Wallenhorst Exklusiver Abend, besondere Atmosphäre: Spitzenköche kreieren Dinner für Help Age
Genuss trifft Verantwortung: Beim Charity-Dinner von Help Age auf dem Hof Hawighorst in Wallenhorst kochten Spitzenköche für den guten Zweck und sammelten Spenden für ältere Menschen in Malawi. Ein Blick in die Küche, auf die Teller und in ferne Länder.
Zwischen funkelnden Gläsern und Kerzenschein füllt sich der Saal auf dem Hof Hawighorst mit leiser Erwartung. Stimmengewirr, Lachen, das Rascheln von Stoffservietten. Dann verstummt alles, als Nadine Fels, das Mikrofon ergreift. „Heute Abend geht es um mehr als um gutes Essen. Es geht darum, älteren Menschen weltweit eine Stimme zugeben“, sagt die Vorständin von Help Age Deutschland. Für einen Moment ist es still. Dann klingt Applaus auf – ehrlich und bewegt. Es ist der Auftakt eines Abends, an dem Genuss und Verantwortung miteinander verschmelzen sollen.
Zum siebten Mal haben Help Age, Gastgeber Gunnar Sander und Thomas Bühner zum Benefizabend eingeladen, in diesem Jahr zum 20-jährigen Bestehen der in Osnabrück gegründeten Hilfsorganisation. Der Hof Hawighorst in Wallenhorst erweise sich dabei als „perfekter, herzlicher Ort“, wie Fels sagt, denn im Familienbetrieb kämen schon im Alltag Generationen zusammen – und an diesem Abend, zum Charity-Dinner, Menschen, die helfen wollen.
Drei Gänge, drei Handschriften: Den Auftakt des Dinners gestaltet Carol Mühlenbrock. Die Köchin mit Wurzeln in Kenia bringt Samosas auf den Teller und erzählt Geschichten aus der Küche Afrikas. „Kochen soll Menschen zusammenbringen“, sagt sie im Gespräch mit Foodjournalistin Stefanie Hiekmann. Es gehe nicht ums schnelle Sattwerden, sondern um das, was am Herd entstehe: Gemeinschaft.
Star-Koch Thomas Bühner setzt im Hauptgang auf Herbstküche mit Strudel, Wildgeflügel und Rote Bete. „Ein unterschätztes Gemüse“, wie er schmunzelnd anmerkte. Eigentlich könne er diesen Abend auch in Istanbul, Düsseldorf oder Taiwan kochen, erzählte er.
„Aber ich habe in meinem Leben so viel Glück gehabt. Da kann man auch mal was Gutes tun.“ Die Gäste des Dinners, sagt er, seien „das Vehikel“, damit die Hilfe von Help Age überhaupt erst möglich werde.
Zum süßen Abschluss sorgt Tom Elstermann mit seinem Dessert für das, was Moderatorin Fels „Spaß auf dem Teller“ nennt.
Während der dritte Gang vorbereitet wird, strömen die Gäste in den Wintergarten, plaudern, machten Fotos und stoßen miteinander an.
Dass es an diesem Abend nicht nur unter den Gästen, sondern auch hinter den Kulissen um Solidarität geht, zeigt ein Blick auf die Organisation: Rund 20 Servicekräfte und das Küchenpersonal des Hofes Hawighorst verzichten auf ihren Lohn, der Hof selbst, stellt die Location ebenfalls unentgeltlich zur Verfügung. Auch diese eher stille Form der Unterstützung sorge dafür, dass möglichst viel Geld in die Projekte von Help Age fließen könne, räumt Familie Hawighorst ein.
Zwischen den Gängen gehört die Bühne denen, um die es im Kern geht: älteren Menschen auf der ganzen Welt. Ehrengast Andrew Kavala nimmt die Gäste gedanklich mit nach Malawi. Er berichtet von Großmüttern, die mit 80 Jahren noch stundenlange Fußwege zu ihren Feldern zurücklegen müssen, von fehlenden Renten, von medizinischer Unterversorgung. Er erzählt aber auch von der ersten Pflegeeinrichtung des Landes, die fast fertig sei. Das Besondere: Mit den rund 45.000 Euro, die an diesem Abend als Spendensumme zusammenkommen, könne die Einrichtung nun komplett ausgestattet und eröffnet werden. „Für viele wird es sich anfühlen, wie ein Himmel auf Erden“, so Kavala.
Auch Schauspielerin und Help Age-Botschafterin Annika Ernst berichtet von ihrer Reise zu einem Projekt in Uganda. Sie sprach von Frauen, die mit sechs Euro Rente ihre Enkelkinder mit Schulmaterial versorgen, von harter Feldarbeit und großer Lebensfreude trotz widrigster Umstände. „Was mich seitdem begleitet, ist eine unglaubliche Dankbarkeit“, sagte sie sichtbar bewegt.
Als die letzten Gäste den Hof Hawighorst verlassen, bleibt der Eindruck eines besonderen Abends. Kulinarik und Engagement als Einheit für eine gute Sache – die erste Pflegeeinrichtung in Malawi.