerweile führt sein Sohn Daniel den Hof in dritter Generation weiter. Heute bewirtschaftet die Familie rund 100 Hektar Land, auf denen das Futter für die Tiere wächst.
Die aktuelle Stallpflicht für Risikobetriebe sei eine sinnvolle Maßnahme, um die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen, sagt Johannes Kottmann. „Jede Maßnahme, die hilft, das Risiko zu verringern, muss jetzt konsequent genutzt werden. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn in unserem Betrieb die Vogelgrippe ausbräche und alle Tiere gekeult werden müssten – das würde unsere Existenz bedrohen.“
Für den Freilandhalter steht fest: „Der Schutz von Geflügel und Tierhaltern muss jetzt oberste Priorität haben.“ Wirtschaftlich sei die Stallpflicht für seinen Betrieb zu ertragen. „Für meinen Freilandbetrieb ist die Maßnahme verkraftbar, weil der Freilandstatus unserer Eier erst nach zwölf Wochen Stallhaltung aberkannt wird.“
Kottmann betont, dass er und seine Familie auf solche Situationen vorbereitet sind. „Wir haben uns schon vor Jahren auf solche Situationen eingestellt. Als die Vogelgrippe vor 20, 25 Jahren erstmals in Deutschland aufkam, mussten wir Wintergärten an unsere Ställe anbauen. Das hat sich bewährt: Die Hühner haben mehr Platz, und wir haben keine Probleme mit Federpicken.“
Die Tiere verfügen über großzügige Auslaufflächen von etwa vier Quadratmetern pro Henne, wie Kottmann berichtet. Das sorge auch in Zeiten der Stallpflicht dafür, dass es in den vier Ställen nicht zu eng werde. Die von ihm schon vor langer Zeit geschaffenen Rahmenbedingungen verhinderten, dass Hühner sich gegenseitig die Federn ausreißen.
Nach der aktualisierten Risikobewertung stuft der Landkreis Geflügelhaltungen mit mehr als 350 Tieren und zusätzlichen Risikofaktoren wie der Nähe zu Rastplätzen von Kranichen oder Gänsen jetzt als Risikobetriebe ein. Für diese Bestände gilt die Stallpflicht seit Freitag. Eine flächendeckende Aufstallung für alle Geflügelhalter ist dagegen weiterhin nicht vorgesehen.
Kottmann hält diese Vorgehensweise der Veterinärbehörde für richtig. Er hält die aktuelle Maßnahme „zunächst bis Ende Dezember für sinnvoll“. Dann sei der Vogelzug im Wesentlichen abgeschlossen, und man wisse mehr über die Verbreitung des Virus. Er prognostiziert: „Ab Januar könnte die Situation sich wieder entspannen.“
Mit Blick auf die bundesweite Entwicklung bleibt er dennoch wachsam. „In den vergangenen Jahren war die Vogelgrippe bundesweit immer wieder ein Thema – zuletzt waren vor allem Wildgänse stark betroffen. Puten sind offenbar wesentlich empfindlicher als Hühner, aber auch Bodenhaltungsbetriebe können betroffen sein.“
Der Landkreis Osnabrück ruft alle Geflügelhalter auf, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Futter- und Tränkestellen sollten so gesichert sein, dass Wildvögel keinen Zugang haben. Zudem wird empfohlen, den Zutritt betriebsfremder Personen einzuschränken und Futter sowie Einstreu trocken und abgedeckt zu lagern.
Die hochansteckende Geflügelpest breitet sich in Niedersachsen weiter aus. Mehrere Landkreise meldeten am Wochenende weitere Fälle in Geflügelhaltungen. In der Stadt Vechta war ein Betrieb mit rund 38.000 Legehennen betroffen, wie der Landkreis mitteilte. Der Bestand musste tierschutzgerecht getötet werden. Johannes Kottmann möchte mit allen Mitteln verhindern, dass so etwas auch seinem Betrieb widerfährt.